Wirtschaft
Die Top-5-Tech-Riesen haben ein gemeinsames Erfolgsgeheimnis: Sie sind Monopolisten.
Die Top-5-Tech-Riesen haben ein gemeinsames Erfolgsgeheimnis: Sie sind Monopolisten.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 17. Mai 2017

Erfolgsrezept aus Silicon Valley: So machen die Tech-Riesen ihre Milliarden

Von Hannes Vogel

Sie sind die wertvollsten Firmen der Welt. Sie machen gigantische Profite. Apple, Google, Facebook, Amazon und Microsoft sind aus dem Alltag von Milliarden Menschen nicht mehr wegzudenken. Doch ihre größte Stärke ist zugleich ihre größte Schwäche.

Wer im Jahr 1997 100 Dollar in Amazon investiert hat, ist heute 63.900 Dollar reicher. Die gigantische Rendite ist ein Beweis für die historische Transformation der Wirtschaft, die sich in den letzten zwanzig Jahren vollzogen hat. Die Tech-Riesen Amazon, Facebook, Alphabet, Microsoft und Apple sind die Wirtschaftsmotoren unserer Zeit. Sie sind nicht bloß Firmen. Ihre Nutzung ist für Milliarden Menschen quasi ein Grundrecht.

Durch ihre unersetzbaren Dienste sind sie zu den wertvollsten Firmen der Welt geworden. Unangefochtener Spitzenreiter ist Apple: Inzwischen ist der iPhone-Hersteller an der Börse über 800 Milliarden Dollar wert. Google-Mutter Alphabet bringt es mittlerweile immerhin auf über 600 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung. Zusammen haben alle Big Five ein Börsengewicht von fast drei Billionen Dollar - mehr als doppelt so viel wie alle Dax-Firmen zusammen.   

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Rund 100 Milliarden Dollar Gewinn haben sie im vergangenen Geschäftsjahr eingefahren. Doch die Profite sind unter den Giganten nicht gleich verteilt. Fast die Hälfte des Riesengewinns (46 Milliarden Dollar) entfällt allein auf Apple. Selbst Schwergewicht Alphabet bringt es nur auf knapp die Hälfte (19 Milliarden Dollar). Von jedem Euro Umsatz bleiben bei Apple, Alphabet und Microsoft über 20 Cent als Gewinn hängen. Facebook erzielt sogar eine sagenhafte Umsatzrendite von 36 Prozent.

Monopole der Datenmacht

Das soziale Netzwerk ist der Beweis, dass es im digitalen Zeitalter nicht auf Mega-Umsätze, sondern ein gutes Geschäftsmodell ankommt: Facebook erwirtschaftete 2016 fünf Mal so viel Gewinn wie Amazon, machte aber gerade mal ein Fünftel des Amazon-Umsatzes. Dessen Online-Handel ist wie der klassische Handel ein Massengeschäft mit geringen Margen: Gerade einmal zwei Prozent Umsatzrendite verbucht Amazon bei jedem verkauften Buch, Song oder Fire-TV-Stick.

So unterschiedlich sie sind, eines haben alle fünf Tech-Riesen gemeinsam: Ihre Geschäftsmodelle funktionieren nur, weil sie Monopolisten ihrer Branche sind. Amazon ist synonym mit Online-Shopping, Facebook synonym mit Social Media, Google synonym mit Online-Suche. Sie verwandeln ihre Kunden selbst in Produkte, indem sie deren Daten zu Geld machen, moniert Andrew Keen, einer der schärfsten Kritiker des Silicon Valley.

Ihre Monopolstellung ist ihr Erfolgsgeheimnis - und gleichzeitig ihre größte Schwäche. Sie sind völlig abhängig von einem Produkt, einer Idee oder einer Plattform. Ändern sich Laune und Gewohnheiten der Kunden oder erfinden andere Firmen bessere Technik, ist das ihr Todesurteil.

Alphabet macht beispielsweise fast 90 Prozent seines Umsatzes mit Werbung, bei Facebook sind es sogar 97 Prozent. Bei Apple hängen über 60 Prozent des Mega-Umsatzes von über 200 Milliarden Dollar vom iPhone ab, weitere 20 Prozent von iPad und Mac. Bei Amazon stammen 90 Prozent der Einnahmen aus verkauften Produkten oder Medien. Allein Microsoft ist noch diversifiziert aufgestellt: Rund je ein Viertel der Einkünfte kommt aus dem Geschäft mit Servern und der Office-Software, weitere zehn Prozent jeweils vom Verkauf von X-Box und dem Betriebssystem Windows.

Jedes Imperium endet einmal

Angesichts ihrer Übermacht ist es heute schwer vorstellbar, dass die Giganten eines Tages untergehen. Das liegt auch daran, dass sie Dienste betreiben, die zum natürlichen Monopol tendieren: Weil sie häufig Plattformen bereitstellen, auf denen man alles zentral suchen, kaufen oder sich vernetzen kann, wäre es unnötig teuer und lästig, konkurrierende Systeme aufzubauen, die dasselbe tun. Kunden haben wenig Anreiz zu wechseln.

Trotzdem ist es nicht ausgeschlossen, dass auch die heutigen Tech-Giganten einmal ins Straucheln geraten. Auch den Absturz der einstigen Branchenriesen Yahoo und Ebay hat kaum jemand erwartet. Der Werbemarkt ist hochvolatil und zyklisch. Das Worst-Case-Szenario: "Google könnte sich in Yahoo verwandeln", schreibt die Bloomberg-Kolumnistin Shira Ovide. Denn während die Werbeeinnahmen auf den eigenen Seiten des Such-Giganten stetig wachsen, stagnieren die Anzeigenumsätze auf externen Seiten. Sollten Youtube, Gmail und Google Maps eines Tages an Beliebtheit verlieren, wäre das verheerend für den Web-Giganten.

Zudem werden auch die Tech-Riesen irgendwann an die Grenzen des Wachstums stoßen: Irgendwann haben alle Menschen ein iPhone oder Facebook-Profil und verschicken ihre Nachrichten mit Gmail. Und auch ein Einschreiten der Aufseher gegen die ungesunde Monopolbildung ist nicht ausgeschlossen. Auch Anfang des 20. Jahrhunderts dominierten Standard Oil, US Steel, die Vanderbilt-Eisenbahnen und andere Riesenfirmen die Wirtschaft. Ihre Bosse waren "Räuber-Barone", die in ihren Palästen feierten, während der Großteil der Bevölkerung in schimmelnden Mietskasernen hauste. Doch nach einer Reihe von Lebensmittel- und Gesundheitsskandalen, die zeigten, wie ruchlos die Konzerne Profit machten, wandte sich die öffentliche Meinung von ihnen ab - und die US-Regierung zerschlug sie.

Quelle: n-tv.de