Marktberichte

Dax klopft an der 10.000 an Wall Street beendet Handelswoche im Minus

Zwei Tage rauf, zwei runter. Dazu eine Handelsspanne von 450 Punkten seit Donnerstag: Von Ruhe kann am deutschen Aktienmarkt in der vorpfingstlichen Woche keine Rede sein. "Ruppig" nennt es n-tv-Börsenexperte Meyer. Auch die US-Börse schließt schwach.

Mit einer erneuten wilden Berg- und Talfahrt hat der Dax die Handelswoche am Freitag, den 13. Beendet. Nachdem die Handelsspanne am Donnerstag schon 240 Punkte betragen hat, kamen zum Wochenschluss noch einmal 210 Zähler hinzu. "Der Markt ist ruppiger geworden", kommentierte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer

Der Dax verabschiedete sich 0,9 Prozent fester mit 9953 Punkten aus dem Handel. Das Tageshoch markierte er bei 9980 Zählern, das Tagestief bei 9768 Stellen. Nachdem der Leitindex Montag und Dienstag zulegen konnte, hatte er diese Gewinne am Mittwoch und Donnerstag wieder komplett abgegeben. Der MDax schloss 0,5 Prozent im Plus bei 20.152 Punkten. Der TecDax gewann 0,9 Prozent auf 1645 Zähler.

Konjunktur: Wachstumshilfen

Positiv stimmten den deutschen Aktienmarkt etwa besser als erwartet ausgefallene US-Verbraucherdaten und -Einzelhandelsumsätze. Letztere waren im April um 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Erwartet wurde nur ein Plus von 0,8 Prozent.

Die Helaba sprach von einer sehr freundlichen Konsumentwicklung. Auf Grundlage dieser Datenveröffentlichung gebe es keinen Grund, die Zinserwartungen weiter in die Zukunft zu verschieben.

Stützend wirkten zudem frische Daten aus Deutschland: So war die deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Quartal 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu. Vor allem die privaten Haushalte und der Staat kurbelten demnach mit ihren Konsumausgaben das Wirtschaftswachstum an. Volkswirte hatten mit einem BIP-Plus von 0,6 Prozent gerechnet.

Devisen: Euro sackt ab

Der Euro büßte im Handelsverlauf zum Dollar immer weiter an Boden ein. Am Abend lag der Kurs der Gemeinschaftswährung mit 1,1299 Dollar sogar unterhalb der 1,13er Marke. Das waren 0,7 Prozent weniger als noch am Donnerstagabend - und zudem der tiefste Stand seit April. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag noch auf 1,1348 Dollar fest nach 1,1389 Dollar am Donnerstag.

Neben den US-Konjunkturlagen belasteten vor allem frische Inflationsdaten. Laut Statistischem Bundesamt war die deutsche Teuerung im April erstmals seit Anfang 2015 wieder in den negativen Bereich gerutscht. Wegen der günstigen Energiepreise waren die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 0,1 Prozent gesunken.

Seit geraumer Zeit versucht die EZB mit einem Öffnen der Geldschleusen gegen die schwache Inflation anzukämpfen. Die Währungshüter sehen die Stabilität der Währung erst bei einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent als gewährleistet an.

Rohstoffe: Ölpreis sinkt

Der Ölpreis gab ebenfalls nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 47,62 Dollar. Das waren rund 1 Prozent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sackte 1,9 Prozent auf 45,83 Dollar ab.

Händler sprachen von einer Gegenbewegung am Ölmarkt, nachdem der Preis im Verlauf der Woche deutlich gestiegen war. Ein überraschender Rückgang der Ölreserven und der Fördermenge in den USA hatten jüngst für Auftrieb gesorgt. Der Stimmungswechsel hatte bereits am Donnerstagabend eingesetzt.

Dax: Autowerte erneut im Blick

In Leitindex standen zum Ende der Berichtssaison Prosieben im Blick: Der Medienkonzern und Dax-Neuling wartete mit einer überraschenden Rückstellung für Steuernachzahlungen auf. Das habe zwar "sicher keiner am Markt auf dem Schirm gehabt", sagt ein Händler, mit 40 Millionen Euro sei diese jedoch "kein Beinbruch". Zumal das Unternehmen die Gewinnprognose bekräftigt habe. Die Prosieben-Titel schlossen nahezu unverändert.

Nachrichtlich blickte der Markt auch auf die Deutsche Börse. Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte klargestellt, dass sich die Bundespolitik im Falle einer Fusion mit der London Stock Exchange nicht für einen Sitz der fusionierten Gesellschaft in Deutschland einsetzen werde. Deutsche-Börse-Papiere legten 0,4 Prozent zu, damit gaben sie den Großteil ihrer Gewinne wieder ab.

Im Blick harren die Anleger auch die Autowerte. Nachdem im Abgasskandal nun auch Opel ins Visier der Öffentlichkeit gerät, stützten Absatzzahlen aus Europa die Kurse. Die Verkäufe sind bei allen deutschen Herstellern gestiegen. VW-Aktien gewannen rund 1 Prozent. BMW und Daimler büßen 3,0 Prozent und 0,1 Prozent ein. Am Donnerstag gehörten alle drei Werte zu den Verlierern.

Allerdings: BMW wurden ex Dividende gehandelt. Das gleiche galt für Adidas, SAP und Vonovia.

MDax: Zahlen am 13.

Auch im MDax drehte sich noch einiges um Quartalszahlen. So hatten Salzgitter endgültige Daten abgeliefert und dabei zumindest in einigen Sparten positiv überrascht. Salzgitter-Titel verbilligten sich 1,8 Prozent.

Ein starkes erstes Quartal stützte den Kurs von Deutsche Wohnen, er stieg 5,5 Prozent. Die wichtigste Kennziffer, die Funds from Operations (FFO), ist um rund 8 Prozent über der Konsensprognose ausgefallen. "Das dürfte die Erwartung befeuern, dass das Jahresziel übertroffen wird", sagte ein Händler.  

MDax-Neuling Schaeffler?

Talanx-Aktien schlossen 1,2 Prozent im Plus. Der Grund laut Händlern: ein überraschend hoher operativer Gewinn. "Das Kapitalanlageergebnis von Talanx hat die Prognosen deutlich übertroffen", sagte ein Marktteilnehmer. Hier liege Talanx erheblich besser als beispielsweise Munich Re und Hannover Rück. Dem stehe jedoch ein überraschend starker Rückgang der Bruttoprämien gegenüber.

Für Bewegung sorgte die Aufnahme deutscher Aktien in den Index "MSCI DM". "Mit der Aufnahme von Schaeffler wurde bereits gerechnet, Hochtief und Covestro sind schon eine echte Überraschung", meinte ein Aktienhändler. Die Analysten der Credit Suisse rechneten damit, dass ein durchschnittlicher Tagesumsatz von fast 14 Tagen nötig ist, um die Nachfrage aus der Index-Aufnahme zu liefern. Außerdem hat die Schaeffler-Aktie gute Chancen, demnächst in den MDax aufzusteigen. Schaeffler zogen etwa 3 Prozent an. Hochtief gewannen rund 2 Prozent. Covestro legten fast 3,5 Prozent zu.

SDax: Hapag-Lloyd gründet Allianz

Bei Tele Columbus stuften Marktteilnehmer die Zahlen als "solide" ein. Der durchschnittliche monatliche Umsatz pro Kunde war von 15,70 auf 15,90 Euro leicht gestiegen. Der Aktienkurs verbesserte sich rund 1 Prozent.

GFK verabschiedeten sich mit einem leichten Aufschlag. Das Unternehmen hatte Händlern zufolge gute Gewinnzahlen vorgelegt. Vor allem das margenstarke Digitalgeschäft habe hier überzeugt.

Angesichts eines härteren Wettbewerbs verbündet sich Hapag-Lloyd mit Containerreedereien aus Asien. Die Hamburger gründen zusammen mit fünf weiteren Reedereien die Kooperation unter dem Namen "The Alliance". Das Abkommen, das im April 2017 starten soll, decke alle Ost-West-Fahrtgebiete inklusive Strecken wie Asien-Europa/Mittelmeer, Asien-Nordamerika Westküste oder Persischer Golf/Rotes Meer ab. Hapag-Lloyd-Anteilsscheine verloren rund 2 Prozent, lagen zwischenzeitlich aber schon deutlich tiefer im Minus.

USA: Schluss im Minus

Die Wall Street stand zum Wochenschluss ganz im Zeichen des privaten Konsums - einer tragenden Säule der US-Wirtschaftsleistung. Und der zeigte sich von der Sonnenseite. Denn im April kletterten die Erlöse deutlich stärker als von Volkswirten vorausgesagt. Das galt auch für die um den Automobilabsatz bereinigten Werte. Die Stimmung der US-Verbraucher besserte sich zudem im Mai auch unerwartet stark. Der an der Universität Michigan berechnete Index für die Verbraucherstimmung in den USA stieg auf 95,8 Punkte. Ökonomen haben eine Stagnation gegenüber dem Vormonat bei 89,0 erwartet.

Der Dow-Jones-Index fiel um 1,1 Prozent auf 17.535 Punkte. Der breiter gefasste S&P gab um 0,9 Prozent auf 2047 Stellen nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,4 Prozent auf 4718 Zähler.

Die Reihe zuletzt schwacher Geschäftsberichte aus dem Einzelhandelssektor setzte sich indes mit J.C. Penney nahtlos fort. Das Unternehmen verbuchte einen unerwarteten Umsatzrückgang im Auftaktquartal 2016. Die Aktien verloren 2,6 Prozent. Mit Dillard's hatte ein weiterer Einzelhändler im ersten Quartal einen Umsatz- und Ergebniseinbruch verbucht. Das drückte die Aktien rund 6 Prozent. Apple zogen 0,7 Prozent an. Der Technologiegigant will 1 Milliarde Dollar in Didi Chuxing Technology investieren - einem chinesischen Pendant zum Fahrtenvermittler Uber. Für Nvidia ging es gar 13,6 Prozent nach oben. Dank einer regen Nachfrage hatte das Unternehmen den Gewinn im ersten Quartal kräftig gesteigert.

Asien: Schwacher Wochenschluss

Alle großen asiatischen Aktienmärkte gaben am Freitag nach schwachen Vorgaben aus den USA nach. Auch der gesunkene Yen sowie der Milliarden-Einstieg von Nissan bei dem von einem Skandal um manipulierte Verbrauchstests erschütterten Rivalen Mitsubishi konnten die Stimmung nicht heben.

Der Tokioter Nikkei-Index schloss 1,4 Prozent schwächer bei 16.412 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 1,3 Prozent auf 1320 Zähler. "Der schwächere Yen und die schnelle Rettung von Mitsubishi durch Nissan sind eigentlich gute Nachrichten für den japanischen Markt", sagte Hiroki Allen von Superfund Securities. Dies hätte wohl noch stärkere Verluste beim Nikkei verhindert. Die Mitsubishi-Aktien gaben nach anfänglichen Kursgewinnen nach und gingen 1,7 Prozent niedriger aus dem Handel. Nissan-Aktien legten dagegen 4,1 Prozent zu.

Auch außerhalb Japans gaben die Kurse nach. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans verlor 1,1 Prozent. Bergab ging es an der Börse in Shanghai mit einem Abschlag beim Composite-Index von 0,2 Prozent. Der Shenzhen-Composite tendierte 0,3 Prozent im Minus. In Hongkong verlor der Hangseng-Index 1,2 Prozent.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/dpa/AFP