Technik

Luxus-Systemkamera von Panasonic Lumix S1R ist ein Vollformat-Leckerbissen

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Die Panasonic Lumix S1R ist eine wuchtige Vollformatkamera.

(Foto: jwa)

Die Panasonic Lumix S1R ist ein echtes Auflösungsmonster. Die Vollformatkamera erfüllt Profiansprüche, ist aber auch ziemlich groß, schwer und nicht gerade günstig. Was hat sie drauf und gibt's auch eine preiswertere Alternative?

Wer heute mit großem Vollformatsensor fotografieren will, muss nicht mehr unbedingt eine mächtige Spiegelreflexkamera kaufen. Im Fahrwasser der hervorragenden Vollformat-Systemkameras aus Sonys Alpha-Serie haben inzwischen auch Canon, Nikon und Panasonic spiegellose Modelle im Angebot, die mit ihrem großen Sensor Profiansprüchen gerecht werden. Der Star in Panasonics Lumix-Familie ist die S1R. n-tv.de hat mit ihr ein Wochenende verbracht.

Scharfer Sucher

Die Lumix S1R ein echtes Schmankerl für anspruchsvolle Fotografen. Der Sensor hat satte 47 Megapixel Auflösung, der digitale Sucher ist groß und mit 5,7 Megapixeln derzeit einer der schärfsten auf dem Markt. Dazu ist das Gehäuse robust und sehr wertig verarbeitet, es gibt viele Bedienräder und Tasten, die sich nach Belieben mit Funktionen belegen lassen, dazu standesgemäße Extras wie einen klappbaren Touchscreen, WLAN- und Bluetooth-Verbindung und einen USB-C-Anschluss zum Laden und für die Datenübertragung. Praktisch für Vielknipser: Die Kamera hat zwei Speicherkartenschächte, einen für SD-Karten und einen für das XQD-Format. Zwei SD-Schächte wären aber praktischer gewesen. 

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Für jeden Finger hat die Lumix S1R eine Taste.

(Foto: jwa)

Die Voraussetzungen stimmen und im Kurztest hält die Lumix S1R fast alle Versprechen. Klar, ein Wochenende ist zu kurz, um wirklich mit einer Kamera mit derart vielen Funktionen und Möglichkeiten warm zu werden und ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Die Menüführung ist zudem für Lumix-Einsteiger gewöhnungsbedürftig. Im Test muss sie daher beweisen, dass sie auch mit den Werkseinstellungen und ein paar kleinen, schnellen Anpassungen in der Lage ist, tolle Fotos zu machen.

Display ist kein Muss

Die meisten grundlegenden Funktionen erschließen sich intuitiv, es gibt genügend Schalter, Tasten und Drehgriffe, sodass man nicht ständig aufs Touchdisplay angewiesen ist, um einzelne Parameter zu verstellen. Zwischen Einzel-, Serienbild und Selbstauslöser wechselt man per Drehschalter. Zwei Einstellräder sind mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand erreichbar, etwa um Blendenöffnung und Belichtungszeit anzupassen, ein Joystick dient zum schnellen Verschieben des Fokuspunktes.

Dazu kommen drei Extratasten für Weißabgleich, ISO und Belichtungskorrektur - die sind ergonomisch nicht ganz optimal platziert, Menschen mit kleinen Händen müssen ihren Zeigefinger zu sehr verbiegen, um sie bequem zu erreichen. Wirklich häufig benutzt man sie aber ohnehin nicht. Anders ist das mit dem Anschalter - den erreicht man nur mit Umgreifen, blitzschnelle Schnappschüsse sind so nicht möglich.  

Groß und schwer

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Mit ihrem 47-Megapixel-Sensor setzt die Lumix S1R auch Details scharf in Szene.

(Foto: jwa)

Apropos kleine Hände: Die S1R ist ein ganz schöner Klopper. Sie ist groß und schwer, das Gehäuse wiegt ohne Objektiv gut 1 Kilogramm, das Standardzoom-Objektiv (24-105 mm, f/4) bringt nochmal 680 Gramm auf die Waage. Das zieht auf Dauer an Schulter und Nacken, und mit kleinen Händen und wenig Kraft kann man sie nicht lange komfortabel halten - der Unterschied zu einer Vollformat-Spiegelreflex ist gefühlt ziemlich klein.

Das Display lässt sich nach unten und zur Seite klappen, das reicht für die meisten Aufnahmepositionen voll aus. Meistens wird man aber ohnehin durch den Sucher schauen, denn der ist angenehm groß und richtig scharf. Mit der VMode-Taste kann man das Sucherbild etwas vergrößern oder verkleinern, das ist praktisch für Brillenträger. Was man im Sucher sieht, entspricht aber nicht immer der Realität, Kontraste sind stärker dargestellt als nachher auf dem Foto. Das hilft beim Scharfstellen, das Endergebnis sieht aber oft etwas anders aus - der Kontrollblick aufs Display bleibt also nicht aus.

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Der Sucher der Lumix S1R ist mit 5,7 MP richtig scharf.

(Foto: jwa)

Der Bildstabilisator im Body leistet beim Filmen und Fotografieren gute Arbeit, das Test-Objektiv ist zusätzlich stabilisiert, was die Leistung noch verbessert. Der Autofokus ist treffsicher und so flott, dass man mitunter gar nicht merkt, dass er schon scharfgestellt hat. Leider ist der Unterschied zwischen halb und ganz durchgedrücktem Auslöser nicht deutlich spürbar, es kommt deshalb häufiger vor, dass man schon ein Bild aufnimmt, obwohl man nur den Fokus setzen wollte.

Linksblicker aufgepasst

Den Fokuspunkt kann man auch auf dem Touchscreen per Fingertipp setzen - das ist zwar praktisch, für “Linksblicker” aber nervig, denn wenn sie mit dem linken Auge durch den Sucher blicken, berühren sie schnell mit der Nase das Display und verschieben den Punkt. Im Test war das manchmal ziemlich nervig. 

Am wichtigsten ist natürlich die Bildqualität, und hier kann die S1R die Erwartungen voll erfüllen, auch ohne dem Sensor in Labortests auf den Zahn zu fühlen. Schon die JPG-Dateien kommen sauber und knackig scharf aus der Kamera, die Farben sind neutral und natürlich und zusammen mit dem mitgelieferten Standardzoom bekommen Fotos bei Offenblende ein schönes Bokeh. Mit hohen ISO-Werten kann die S1R gut umgehen, Bilder sind bis zu ISO 3200 nahezu rauschfrei und bis ISO 12.800 brauchbar. Weil der Bildstabilisator aber gute Arbeit leistet, braucht man derart hohe Werte nur selten.

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Wer die Lumix S1R auf einen Ausflug mitnimmt, muss ihr Gewicht bedenken.

(Foto: jwa)

Der Akku ist mit 3050 Milliamperestunden recht groß, trotzdem muss man darauf achten, dass man ihn schont, weil vor allem der scharfe Sucher viel Strom zieht. Am ersten Testtag war die Kamera während eines ausgedehnten Spaziergangs durchgehend eingeschaltet, um schnelle Schnappschüsse machen zu können. Das ging, zusammen mit dem häufigen Blick durch den Sucher, ziemlich auf den Akku und am Ende des Spaziergangs war nicht mehr viel Saft übrig. Ob das normal ist, ist schwer zu sagen - im n-tv.de-Test waren mit einer Ladung rund 250 Bilder drin, andere Tester sprechen teils von über 500 Bildern mit einer Akkuladung.

Wichtiger Unterschied zu digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR): Weil man bei denen direkt durch die Linse guckt, muss man die Kamera gar nicht einschalten, um auf der Jagd nach guten Motiven durch den Sucher zu schauen. Die S1R muss wie alle anderen spiegellosen Kameras dafür immer eingeschaltet sein - und das zieht am Akku.  

Es muss nicht "R" sein

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Wer viel mit der Lumix S1R knipst, sollte sicherheitshalber einen Ersatzakku mitnehmen.

(Foto: jwa)

Die S1R hat noch eine kleinere Schwester, die S1. Das "R" steht für Resolution, also Auflösung. Wer auf 47 Megapixel verzichten kann, fährt mit den 24 Megapixeln der S1 möglicherweise sogar besser. Denn die Unterschiede in der Auflösung sieht man erst bei großen Ausdrucken oder in der 100-Prozent-Ansicht, und die S1 kann im Videobereich mehr, kostet aber deutlich weniger. Weniger heißt aber nicht günstig: Die S1 kostet rund 2500 Euro, für die S1R verlangt Panasonic stolze 3700 Euro - wohlgemerkt ohne Objektiv. Das Standardzoom mit 24-105 mm Brennweite kostet nochmal 1400 Euro. 

Quelle: n-tv.de