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Bis 2013 auf dem Mond 100 Jahre DLR

Sie begannen einst ganz bescheiden mit einem Windkanal, heute forschen sie in 28 Instituten an acht Standorten - und in den nächsten Jahren wollen sie sogar zum Mond. Die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) feiern Jubiläum, 100 Jahre Forschung auf ihrem Gebiet. "Es ist toll, auf eine 100-jährige Tradition zurückblicken zu können", sagt Vorstandsvorsitzender Prof. Johann-Dietrich Wörner. Er ist seit 1. März im Amt und "überaus glücklich", Deutschlands größte ingenieurwissenschaftliche Einrichtung zu leiten.

Das ganze Jahr 2007 gilt als Jubiläumszeitraum. "Im Jahr 1907 wurden zahlreiche Aktivitäten der Luftfahrtforschung in Deutschland zusammengeführt und schließlich institutionalisiert", erklärt DLR-Sprecher Bernhard Fuhrmann. Als offizieller Beginn der Luftfahrtforschung wird die Gründung der Modellversuchsanstalt der Motorluftschiff-Studiengesellschaft in Göttingen mit Ludwig Prandtl an der Spitze angesehen. "Wenn man schaut, wie es 1907 begonnen hat, ist es erstaunlich, wie bedeutend die Ergebnisse von damals heute in vielen Fächern noch sind", sagt Wörner. Auch die "Göttinger Bauart" bei Windkanälen sei immer noch ein Begriff.

Heute hat das DLR rund 5300 Mitarbeiter. Das Gelände der Zentrale in Köln-Porz beherbergt auch das Astronauten-Trainingszentrum EAC der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA. Dazu kommen die Standorte Berlin-Adlershof, Bonn-Oberkassel, Braunschweig, Göttingen, Lampoldshausen, Oberpfaffenhofen und Stuttgart sowie Außenbüros in Brüssel, Paris und Washington. Den heutigen Namen trägt das Zentrum erst seit zehn Jahren, seit die Deutsche Agentur für Raumfahrtangelegenheiten (DARA) in die damalige Deutsche Forschungsanstalt für Luft-und Raumfahrt integriert wurde.

Forschungsgebiete sind nicht nur Luft-und Raumfahrt, sondern auch Energie und Verkehr. Die Kombination ist nach Ansicht Wörners aktueller denn je. Diese vier Themen seien für die großen Probleme der Menschheit entscheidend. Ob Ressourcenverknappung, Klimawandel, Mobilität, Kommunikation oder weltweite Konflikte, die DLR-Forschung könne helfen, Probleme zu lösen. So sei unter anderem die Erdbeobachtung unverzichtbar für die Erforschung des Klimawandels oder das vom DLR mitentwickelte Solarturm-Kraftwerk ein wichtiger Beitrag, um Kohlendioxid-Emissionen zu reduzieren.

Nach eigenen Angaben hatte das DLR im Vorjahr einen Etat von rund 670 Millionen Euro. Dazu verwaltete es rund 550 Millionen an Fördermitteln für die ESA. Knapp 250 Millionen erwirtschaftete das Zentrum selbst durch Auftragsforschung. 2005 wurden 216 Erfindungen zum Patent angemeldet.

Zu den prominentesten Forschungshighlights gehören die Entwicklung des angewinkelten Flugzeugflügels von Adolf Busemann 1935, der Start des ersten deutschen Forschungssatelliten "AZUR" 1969 oder auch die deutsche Beteiligung an den "Spacelab"-Missionen 1985 und 1993. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 unterstützte das Forschungsprojekt "SOCCER" die Verkehrslenkung durch aktuelle Daten aus der Luft. Ende 2007 soll das "Columbus"-Labor an die Internationale Raumstation ISS andocken. Der Erdbeobachtungssatellit "TerraSAR-X" soll demnächst die Arbeit aufnehmen. Stolz sind die Forscher auch auf eine besondere Kamera, die Bilder von der Marsoberfläche lieferte.

Schlagzeilen machte das DLR vor einigen Wochen, als Pläne für eine unbemannte Mondmission bis zum Jahr 2013 bekannt wurden. "Es ist erfreulich, dass durch die Mondmission auch andere Themen des DLR hervorgehoben werden", meint Wörner. Die Berichterstattung über die Mond-Pläne könne ein Vehikel für die anderen Themen sein. "Aber wir sind viel mehr als die Mondmission."

Andrea Wimmer, dpa

Quelle: n-tv.de