Technik

Für Samsung, HTC, LG und Co. Künstliche Intelligenz kommt aufs Handy

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Qualcomm will Smartphones intelligent machen.

(Foto: Qualcomm)

Qualcomm verleiht Smartphone-Chips Künstliche Intelligenz. Das Unternehmen stellt ein Entwicklerpaket vor, mit dem Hersteller ihre Handys schlau machen können. Grundlage ist ein Prozessor, der schon heute in einigen Smartphones steckt.

Maschinelles Lernen oder Deep Learning ist ein Bereich der Künstlichen Intelligenz, an dem viele Technik-Unternehmen arbeiten. IBMs Super-Computer Watson, Googles Deep-Dream-Projekt oder Chatbots wie Microsofts Tay geben faszinierende und manchmal verstörende Einblicke in die Welt der menschlich denkenden Computer. Auch Qualcomm möchte Computer schlauer machen und sie ein bisschen mehr wie das menschliche Gehirn arbeiten lassen. Jetzt hat der Chip-Hersteller ein Entwicklerpaket (Software Development Kit, SDK) angekündigt, das für Mobilprozessoren und mobile Geräte optimiert ist und mit dem Maschinelles Lernen auch auf Smartphones oder Drohnen möglich wird.

Basis für die "Snapdragon Neural Processing Engine" ist die Zeroth Machine Intelligence Platform, die das Unternehmen bereits auf dem Mobile World Congress 2015 vorgestellt hat. Zeroth ist eine Plattform für mobiles Maschinelles Lernen, die Smartphones mit intelligenten Funktionen ausstattet und ihnen gewissermaßen ermöglicht, wahrzunehmen, zu schlussfolgern und zu handeln. In Barcelona demonstrierte Qualcomm, wie Smartphone- oder Tablet-Kameras Handschrift oder Text offline erkennen können oder wie sie Bildinhalte und Motive von Fotos und Videos automatisch analysieren und anhand von Kriterien (Baum, Menschen, Sonnenuntergang) einordnen können ("Snapdragon Scene Detect").

Den nötigen Prozessor gibt es schon

Auch die automatische Erkennung von Malware anhand ihres Verhaltens basiert auf Zeroth ("Snapdragon Smart Protect"). Denkbar sind zudem Always-On-Funktionen, bei denen das Gerät in Bereitschaft bleibt und auf Befehle durch Gesten oder Sprachbefehle reagiert. Zeroth ist selbstlernend und wird immer "schlauer" und nützlicher, je besser sie ihren Nutzer und dessen Gewohnheiten kennt. Das Besondere: Informationen werden zudem nicht in der Cloud, sondern direkt auf dem Gerät verarbeitet und gespeichert. Das Ziel ist: Chips treffen Entscheidungen selbstständig. Dadurch werden Prozesse optimiert und beschleunigt und Ressourcen effizienter genutzt, was sich zum Beispiel positiv auf die Akkulaufzeit auswirkt.

Das Entwicklerpaket soll in der zweiten Jahreshälfte 2016 verfügbar sein, es richtet sich vor allem an Entwickler im Dienste großer Hersteller, zum Beispiel von Smartphones. Basis ist der Prozessor Snapdragon 820. Der von Samsung gefertigte Chip ist einer der Top-Smartphone-Prozessoren des Jahres. Er steckt zum Beispiel im LG G5, im HTC 10 oder im Samsung Galaxy S7. Die Snapdragon Neural Processing Engine soll aber nicht nur in Smartphones zum Einsatz kommen, sondern auch in anderen Geräten wie Drohnen, Wearables oder smarten Autos.

Quelle: ntv.de, jwa