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Patienten leiden auch als Erwachsene ADHS hört nicht auf

Das sogenannte "Zappelphilipp-Syndrom" beschränkt sich nicht nur auf das Kindesalter. Auch als Erwachsene leiden Patienten oft weiterhin an ADHS oder entwickeln andere ernst zu nehmende Problematiken.

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Hyperaktivität, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sowie Impulsivität gehören zu ADHS.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kinder mit ADHS leiden einer Studie zufolge oft noch als Erwachsene an der Störung. Das berichten Forscher um William Barbaresi von der Kinderklinik im US-amerikanischen Boston. Zudem hätten die Betroffenen im Erwachsenenalter auch häufiger andere psychische Störungen, heißt es im Journal "Pediatrics".

Von ADHS – also einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung – sprechen Mediziner, wenn Hyperaktivität, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sowie Impulsivität zusammenkommen, erklärt Professor Michael Rösler von der Universität des Saarlandes. Die Störung trete situationsübergreifend auf – also in der Freizeit und in Schule oder Beruf.

Psychische Störungen oder Drogenabhängigkeit

Das Team um Barbaresi untersuchte in einer Langzeitstudie 5718 Kinder, die zwischen 1976 und 1982 in Rochester (US-Staat Minnesota) geboren worden waren. Bei 367 der Kinder wurde ADHS diagnostiziert. 232 von ihnen nahmen bis zum Schluss an der Studie teil, im Durchschnitt waren sie dann 27 Jahre alt. Ein Drittel der ADHS-Betroffenen wurde im Kindesalter wegen der Störung behandelt.

Knapp ein Drittel der betroffenen Kinder litt der Studie zufolge im Erwachsenenalter immer noch an ADHS. 57 Prozent entwickelten zudem als Erwachsene mindestens eine andere psychische Störung, etwa eine antisoziale Persönlichkeitsstörung oder eine Drogenabhängigkeit. In der Gruppe der gesunden Kinder war dies nur bei 35 Prozent der Fall.

Die Studie sei auch auf Deutschland übertragbar, sagt der ADHS-Experte Rösler. Verschiedene – allerdings weniger aufwendige – Untersuchungen aus Deutschland hätten gezeigt, dass 60 Prozent der Kinder mit ADHS auch im Erwachsenenalter noch Symptome hätten.

"Die Amerikaner sind uns da voraus"

Die Wissenschaftler um Barbaresi werben dafür, ADHS wie eine chronische Erkrankung zu behandeln. "Es ist besorgniserregend, dass nur eine Minderheit der Kinder mit ADHS das Erwachsenenalter erreicht, ohne unter ernsthaften Folgen zu leiden", heißt es in der Studie, die zum Teil von einem Pharma-Unternehmen finanziert wurde. Die Behandlung von Kindern müsse verbessert werden, ebenso wie die medizinische Langzeitbehandlung bis ins Erwachsenenalter, fordert Barbaresi.

Eine Ansicht, die Rösler teilt. Er geht davon aus, dass die Situation in Deutschland sogar noch etwas dramatischer ist als in den USA. "Die Amerikaner sind uns da voraus", sagt er. Erst seit den 80er bis 90er Jahren sei hierzulande bekannt, dass an ADHS erkrankte Kinder auch im Erwachsenenalter häufig noch unter der Störung litten. "Noch nicht einmal jeder zehnte Betroffene erhält eine Behandlung", sagt Rösler. Normalerweise werde in Deutschland ungefähr jeder dritte mit einer psychischen Erkrankung behandelt.

Quelle: n-tv.de, dpa

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