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Teurer Tablet-Spaß Ist das iPad Pro 9.7 sein Geld wert?

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Auch das kleine iPad Pro hat an den Stirnseiten je zwei Stereo-Lautsprecher.

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Das iPad Pro 9.7 ist sehr leistungsfähig, hat ein fantastisches Display und einen famosen Klang. Ein besseres Tablet in dieser Größenklasse gibt es nicht, aber Apples neuestes iPad ist auch richtig teuer. n-tv.de sagt, ob das Gerät seinen hohen Preis wert ist.

Das bärenstarke iPad Pro, das Apple im vergangenen Herbst vorstellte, kann technisch absolut überzeugen. Aber vielen Nutzern ist es mit seinem 12,9-Zoll-Display einfach zu mächtig. Apple hat sich das zu Herzen genommen und im März zusammen mit dem kleinen iPhone SE auch eine Pro-Version mit 9,7 Zoll großem Bildschirm präsentiert. Von der Ausstattung ist es dem großen Bruder sehr ähnlich, hat aber auch seine eigenen Stärken und Besonderheiten.

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Fürs bloße Auge schwer zu erkennen: Das kleine iPad Pro (oben) hat ein noch besseres Display als der große Bruder.

(Foto: kwe)

Von vorne sieht das kleine iPad Pro wie Apples Air-Tablets aus. Erst wenn man es dreht, sieht man die Unterschiede. So sitzen beim neuen Gerät wie beim 13-Zoll-iPad je zwei Stereo-Lautsprecher an den Stirnseiten und bei LTE-Modellen unterbricht statt einer großen Plastik-Aussparung nur eine dünne Kunststofflinie die Aluminiumfläche.

Das beste Display

Was das Display betrifft, hat Apple beim kleinen iPad richtig geklotzt. Es übertrifft bei der Qualität sogar den Bildschirm des großen Pro. Der Betrachter selbst sieht im direkten Vergleich kaum einen Unterschied, lediglich die deutlich verbesserte Entspiegelung sticht sofort ins Auge. Im Labor zeigt das Display, was in ihm steckt. Für die Experten von "DisplayMate" ist es das beste LCD, das sie jemals getestet haben. Auch bei Helligkeit und Kontrast biete der Bildschirm Bestwerte.

Dazu bietet Apple im iPad Pro 9.7 erstmals die Anzeige-Einstellung True Tone. Ist sie aktiviert, passt sich die Bildschirmtemperatur automatisch an die Umgebungsbeleuchtung an, damit Farben dem Betrachter möglichst immer einheitlich erscheinen. Im Test hat dies gut funktioniert. Das Display passt sich  schnell, aber sanft an, so dass man das Feature eigentlich gar nicht wahrnimmt. Schaltet man True Tone nach einer längeren Nutzung ab, merkt man aber, dass etwas fehlt, der Bildschirm nicht mehr so natürlich wirkt. Ein gelungenes Feature, das durch den mit iOS 9.3 eingeführten Nacht-Modus (Night Shift) ergänzt wird. Wenn's bei Filmen stört, kann man beides einfach abstellen. Erfunden hat Apple True Tone übrigens nicht, Samsung hat die Technik bereits 2014 mit dem Galaxy Tab S eingeführt.

Stark und laut

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Wie beim iPhone 6s ragt auch beim iPad Pro 9.7 die Kamera aus dem gehäuse hervor.

(Foto: kwe)

Leistungsmäßig steht das kleine iPad Pro auf dem gleichen hohen Niveau wie der große Bruder, schneidet aber in Benchmark-Tests ein bisschen schwächer ab. Das liegt vielleicht daran, dass Apple beim 9,7-Zöller nur zwei statt vier Gigabyte Arbeitsspeicher eingebaut hat. Nutzer werden den kleinen Unterschied aber kaum merken, da er sich nur bemerkbar macht, wenn sehr anspruchsvolle Anwendungen parallel betrieben werden. Dafür ist ein geteiltes Display beim Riesen-Pro hervorragend geeignet, beim kleineren Tablet dürfte die Funktion eher für einfachere Aufgaben genutzt werden. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass der kleinere Arbeitsspeicher in Zukunft Einschränkungen mit sich bringt. Im Test liefen auch zwei Bildbearbeitungen problemlos nebeneinander (Enlight/Pixelmator). Selbstverständlich kann man auch beim kleinen iPad Pro den Apple Pencil für Feinarbeiten und Kunstwerke verwenden, das über 100 Euro teure Zubehör liegt aber auch diesmal nicht in der Verpackung. Die Akku-Laufzeit ist gut, iPad Air 2 und das große iPad Pro halten aber etwas länger durch.

Eine weiterer Vorzug des neuen Tablets gegenüber dem iPad Air 2 sind die vier Stereo-Lautsprecher an den Stirnseiten. Sie haben nicht nur für ein Tablet außergewöhnlich viel Wumms, sondern bieten auch eine für die Ohren sehr angenehme Aufteilung: Egal wie man das Gerät dreht, übernehmen die unteren Lautsprecher die Tiefen, die oberen die Höhen. So sind unter anderem Stimmen auch in Action-Krachern gut zu verstehen.

Tolle Kamera

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Wer Zweifinger-Suchsystem schreibt, hat mit dem Smart Keyboard keinen Spaß.

(Foto: kwe)

Wer mit Tablets fotografieren möchte, bekommt mit dem iPad Pro 9,7 außerdem eine mehr als akzeptable Kamera, die auch das Riesen-Tablet nicht bietet. Wie das iPhone 6s hat sie einen 12-Megapixel-Sensor, einen zweifarbigen True-Tone-Blitz und eine lichtstarke f/2.2-Blende. Tatsächlich sind Geschwindigkeit und Qualität der Foto- und Videoaufnahmen vergleichbar und von Live-Fotos bis 4K-Filmen stehen Nutzern auch die gleichen Funktionen zur Verfügung. Mit 5 statt 1,2 Megapixeln liefert die Frontkamera des kleinen Pros ebenfalls deutlich bessere Bilder als Apples 13-Zöller und kann wie beim iPhone für Selfies das Display als Ersatz-Blitz verwenden. Der "Retina Flash" des Pro leuchtet dabei das Gesicht durch die große Fläche gleichmäßiger aus.

Eine interessante Neuheit ist bei LTE-Modellen außerdem die zusätzliche integrierte SIM. Sie ermöglicht es Nutzern, direkt auf dem Tablet bei einem Netzbetreiber Datenpakete zu buchen. So kann man spontan mobil ins Netz gehen und spart sich im Ausland Roaminggebühren. In Deutschland sind derzeit drei Anbieter an Bord, gute Preise bietet aber nur die Telekom.

Tablet-König

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Die schlanke Tastatur stört beim Transport kaum.

(Foto: kwe)

Alles in allem ist das kleine iPad Pro klar das derzeit beste 10-Zoll-Tablet. Apple will für das Gerät aber auch richtig viel Geld sehen. Die günstigste WLAN-Variante mit 32 Gigabyte kostet rund 690 Euro, für das 256-Gigabyte-Modell sind 1050 Euro fällig. Wer ein LTE-Gerät haben möchte, muss zwischen 840 und 1200 Euro hinblättern. Wer bei Leistung und Display mit etwas weniger zufrieden ist, Filme sowieso immer mit Kopfhörern ansieht und Tablets nicht als Kamera nutzt, ist da wahrscheinlich mit dem iPad Air 2 besser bedient, hier kostet das günstigste WLAN-Modell mit 16 Gigabyte Speicher 439 Euro, für 540 Euro gibt's 64 Gigabyte. Ein iPad Air 2 mit LTE bietet Apple ab 560 Euro an.

Blind tippen oder suchen

Vielleicht macht ja das Smart Keyboard den Unterschied, das es nur fürs Pro gibt? Vorerst nicht. Denn für 170 Euro gibt's aktuell nur die Tastatur mit US-Layout. Das bedeutet nicht nur vertauschte Y- und Z-Tasten, sondern totale Verwirrung, wenn man nicht blind tippen kann. Denn wenn die Tastatur auf Deutsch gestellt ist, befinden sich Umlaute, das "ß" und andere Zeichen an ihrem gewohnten Ort, aber falsch beschriftet.

Das ist schade, denn das Keyboard-Cover selbst kann durchaus gefallen. Die Tasten sind zwar klein, liegen aber angenehm weit auseinander und der Hub ist ausreichend. Schön fühlt sich auch das Gewebe an, das das Keyboard bedeckt und ohne Spalten vor Staub und Flüssigkeiten schützt. Es haftet wie ein normales Smart-Cover magnetisch an, über drei Pins werden Signale und Strom übertragen. Für den Transport klappt die dünne Tastatur nach innen und bildet einen Teil des Covers. Prima. Allerdings fehlt ein Touchpad und es gibt beim Schreiben nur einen Anstellwinkel. Erstaunlich: Die Kombination ist stabil genug, um mit ihr einigermaßen komfortabel auf dem Schoß zu tippen.

Ein Laptop-Ersatz sind iPad Pro 9.7 und Smart Keyboard auch mit deutschem Tastatur-Layout nicht. Dazu fehlen unter anderem Anschlüsse und Steckplätze, ein Touchpad sowie ein offeneres Betriebssystem, das für den Desktop-Betrieb ausgelegt ist.

Quelle: n-tv.de

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