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Direktkontakt tödlich Algen vergiften Korallenriffe

Meeresalgen produzieren giftige Substanzen, die zum Korallentod führen. Besonders verheerend wirkt sich dies an Riffen aus, an denen durch Überfischung Algen fressende Fische fehlen und sich die Pflanzen fast ungehindert ausbreiten.

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Meeresalgen verursachen die gefürchtete Korallenbleiche.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Seit einigen Jahrzehnten kommt es rund um den Globus zu einem Niedergang der Korallenriffe. In der Karibik zum Beispiel ist die von Korallenriffen bedeckte Fläche in den vergangenen dreißig Jahren um 80 Prozent geschrumpft. Mehr als 30 Prozent der weltweiten Korallenarten ist derzeit vom Aussterben bedroht.

Der Niedergang hat eine drastische Verwandlung der Lebensgemeinschaft am Riff zur Folge: Einst artenreiche, komplexe Ökosysteme, in denen zahlreiche verschiedene Korallen leben, verwandeln sich in artenarme Lebensgemeinschaften, die größtenteils Meeresalgen beherbergen. Unklar ist Experten dabei, ob die Meeresalgen selbst zum Korallentod beitragen oder ob sie sich lediglich verstärkt ausbreiten, nachdem die Korallen aus anderen Gründen gestorben sind.

Um dieser Frage nachzugehen, pflanzten Douglas Rasher und Mark Hay vom Georgia Institute of Technology unterschiedliche Algenarten in der Karibik und dem tropischen Pazifik direkt in einem Riff an und beobachteten für 20 Tage, was geschah. In der Karibik verursachten fünf der sieben angepflanzten Meeresalgenarten die gefürchtete Korallenbleiche bei der Kleinpolypigen Steinkoralle. Im Pazifik hatten drei von acht Algenarten den gleichen Effekt auf eine weitere Kleinpolypige Meeresalge. Die Schäden traten nur dort auf, wo die Algen in direkten Kontakt mit den Korallen kamen.

Algenfeinde weggefischt

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Mehr als 30 Prozent der weltweiten Korallenarten ist vom Aussterben bedroht.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In einem zweiten Experiment übertrugen die Wissenschaftler die Extrakte der Algen auf eine Art Klebestreifen und brachten diese an den Korallen an. Auch in diesem Fall blichen die Korallen aus. Die Forscher folgern aus diesen Experimenten, dass es sich bei den Giftstoffen nicht um wasserlösliche Substanzen handelt, die mit dem Meerwasser an die Korallen gespült werden, sondern um fettlösliche Substanzen, die ihre Wirkung nur bei direktem Kontakt entfalten.

Schließlich untersuchten die Wissenschaftler noch die Auswirkung von Pflanzen fressenden Lebewesen, vor allem Fischen, auf die Ausbreitung der Algen. Dazu pflanzten sie verschiedene Algenarten in einem Riff an: Einmal in einem Schutzgebiet, in dem das Korallenriff artenreich und intakt ist und einmal in einem nur 300 Meter entfernten Riff, das stark befischt ist. Dort gibt es nur wenige Korallen, aber viele Algen. Innerhalb von 24 Stunden waren in dem Schutzgebiet 40 bis 100 Prozent der Algen weggefressen, in dem befischten Riff gar keine bis 40 Prozent. In intakten Ökosystemen halten die Fische die Ausbreitung der Algen in Grenzen und verhindern somit auch Schäden an den Korallen, fassen die Forscher zusammen. Über ihre Ergebnisse berichten sie in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Quelle: ntv.de, dpa

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