Marktberichte

Gewinnt Trump - oder Clinton? Dax-Anleger fürchten "schlimmstes Szenario"

Die US-Präsidentschaftswahl ist das alles bestimmende Thema am deutschen Aktienmarkt. Die Börsianer haben dabei einen Traum. Erfüllt er sich nicht, könnte es gewaltig krachen. Doch die Wall Street schließt leicht im Plus.

Gewinnt Hillary Clinton steigen die Kurse, siegt Donald Trump, fallen sie - damit haben sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Dienstag, dem US-Election-Day, beschäftigt. Nach den satten Gewinnen von rund 200 Punkten im Dax zum Wochenstart konnte der deutsche Börsenleitindex den Schwung nicht nutzen. Am Ende stand aber ein kleines Plus. Die beiden n-tv-Börsenexperten Frank Meyer und Sabrina Marggraf verwiesen auf "Verunsicherung, nach dem überraschenden Brexit-Votum der Briten im Sommer". "Das schlimmste Szenario wäre, wenn es keinen eindeutigen Gewinner gibt", so Marggraf.

Der Dax beendete den Handel mit 10.482 Punkten und einem Aufschlag von 0,2 Prozent. Das Tagestief lag bei 10.415 Steilen. Am Montag war er mit 10.457 Zählern aus dem Handel gegangen. In der Vorwoche hatte er mehr als 4 Prozent eingebüßt. Der MDax schloss 0,3 Prozent schwächer bei 20.618 Stellen. Der TecDax bewegte sich dagegen 0,4 Prozent aufwärts auf 1730 Punkte. 

Konjunktur: Clinton als Siegerin erwartet

Die US-Präsidentschaftswahl war das alles bestimmende Thema am deutschen Aktienmarkt. Wählerumfragen, Der Immobilien-Milliardär gilt wegen seiner unklaren politischen und wirtschaftlichen Pläne als Investorenschreck. Sollte er die Wahl gewinnen, befürchten Experten heftige Turbulenzen an den Börsen. Clinton gilt dagegen als Garantin für Kontinuität in der Wirtschaftspolitik.

"Die Wahl der Demokratin ist erhofft und erwartet, aber noch nicht eingepreist. Knapp 150 Tage nach dem Brexit sitzt dieser Schock noch tief und man will nicht erneut Meinungsforschern blind vertrauen", kommentiert Daniel Saurenz von Feingold Research.

 Erste Ergebnisse der Wahl liegen voraussichtlich Mittwochfrüh vor. Zu Wochenbeginn waren aber Umfragen publik geworden, die wieder einen größeren Vorsprung der Demokratin Clinton vor ihrem republikanischen Kontrahenten Trump gesehen hatten. Dennoch dürfte es ein enges Rennen werden.

USA: Zurückhaltung pur

Mit kleineren Gewinnmitnahmen wartete dann auch die Wall Street am "Election Day" auf. Der Dow-Jones-Index stieg leicht um 0,4 Prozent auf 18.332 Punkte. Der breite gefasste S&P-500 legte ebenfalls um 0,4 Prozent auf 2140 Zähler ab. Der Nasdaq100 rückte 0,65 Prozent auf 4805 Stellen vor.

Konjunkturdaten standen keine an. Dafür musste der Markt aber einige Quartalsberichte verarbeiten, darunter einen schwachen Zahlenausweis von Hertz. Der Autovermieter hatte seine Ertragserwartungen zurückgeschraubt. Die Aktien brachen rund 30 Prozent ein. Der Medienkonzern News Corp war in seinem ersten Geschäftsquartal zwar in die Verlustzone gerutscht, doch fiel der Umsatz etwas besser aus als erwartet. Die Titel gaben dennoch etwa 5 Prozent ab. Gut wurden dagegen die Quartalszahlen von Priceline aufgenommen, deren Anteilsscheine rund 6 Prozent stiegen.

Dax: Post verdient gut

Unternehmensseitig galt am deutschen Aktienmarkt das Augenmerk weiter der Berichtssaison. Von starken Quartalszahlen sprachen Händler bei der Deutschen Post. Der Logistiker hatte zwar im dritten Quartal weniger umgesetzt als erwartet, aber deutlich mehr verdient. Vor allem in der klassischen Brief- und Paketsparte sowie im Zuliefergeschäft hatte die Post überraschend gut abgeschnitten. Post-Aktien legten rund 1,5 Prozent zu.

Henkel war im dritten Quartal organisch, also ohne Zukäufe, etwas weniger stark gewachsen als prognostiziert. Die Ziele für 2016 hatten die Düsseldorfer bestätigt. Die Aktien schlossen nach Anfangsgewinnen leicht im Minus. Sie hatten in den vergangenen Wochen bereits nachgegeben.

MDax/TecDax: Geschäftsausweise bestimmend

Gut kamen dagegen die Zahlen von Jungheinrich im Handel an, die Titel legten 0,7 Prozent zu. "Vor allem der Auftragseingang ist stark", sagte ein Händler. Es gebe keine Zeichen einer konjunkturellen Abschwächung, "lediglich an der Marge muss noch gearbeitet werden". Sie ging leicht zurück auf 7,2 nach 7,9 Prozent, was aber als kurzfristige Konsequenz des starken Wachstums gedeutet werden könne.

Aixtron hatte mit dem Auftragswert im dritten Quartal die Konsensprognose von Analysten um 11 Prozent übertroffen. Der Kurs  des LED-Ausrüsters war Ende Oktober eingebrochen, weil das Bundeswirtschaftsministerium die Übernahme von Aixtron durch die chinesische Grand Chip Investment näher prüfen will. Das dürfte auch in nächster Zeit das kursbestimmende Thema bei Aixtron sein, heißt es von Händlerseite. Aixtron verloren etwa 1,6 Prozent.

SDax: Zahlen satt

Immobilienwerte gehörten wegen steigender Renditen zuletzt zwar nicht zu den Lieblingen an der Börse, doch das Geschäft scheint unverändert gut zu laufen. So hatte Patrizia nach einem guten dritten Quartal den Ausblick erhöht, wobei die Konsensschätzungen im Markt sogar noch etwas darüber lagen, wie es im Handel hieß. Das sorgte für Abgabedruck: Patrizia sackten rund 10 Prozent ab.

Rocket Internet zogen dagegen 0,5 Prozent an. Das Unternehmen bietet mit seinem jüngsten Ableger, der Zinsgold GmbH, Finanzdienstleistungen an, ein Feld auf dem es bislang noch kein Startup in Deutschland zu echter Größe geschafft hat. Zinsgold bietet deutschen Sparern Festgeldkonten mit Zinsen, die höher sind als die vieler Konkurrenten, und möchte das Geld an mittelständische Unternehmen in Ländern mit allgemein höherem Zinsniveaus verleihen.

Als "nur leicht negativ" wurden die Zahlen von Elringklinger im Handel gewertet. Elring habe zwar die Ebit-Prognose ans untere Ende der bisherigen Spanne gesenkt, "aber der Markt dürfte schon froh sein, dass sie noch innerhalb der Spanne geblieben ist", hieß es. Das habe man nach dem Verlauf diesen Jahres aber auch irgendwie schon erwartet. Dass es bei dem Autozulieferer nicht rund laufe, zeige die Kursentwicklung. Die Elringklinger-Aktien seien seit fast drei Jahren auf Talfahrt und hätten allein seit Jahresbeginn fast 40 Prozent verloren. Nun kamen weitere rund 6 Prozent dazu.

Als "grob im erwarteten Rahmen" nahm der Handel die Zahlen von Deutz auf. Negativ hervorzuheben sei der Rückgang im Auftragseingang, der um 1,6 Prozent zurückging. Ebenso sei die Ebit-Marge mit 2,1 Prozent schwach ausgefallen, hieß es von Händlerseite. Deutz-Papiere büßten rund 2,5 Prozent ein.

Europa: CA liefert

Starke Kursausschläge gab es in Paris. Die Großbank Credit Agricole hatte im dritten Quartal den Gewinn verdoppelt im Vergleich zum Vorjahr. Die Aktien verteuerten sich fast 8 Prozent. Arcelormittal-Titel fielen dagegen fast 5 Prozent. Der Stahlkonzern hatte angesichts fallender Stahlpreise in den USA und einem Anstieg der Kohlepreise vor einem schwierigen vierten Quartal gewarnt.

Rohstoffe: Leichtes Plus beim Ölpreis

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 55,00

Am Ölmarkt traten die Notierungen auf der Stelle. Das Barrel der US-Sorte WTI legte nach anfänglichen Abgaben zum US-Settlement um 0,2 Prozent auf 44,98 Dollar zu. Brent verlor dagegen 0,2 Prozent auf 46,04 Dollar. Die Opec erwartet, dass sich die Preise für Rohöl in den kommenden vier Jahren weniger stark erholen werden als erwartet. Der Preisverfall habe Angebot und Nachfrage weniger stark beeinflusst als vermutet, hieß es in dem Opec-Jahresbericht World Oil Outlook. Kaum Auswirkungen hatte eine Erhöhung der Prognose für die tägliche Fördermenge in den USA für 2016 und 2017 durch die Energy Information Administration (EIA) in ihrem Monatsbericht.

Der Goldpreis konnte anfängliche Gewinne nicht verteidigen. Die Feinunze reduzierte sich zum US-Settlement um 0,4 Prozent auf 1.274 Dollar. Auch am Goldmarkt setzten die Anleger überwiegend auf einen Wahlsieg Clintons, hieß es aus dem Handel. Sollte Trump dagegen ins Weiße Haus einziehen, wäre das ein Schock, vergleichbar mit dem Brexit-Referendum in Großbritannien, bei dem zur Überraschung der Märkte die Mehrheit der Wähler für den EU-Austritt gestimmt hatte, sagte Nitesh Shah, Rohstoffanalyst bei ETF Securities. Am Tag nach dem Referendum schoss der Goldpreis um 6 Prozent in die Höhe, weil Anleger in "sichere Häfen" wie Gold, Anleihen oder die japanische Landeswährung Yen flüchteten.

Devisen: Euro im Sog der US-Wahl

Der Dollar legte leicht zu. Der Eurokurs notierte zum US-Börsenschluss bei 1,1015 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1038 (Montag: 1,1062) US-Dollar festgesetzt. Am US-Rentenmarkt verloren zehnjährige Staatsanleihen 10/32 Punkte auf 96 24/32 Punkte und rentierten mit 1,86 Prozent. Favoritin des Devisenmarktes sei Clinton, hieß es von der Commerzbank. Bei ihr glaubten die Investoren zu wissen, woran sie seien. Auch für die US-Notenbank bedeutete eine Präsidentin Clinton "Business as usual". Die Fed würde in diesem Fall wieder zum Haupttreiber der Dollar-Wechselkurse. Eine Erhöhung der Zinsen im Dezember könnte dann wohl nur ein "katastrophaler" Arbeitsmarktbericht für November verhindern.

Asien: Leicht positive Tendenz

An den ostasiatischen Börsen zeigte sich ein uneinheitliches Bild. Die Zurückhaltung der Anleger vor der US-Wahl war aber auch dort zu spüren. In Tokio blieb der Nikkei-Index fast unverändert um 17.170 Punkte. Der chinesische Shanghai Composite stieg dagegen leicht in die Region um 3150 Zähler. Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik unter Ausschluss Japans notierte 0,5 Prozent höher.

Analyst Hikaru Sato vom Handelshaus Daiwa Securities sagte, die Erinnerung an den überraschenden Ausgang des Brexit-Referendums Ende Juni sei noch frisch. "Der Markt ist nicht übertrieben vorsichtig, aber er kann eine Präsidentschaft Clintons nicht komplett einpreisen."

Ein anhaltend schwacher Yen verhalf Exportwerten wie Toyota und Honda in Tokio zu Kursgewinnen. Der Telekomkonzern Softbank überzeugte die Investoren mit seinem Quartalsgewinn, die Aktien stiegen 1,3 Prozent.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts/dpa