Marktberichte

Dow schließt moderat im Plus Dax-Rally geht über die 10.000

Über mangelnde Kaufimpulse können sich die deutschen Anleger in der laufenden "Schicksalswoche" nicht beklagen: OMT-Urteil, ZEW-Index, Yellen-Bericht, Draghi-Äußerungen - da muss die psychologisch wichtige Marke fallen.

Zum Wochenstart hat es einen Aufschlag beim Dax von 330 Punkten gegeben. Am Dienstag kamen nun weitere rund 55 Zähler dazu. Im Tageshoch kletterte der Leitindex bis auf 10.051 Stellen. Impulsgeber waren das OMT-Urteil des Bundesverfassungsgerichts und der ZEW-Index am Vormittag sowie Äußerungen von Fed-Chefin Janet Yellen zu weiteren US-Zinserhöhungen und von EZB-Präsident Mario Draghi zum anstehenden EU-Referendum Großbritanniens am Nachmittag.

Der Dax ging mit einem Aufschlag von 0,5 Prozent und 10.016 Punkten aus dem Handel. Am Montag hatte der Leitindex mit 9962 Zählern geschlossen - Tageshoch 9997 -, ein Aufschlag von 3,4 Prozent zum Freitag. Der MDax verbesserte sich am Dienstag 0,3 Prozent auf 20.405 Stellen. Der TecDax blieb schwankungsanfällig und schloss 0,3 Prozent im Minus bei 1614 Punkten.

Brexit und Fed

Der Dax hatte zuvor in fünf Sitzungen fast 800 Punkte eingebüßt und anschließend in vier Börsentagen mehr als die Hälfte davon wieder aufgeholt. Getrieben worden waren die Kurse am Montag durch neue Umfragewerte das EU-Referendum der Briten betreffend.

Das anstehende Votum treibt auch die Währungshüter in den USA um. Notenbankchefin Yellen warnte, die Entscheidung für einen Austritt könne "erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen" haben. Die US-Währungshüter hatten vorige Woche entschieden, den Leitzins in der Spanne von 0,25 und 0,5 Prozent zu belassen. Das Szenario eines britischen EU-Ausstiegs  war laut Yellen dabei mit ins Kalkül genommen worden.

OMT und ZEW

Kurzfristig wendete sich der Blick der Marktakteure Karlsruhe zu: Das Bundesverfassungsgericht wies Klagen gegen das Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank zurück. Das sogenannte OMT-Programm verstoße wegen begrenzender Auflagen des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) nicht gegen das Verbot der monetären Haushaltsführung in Eurokrisenstaaten, entschieden die Karlsruher Richter. Die Bundesbank darf sich deshalb künftig an dem Kauf maroder Staatsanleihen beteiligen, Bundesregierung und Bundestag müssen aber beobachten, ob das Programm nicht die vom EuGH bestimmten Grenzen verlässt. Das Ergebnis ist so ausgefallen, wie es von der Börse erwartet worden war.

Die Stimmung deutscher Börsenprofis hellte sich indes im Juni weiter - und unerwartet deutlich - auf. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen in den nächsten sechs Monaten stieg im Juni um 12,8 auf 19,2 Punkte. Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 4,7 Punkte gerechnet.

"Die verbesserten Einschätzungen der Finanzmarktexperten zeugen von einem Grundvertrauen in die gegenwärtige Widerstandsfähigkeit der deutschen Konjunktur", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. Dennoch verunsicherten die schwächelnde Weltwirtschaft und das Votum in Großbritannien.

Devisen: Euro deutlich unter 1,13

Am Devisenmarkt sorgten Aussagen von EZB-Präsident Draghi für Abgabedruck. "Die EZB ist auf alle Eventualitäten im Zusammenhang mit den britischen EU-Referendum vorbereitet", sagte Draghi. Die EZB werde insgesamt genau den Ausblick für die Preisstabilität verfolgen und sei bereit, innerhalb ihres Mandats alle verfügbaren Instrumente einzusetzen. Laut Draghi rechnet die EZB weiterhin mit einer moderaten und stetigen Konjunkturerholung. Er fügte jedoch hinzu: "Die Unsicherheit bleibt hoch und die Abwärtsrisiken sind wegen des fragilen Zustands der Weltwirtschaft und wegen geopolitischer Entwicklungen weiterhin hoch."

Der Euro, der im Tageshoch bereits bei 1,1350 Dollar gelegen hatte, notierte am Abend mit 1,1251 Dollar wieder deutlich unter der 1,13er Marke. Das war ein Abschlag von 0,5 Prozent zum Wochenauftakt.  Die EZB legte den Referenzkurs am Mittag auf 1,1314 Dollar fest nach 1,1332 Dollar noch am Montag.

Das britische Pfund lag bei 1,4702 Dollar und damit im Bereich des am Montag markierten Dreiwochenhoch. Sollten die Briten gegen einen Brexit stimmen, erwarten Analysten beim Pfund einen deutlichen Sprung nach oben.

Rohstoffe: 50-Dollar-Marke gerissen

Nach einem kräftigen Anstieg seit Freitag kam der Ölpreis deutlich zurück. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend 49,53 Dollar. Das waren 2,2 Prozent weniger als noch am Montag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank 2,4 Prozent auf 48,20 Dollar.

Auch der Ölmarkt befindet sich diese Woche im Bann des Brexit-Referendums am Donnerstag. Zuletzt hatten die Gegner eines Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) in Umfragen wieder knapp die Nase vorn. Die gesunkene Brexit-Erwartung gab daraufhin den Ölpreisen Auftrieb.

Dax: Keine Ruhe bei VW

Bei den Einzelwerten rückten Volkswagen wieder einmal in den Vordergrund. So könnten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Ex-Chef Martin Winterkorn wegen möglicher Marktmanipulationen weitere milliardenschwere Belastungen für den Konzern zur Folge haben. Die Bafin hatte zudem den VW-Vorstand angezeigt. Gleichzeitig stellt Konzernlenker Matthias Müller nun die Zukunft des Diesel-Motors auf den Prüfstand. "Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen", sagte er dem "Handelsblatt".

Die VW-Aktien, die zum Wochenstart 5 Prozent zugelegt hatte, schloss 0,8 Prozent schwächer. Dagegen konnten BMW-Papiere rund 1 Prozent zulegen und Daimler-Titel präsentierten sich 0,8 Prozent fester.

Die Banken standen erneut bei den Topgewinnern. Deutsche Bank gewannen mehr als 1 Prozent, Coba rund 1,5 Prozent. Eon zogen 2 Prozent an. Händler führten das auf positive Kommentare von JP Morgan (JPM) zurück. Die Analysten hatten die Beobachtung von Eon mit "Overweight" wieder aufgenommen und ein deutlich über dem aktuellen Kurs liegendes Ziel von 10,30 Euro genannt.

MDax: Kion kauft zu

Kion-Papiere rutschen dagegen 7 Prozent ab. Druck sahen Händler durch die Ankündigung der Übernahme von Dematic - mit einem Kaufpreis von über 2 Milliarden Dollar. Aber: "Das passt zusammen und ist strategisch sinnvoll", sagte ein Händler. Kion entwickele sich damit weiter vom Gabelstaplerhersteller zum kompletten Materialflusslogistiker für Fabriken und Lagerbetriebe.

Die Gewinnerliste führten Südzucker mit einem Aufschlag von rund 3 Prozent an. Ein Gewinnsprung und angehobene Gesamtjahresziele der Tochter Cropenergies stützten. Cropenergies-Titel selbst sprangen rund 4,5 Prozent an.

USA: Moderate Stimmung

An der Wall Street ging es moderat nach oben. Zwar bleibt das bevorstehende Brexit-Referendum der Briten auch in den USA ein wichtiges Thema, doch bot sich den Anlegern dort mit einem Auftritt der US-Notenbankchefin ein wenig Abwechslung. Yellen sprach vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Die Währungshüterin signalisierte dabei, dass sie 2016 noch zwei Zinsschritte nach oben wagen wolle. Der erste könnte theoretisch bereits im Sommer. Viele Experten rechnen aber für September damit, auch wenn eine geldpolitische Straffung im Juli laut Yellen nicht vom Tisch ist.

Yellen betonte vor dem Senatsausschuss, eine vorsichtige Herangehensweise bei Zinserhöhungen sei auch mit Blick auf die zuletzt stockende Erholung am Arbeitsmarkt weiter angebracht. Die Notenbank strebt Vollbeschäftigung und stabile Preise an.

Der Dow-Jones-Index verbesserte sich um 0,1 Prozent auf 17.830 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 legte 0,3 Prozent zu auf 2089 Stellen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,1 Prozent auf 4844 Zähler.

Asien: Leichte Gewinne

Mit moderaten Aufschlägen zeigten sich die Kurse an den ostasiatischen Aktienmärkten. Bestimmendes Thema blieb das immer näher rückende Referendum um den EU-Verbleib von Großbritannien am Donnerstag. Die Euphorie vom Wochenstart, als eine Umfrage einen klaren Vorsprung der EU-Befürworter gezeigt hatte, scheint erst einmal verflogen. Denn die in der Nacht veröffentlichten Umfragen zeigten kein einheitliches Bild: einmal führten die EU-Befürworter, einmal die Gegner. "Das einzige Thema in dieser Woche ist ein möglicher Brexit, da gibt es sonst nichts", sagt Händler Tareck Horchani von Saxo Capital Markets.

In Tokio legte der Nikkei-Index 1,3 Prozent auf 16.169 Punkte zu. In Schanghai fiel der Composite 0,4 Prozent auf 2879 Stellen. Der S&P/ASX 200 in Sydney verzeichnete einen geringen Aufschlag.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa

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