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Ökologischer Anbau reicht nicht Andere Ernährung fürs Klima

Durch die Umstellung der deutschen Landwirtschaft auf ökologischen Anbau könnten einer Studie zufolge 15 bis 20 Prozent der dabei ausgestoßenen Treibhausgase eingespart werden. Trotzdem ist es nicht möglich, durch eine vollständige Umstellung das Klima ausreichend zu schützen, wie die in Berlin vorgestellte Untersuchung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) für die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch ergab. Nur eine etwas andere Ernährung könnte demnach das Klima ausreichend schonen. Bislang ist die Landwirtschaft in Deutschland der Studie zufolge für den Ausstoß von 133 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) verantwortlich, genauso viel wie der Straßenverkehr.

Die durch Ökolandbau mögliche Senkung des Treibhausgasausstoßes um bis zu 20 Prozent reiche nicht aus, um das Klima nachhaltig zu entlasten. Dazu sei eine Senkung um 50 Prozent notwendig, erklärten IÖW und Foodwatch. Zudem werde für eine vollständige Umstellung auf Ökolandwirtschaft 70 Prozent mehr Fläche benötigt. Diese gebe es weder in Deutschland, noch anderswo in Europa. Hinzu käme, dass biologische Landwirtschaft nicht immer CO2-ärmer sei als konventioneller Anbau und Tierzüchtung. So könnte etwa ökologische Rinderzüchtung bis zu 60 Prozent mehr CO2 verursachen als konventionelle.

Langfristige Änderung der Essgewohnheiten

Helfen könne letztendlich nur eine Umstellung der Essgewohnheiten, erklärten die Forscher und Verbraucherschützer: Besonders Rindfleisch und Milchprodukte belasteten das Klima stark; Schweinefleisch etwa sei klimaverträglicher. Ebenso dürften aber Moore und Feuchtwiesen nicht mehr für die Landwirtschaft genutzt werden. Diese machten nur acht Prozent der landwirtschaftlichen Fläche aus, sie stünden aber für 30 Prozent der CO2-Emissionen aus der Landwirtschaft.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) bezweifelte die Ergebnisse der Studie: Die Landwirtschaft sei der einzige Wirtschaftszweig, der mehr CO2 absorbiere als er ausstoße. So stehe dem Ausstoß von 133 Millionen Tonnen CO2 eine Bindung von 168 Millionen Tonnen des Klimagases entgegen, erklärte der Verband.

Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode wies die Kritik wiederum als "bizarr" zurück: Der DBV rechne bei diesen Zahlen die Forstwirtschaft mit ein - doch die Bindung von CO2 durch Wälder könne den Emissionen durch die Landwirtschaft nicht entgegengesetzt werden. Zudem werde CO2 in der Landwirtschaft nicht langfristig gebunden, sondern bei der Verwertung der Agrarprodukte wieder freigesetzt, sagte Bode. Am Ende stehe also netto der genannte Ausstoß von 133 Millionen Tonnen CO2 durch die Landwirtschaft.

Quelle: ntv.de

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