Marktberichte

Wall Street im Rally-Fieber Kaufdruck: Dax schließt auf Jahreshoch

Rund 215 Punkte liegt der Dax im Tageshoch im Plus. Vor der anstehenden EZB-Sitzung und weiteren möglichen geldpolitischen Lockerungen will keiner etwas verpassen. Die Jahresendrally läuft - auch an der Wall Street.

Der deutsche Aktienmarkt hat den dritten Tag in Folge mit deutlichen Gewinnen beendet. Der Dax brach aus seinem zwischen 10.600 und 10.800 Punkten verlaufenden Seitwärtstrend aus und schraubte sich bis auf 10.889 Zähler nach oben - neues Jahreshoch inklusive. "Das gibt Kaufdruck", kommentierte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer. Und am Donnerstag wartet dann noch der "Markt-Befeuerer Draghi", blickte Meyers Kollegin Corinna Wohlfeil bereits voraus.

Der Dax sprang 2,0 Prozent auf 10.987 Punkte an - der höchste Schlusskurs in diesem Jahr. Bereits am Montag hatte er 1,6 Prozent, am Dienstag 0,9 Prozent zugelegt. Der MDax verabschiedete sich 1,5 Prozent fester bei 21.202 Zählern aus dem Handel. Der TecDax legte 1,1 Prozent auf 1718 Stellen zu.

Die Jahresendrally will keiner verpassen

Seit Dienstag notiert der Dax gegenüber dem Jahresstart nun im Plus. Das zog zur Wochenmitte weitere Investoren an die Börse und den Leitindex über einen wichtigen Widerstandsbereich. An der Zone 10.780 bis 10.830 Punkten war der Dax in diesem Jahr bereits vier Mal gescheitert.

"Jeder, der jetzt nicht mit dabei ist, verschenkt bis zum Jahresultimo möglicherweise Kurs-Performance", sagte ein Händler. In den letzten Wochen des Jahres könne nun also die Rally die Rally nähren. "Die Jahresendrally läuft", sagte auch Petra von Kerssenbrock, Marktanalystin der Commerzbank. "11.400 Punkte sollte der Dax erreichen." Mit dem Ausbruch aus der Handelsspanne unterhalb von 10.830 Punkten habe der Dax ein "solides" Kaufsignal gegeben. "Die Chancen auf einen erfolgreichen Ausbruchsversuch sind gut", sagte auch Heino Ruland von Ruland Research. Die jüngsten Konjunkturdaten wie die deutschen Auftragseingänge wiesen auf eine günstige Entwicklung der Unternehmensgewinne im vierten Quartal hin. "Das spricht für einen Kursaufschwung über die Jahreswende hinaus", prognostizierte Ruland.

Italien und die EZB

Genährt wird die Rally nicht zuletzt von den italienischen Banken. Nachdem diese am Dienstag im Schnitt bereits um mehr als 7 Prozent gestiegen waren, legte der Sektor um weitere mehr als 4 Prozent zu. Aktien der Banca Monte di Paschi übernahmen mit einem Aufschlag von um 8 Prozent die Führung. Sie wurden gestützt von Berichten, wonach der italienische Staat eine 2 Milliarden Euro schwere Kontrollmehrheit am ältesten noch existierenden Geldhaus weltweit übernehmen will.

"Sollte die italienische Regierung die Gläubiger der Bank erfolgreich herauskaufen, wäre das eine Erleichterung", sagte Jean-Francois Neuez von Goldman Sachs. Denn die Frist für eine Rekapitalisierung der Bank laufe ab, und der bislang fehlende Appetit von Investoren auf eine Kapitalmaßnahme der Bank habe monatelang auf dem gesamten Sektor gelastet.

Gleichzeitig rückte die EZB-Sitzung am Donnerstag bereits in den Blick der Anleger. Der Rat dürfte sein Anleihekaufprogramm verlängern. Dafür sprechen sowohl die anhaltend schwachen Inflationsaussichten und die konjunkturellen Unsicherheiten des nächsten Jahres als auch die Kommunikation wichtiger EZB-Offizieller. Fraglich ist allerdings, ob die Zentralbank das monatliche Ankaufvolumen von 80 Milliarden Euro konstant halten wird.

Dax: Banken gefragt

Bei den Einzelwerten im Dax blieben die Banken im Fokus. Mit gleich mehreren Themen seien sie dabei, der prominenteste Sektor zu werden, prophezeite ein Händler: "Fundamental hat sich das Bild weltweit endlich wieder aufgehellt und charttechnisch wird das überall durch kräftige Ausbrüche unterlegt." Der Sektor sei derart "underowned" bei Investoren, dass die Käufe noch bis zum Jahresende anhalten dürften. Aktuell setze der Markt übergeordnet auf die EZB. Dazu stehen alle Zeichen auf Entspannung bei "den üblichen Brandherden" wie den italienischen Banken. Deutsche Bank, Topgewinner der beiden vergangenen Tage, zogen weitere 4,5 Prozent an. Commerzbank gewannen mehr als 3 Prozent.

"Es sind gerade die marktschweren Titel, die laufen", sagte ein Marktteilnehmer. Im Rally-Modus lägen unter anderem Allianz, Siemens und BASF. Daneben beendeten Titel wie BMW Konsolidierungen mit neuen Kaufsignalen. All diese Werte verteuerten sich zwischen 1,4 und fast 4 Prozent.

Linde legten mehr als 2 Prozent zu. Der Hersteller von Industriegasen hatte die Gespräche mit dem US-Kontrahenten Praxair über eine Fusion auf Augenhöhe wieder aufgenommen. Das sei genau das, was der Markt erwartet habe, kommentierte ein Händler.

Eine Hochstufung der Bayer-Aktien von "Neutral" auf "Kaufen" ließ den Kurs ebenfalls mehr als 2 Prozent steigen.

MDax: Bei Steinhoff läuft's

Eine Abstufung auf "Verkaufen" durch die DZ Bank belastete Hochtief. Der Kurs gab fast 3 Prozent nach. Größter Kursgewinner aller deutschen Standardwerte waren Steinhoff mit einem Aufschlag von rund 9 Prozent. Der global agierende Möbelhändler hatte den Gewinn zuletzt um 12,5 Prozent gesteigert.

Europa: CS kein Maßstab für die Branche

Credit Suisse gewannen 6,5 Prozent. Die Bank muss zwar ihre Ambitionen im Investmentbanking und im Asset-Management ein Stück weit zurücknehmen. Sie senkte zudem ihre Ziele für die beiden Bereiche. Grund seien die schwierigen Marktbedingungen, wie das Institut mitteilte. Die vorsichtigen Aussagen der Schweizer Bank wurden von Marktteilnehmern jedoch als wenig belastend gewertet.

In Amsterdam brachen PostNL ein. Die niederländische Post hatte das verbesserte und als endgültig bezeichnete Übernahmeangebot der belgischen Bpost abgelehnt. Bpost bietet 5,75 Euro je PostNL-Aktie, die nun rund 13 Prozent zurückfielen. Aktien der Deutschen Post profitierten von einer Hochstufung der Bank RBC und legten etwa 1,5 Prozent zu.

USA: Verschnaufen ist angesagt

Die Wall Street legte derweil die stärkste Rally seit dem Wahlsieg des designierten US-Präsidenten Donald Trump hin. Händler sprachen von einer überraschenden Aufwärtsbewegung "aus dem Nichts" und dem Beginn der Jahresendrally. Zu Beginn der Sitzung hatte es nicht nach derart hohen Gewinnen ausgesehen. Dow-Jones-Index, der marktbreite S&P-500 und der auf kleinere Unternehmen fokussierte Index Russell-2000 kletterten auf Allzeithochs. Der Dow markierte das 21. Allzeithoch des Jahres und den zwölften Rekordschlussstand seit Trumps Wahl. "Es scheint so, als ob nichts die Aktienrally stoppen kann", sagte Chefmarktanalyst Naeem Aslam von ThinkMarkets UK.

Der Dow-Jones-Index gewann 1,5 Prozent auf 19.550 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite folgten mit Aufschlägen von 1,3 bzw. 1,1 Prozent.

"Investoren sehen in der Pause der vergangenen Tage einen Anlass, nun wieder einzusteigen", suchte Marktstratege Frank Cappelleri von Instinet LLC nach einer Erklärung für die Rally. Andere Marktteilnehmer verwiesen auf Wetten über sinkende Steuern unter Trump. Wenn die Aussicht, Kursgewinne versteuern zu müssen, bis auf Weiteres entfalle, mache es keinen Sinn, Aktien zum Jahresende hin zu verkaufen, hieß es im Handel.

Den Spielverderber lieferte der Pharmasektor, der als schwächste Branche 1,3 Prozent abgab. Pfizer, Johnson & Johnson und Merck stellten mit Abschlägen von 1,2 bzw. 0,9 und 0,5 Prozent die klaren Schlusslichter im Dow. Der Grund: Trump kündigt die Reduzierung von Medikamentenpreisen an. Investitionen des Sprint-Eigners Masayoshi Son werteten Analysten als Möglichkeit zu einer Einigung des Mobilfunkanbieters mit dem Konkurrenten T-Mobile US. T-Mobile US tendierten 4,3 Prozent fester, Sprint gar 8,7 Prozent. Praxair zogen um 2,7 Prozent an. Der deutsche Industriegasekonzern Linde hatte die Gespräche mit dem US-Wettbewerber über eine Fusion wieder aufgenommen.

Devisen: Aufwärts beim Euro

Am Devisenmarkt legte der Euro leicht auf 1,0766 Dollar nach Wechselkursen am Vorabend von 1,0717 zu. Hier warteten Teilnehmer auf die Beschlüsse und Aussagen der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Die Märkte rechnen mit einer zeitlichen Streckung des Anleihekaufprogramms und daher nicht mit einer nachhaltigen Euro-Erholung, zumal die US-Notenbank in der kommenden Woche in einen Zyklus geldpolitischer Straffungen einsteigen wird. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0730 Dollar fest nach 1,0734 Dollar am Dienstag.

Rohstoffe: Ölpreis fällt

Der Preis für Rohöl der Sorte Brent verlor 1,8 Prozent auf 53,00 Dollar je Barrel, WTI ermäßigte sich um 2,3 Prozent auf 49,77 Dollar - erstmals seit einer Woche unter der 50-Dollarmarke. Die Korrektur nach der Opec-getriebenen Rally halte an, sagten Händler. Auch deutlicher als erwartet gesunkene Rohöllagerbestände in den USA stützten den Ölmarkt nicht, zumal die Benzinvorräte deutlicher als prognostiziert gestiegen waren.

Der Preis für die Feinunze Gold legte dagegen am Terminmarkt um 0,6 Prozent auf 1.178 Dollar zu. Am Spotmarkt kostete das Edelmetall zuletzt 1.174 Dollar. Hier stützte die Erwartung einer weiter ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank am Donnerstag.

Asien: Positive Tendenzen

Mit steigenden Kursen warteten die Aktienmärkte in Ostasien zur Wochenmitte auf. Für Antrieb sorgte die Erwartung, dass die Furcht vor einer neuen Euro-Krise nach dem "Nein" beim Italien-Referendum die EZB bei ihrer Sitzung am Donnerstag zum Handeln bewegen dürfte. "Nach dem Brexit und der US-Wahl haben die Finanzmärkte gelernt, dass sich die Kurse schnell wieder erholen, auch wenn das Ergebnis nicht so ausfällt wie erhofft - entweder, weil die wirtschaftlichen Folgen zu vernachlässigen sind, oder weil sie Zeit brauchen, um sich zu zeigen", sagte Stratege Tatsushi Maeno von Okasan Asset Management.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans lag 0,3 Prozent im Plus und erreichte damit den höchsten Stand seit fast zwei Monaten. In Tokio kletterte der Leitindex Nikkei 0,7 Prozent auf 18.496 Punkte. Es sei aber nur schwer vorstellbar, dass die nach der US-Präsidentenwahl begonnene Rally noch lange anhalte, sagten Händler. Gewinnmitnahmen könnten jederzeit einsetzen. Auch in Hongkong, an der südkoreanischen Börse in Seoul und am chinesischen Markt in Shanghai ging es leicht nach oben. Der S&P/ASX200-Index in Australien legte knapp e1in Prozent zu.

Bei den Einzelwerten stand in Tokio der Internet- und Mobilfunkkonzern Softbank im Fokus. Das japanische Unternehmen kündigte an, 50 Milliarden Dollar in den USA zu investieren. Dies schürte Spekulationen, dass Softbank einen neuen Anlauf für eine Fusion seiner US-Mobilfunksparte Sprint mit der Telekom -Tochter T-Mobile US starten könnte. SoftBank-Aktien verteuerten sich um mehr als 6 Prozent.

Quelle: ntv.de, mli/bad/DJ/rts/dpa