Technik

Prima Klang, ANC, viel Druck Beats Solo Pro gibt kräftig auf die Ohren

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Der Beats Solo Pro ist ein kompakter Bluetooth-On-Ear-Kopfhörer mit ANC.

(Foto: kwe)

Der Beats Solo Pro ist ein ausgezeichneter On-Ear-Kopfhörer, der neben einem ausgezeichneten Klang auch eine sehr effektive aktive Geräuschunterdrückung bietet. Allerdings hat sein Konzept auch einen Nachteil, den man für den ungestörten Musikgenuss akzeptieren muss.

Inzwischen gibt es jede Menge ohrumschließende Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung und Nutzer haben die Wahl zwischen vielen verschiedenen Geräten unterschiedlicher Preisklassen und Qualität. Bei Over-Ears, also Kopfhörer, deren Muscheln auf den Ohren aufliegen, sieht es da noch ganz anders aus. Viel mehr als der Libratone Q Adapt ist da bisher noch nicht auf dem Markt. Das ändert sich aber allmählich, unter anderem hat jetzt Beats mit dem Solo Pro einen On-Ear-Kopfhörer mit Active Noise Cancelling (ANC) herausgebracht. n-tv.de hat ihn ausprobiert.

Typisches Design

Optisch ist der Neuling ein typischer Beats, dem man sofort seine Herkunft ansieht. Ohne Größenvergleich könnte es sich auf den ersten Blick auch um einen Studio 3 Wireless handeln. Aber warum sollte Beats auch ein gelungenes Design ändern? Die Verarbeitung ist hochwertig, die matten Kunststoff- und Aluminium-Oberflächen fühlen sich gut an, nichts knarzt oder wackelt.

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Den Kopfhörer gibt's in sechs verschiedenen Farben.

(Foto: Beats)

Zum Glück hat der Solo Pro auch die einfache, aber effektive Steuerung übernommen. Die Außenseite der rechten Muschel ist eine große Taste. Um Songs zu pausieren, vor- oder zurückzuspringen, drückt man ein-, zwei- oder dreimal auf die Mitte, die Lautstärke regelt man über die obere und untere Seite. Das kriegt man auch mit Handschuhen hin, so soll es sein.

Einen Ein-/Ausschalter gibt's nicht, der Kopfhörer schaltet sich ein und aus, wenn man ihn auf- oder zusammenklappt. Das ist okay, weniger ist hier mehr. Allerdings fehlt ein Sensor, der die Wiedergabe automatisch pausiert, wenn man den Solo Pro absetzt.

Effektives ANC

Zusätzlich gibt es an der linken Muschel einen Knopf für die aktive Geräuschunterdrückung. Auch hier bleibt der Beats Solo Pro einfach: Man hat die Wahl zwischen An, Aus und einem Transparenzmodus, bei dem Außengeräusche verstärkt werden. Auch diese Reduzierung geht in Ordnung, denn mehr Einstellungen braucht man eigentlich nicht.

Das ANC funktioniert ausgezeichnet, auch ohne Musik bleibt vom nervigen Rauschen im Flugzeug oder Zug nicht mehr viel übrig, wenn es aktiviert wird. Auch andere Geräusche wie Stimmen oder Tastatur-Klackern reduziert der Solo Pro deutlich, kann sie aber nicht völlig ausblenden. Angenehm ist, dass nur ein sehr schwaches Eigenrauschen wahrnehmbar ist.

Schmerzhafter Druck, angenehmer Klang

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Auf kleineren Köpfen sitzt der Beats Solo Pro etwas komfortabler.

(Foto: Beats)

Die aktive Geräuschunterdrückung kann aber nur dann so effektiv arbeiten, wenn die Kopfhörer-Muscheln die Ohren dicht abschließen, selbst wenn man eine Mütze trägt oder sich eine volle Haarpracht um die Ohren wogt. Bei Over-Ears ist das weniger ein Problem, bei einem On-Ear bedeutet das aber, dass die Polster noch stärker drücken als sie das bei diesem Formfaktor ohnehin schon tun. Viel länger als eine halbe Stunde hält man das ohne "Lüften" kaum aus. Das ist beim Libratone Q Adapt ähnlich und kaum zu vermeiden. Wer empfindliche Ohren hat, sollte also lieber die Finger vom Beats Solo Pro lassen.

Kann man mit dem Druck umgehen, wird man durch einen schönen Klang belohnt, der glücklicherweise so gar nicht zum (überholten) Beats-Klischee der dumpfen Bass-Monster passt. Das soll nicht heißen, dass es dem Solo Pro an Tiefe fehlt. Er liefert kräftige Bässe, aber nicht über-, sondern wohldosiert. Wenn es der Stil verlangt, kann er auch richtig nach unten treten. Dabei respektiert er aber die Mitten, vernachlässigt die Höhen nicht und unterdrückt keine Details. Der Sound ist angenehm transparent, klar und neutral abgestimmt. Die Bühne ist nicht so groß wie bei einem guten Over-Ear, aber das wäre von dem Kleinen wohl auch zu viel verlangt.

iPhone bevorzugt, aber nicht nötig

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Zusammengeklappt passt der Kopfhörer in eine ziemlich kleine Filzbox.

(Foto: kwe)

Von der Android- App darf man nicht viel erwarten. ANC einstellen, Akku-Stand checken und umbenennen - das war's. Außerdem koppelt sich der Kopfhörer sofort, wenn man der App erlaubt, im Hintergrund BLE (Bluetooth mit niedriger Energie) auszuführen. Für iPhones gibt es keine App, man braucht sie hier aber nicht. Weil Beats Apple gehört, funktionieren sie wie Airpods. Klappt man sie in der Nähe des iPhones auf, koppeln sie sich automatisch. Das bisschen, was man regeln kann, erledigt man direkt in den Einstellungen. Apples H1-Chip soll mit hauseigenen Geräten außerdem eine stabilere Verbindung ermöglichen, doch da gibt's auch bei gekoppelten Androiden nichts zu meckern.

Vielleicht ist die Laufzeit als reines Apple-Duo noch länger, bei ohnehin deutlich mehr als 20 Stunden ist das aber auch keine große Sache. Geht dem Beats Solo Pro doch mal die Puste aus, ist er schnell wieder einsatzfähig, nach zehn Minuten am Netzteil spielt die Musik bereits wieder rund drei Stunden. Betankt wird der Kopfhörer über einen Lightning-Anschluss. Das ist keine Tragödie, ein Kabel liegt bei. Aber Apple sollte langsam mal den endgültigen Wechsel zu USB-C auf die Reihe bringen.

Erst probieren, dann kaufen

Unterm Strich ist Beats der Solo Pro ausgezeichnet gelungen. Der Kopfhörer klingt schön, sein ANC ist effektiv, die Bedienung einfach und die Ausdauer erfreulich. Bevor man den Kopfhörer für happige 300 Euro kauft, sollte man ihn aber möglichst erst ausprobieren und prüfen, ob man mit dem hohen Druck auf den Ohren klarkommt.

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Quelle: n-tv.de