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Wie elektromagnetische Felder wirken Ärzte wissen nicht Bescheid

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Vor allem junge Menschen nutzen ihre Handys ausgiebig.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Nicht nur in der Bevölkerung gibt es große Unwissenheit in Bezug auf die Wirkung von elektromagnetischen Feldern auf die Gesundheit, sondern auch bei den Ärzten in Deutschland. Das ergibt eine Befragung von Allgemeinmedizinern die vom Bundesamt für Strahlenschutz in Auftrag gegeben wurde.

Deutsche Ärzte wissen wenig über die Risiken elektromagnetischer Felder und geben besorgten Patienten teils Ratschläge, die nicht dem Stand der Forschung entsprechen. Das hat eine Befragung von Allgemeinmedizinern ergeben, die vom Bundesamt für Strahlenschutz (Salzgitter) finanziert wurde. Die Untersuchung der Autorengruppe um Gabriele Berg-Beckhoff von der Universität Bielefeld ist im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht.

Elektromagnetische Felder (EMF) gehen von elektrischen Geräten aller Art aus, vom Bügeleisen über das schnurlose Telefon bis zum Fernseher. Besonders oft verbinden sich Sorgen um diese Felder aber mit dem Mobilfunk.

Seit Mai 2010 gibt es speziell zu diesem Thema eine umfassende Auskunft: Die bislang größte Fall-Kontrollstudie zu Handystrahlung hat kein erhöhtes Krebsrisiko für Durchschnittsnutzer gezeigt. Das ergab die Interphone-Studie der Weltgesundheitsorganisation. Sie stützt sich weitgehend auf Interviews von 2708 Menschen mit Gliomen sowie 2409 Menschen mit Meningiom, den häufigsten Gehirntumoren. Zudem wurden 7658 Kontrollpersonen in 13 Ländern befragt.

Erhöhte Handynutzung erhöht Gesundheitsrisiko

Bei den fünf Prozent der Teilnehmer, die das Handy besonders stark nutzten, zeige die Interphone-Studie ein erhöhtes Risiko für ein Gliom, schreibt die an der Studie beteiligte Universität Mainz. Dies Ergebnis könnte aber auch durch methodische Probleme entstanden sein, betonte Prof. Maria Blettner von der Universität. So sei die sehr hohe Nutzungsdauer, die manche Teilnehmer angaben, nicht plausibel. Zudem sei das Gliom-Risiko nicht kontinuierlich mit der Telefondauer gestiegen. "Die Interphone-Studie hat gezeigt, dass für einen Erwachsenen eine durchschnittliche Nutzung des Handys kein erhöhtes Hirntumorrisiko bedeutet", fasste Blettner zusammen.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Für die jetzt im Ärzteblatt veröffentlichte Studie wertete das Team einen vierseitigen Fragebogen aus, der von 435 deutschen Allgemeinmedizinern ausgefüllt wurde (Erhebungszeitraum: März bis Mai 2008). Eine weitere Gruppe von 465 Medizinern beantwortete einen einseitigen Fragebogen. In beiden Gruppen gab es kaum Unterschiede hinsichtlich des Geschlechtes, des Alters, der Facharztausbildung oder einer zusätzlichen alternativmedizinischen Ausbildung, schreiben die Autoren.

"Hohes Besorgnisniveau”

Die Analyse zeigt, dass sich etwa die Hälfte der Allgemeinmediziner in der Praxis mit dem Thema EMF auseinandersetzen muss. Außerdem steht da zu lesen: "Dabei haben die Allgemeinmediziner einerseits ein hohes Besorgnisniveau wegen EMF, andererseits ist ihr Wissen zum Thema EMF nicht sehr hoch."

Von den Allgemeinmedizinern in der langen Befragung wurden 253 wegen vermeintlicher oder vermuteter gesundheitlicher Probleme durch EMF konsultiert. Den Verdacht, es gebe einen Zusammenhang zwischen den Feldern und den Beschwerden, erachteten die Ärzte in 108 Fällen als überzeugend.

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Ulrich Weiner bezeichnet sich selbst als hochsensibel auf Handystrahlung. Aus diesem Grund lebt er in einem Funkloch bei St. Märgen im Schwarzwald.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zu den genannten Beschwerden zählten Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Kreislaufprobleme oder Abgeschlagenheit. Am häufigsten wurde den Betroffenen empfohlen, elektrische Geräte zu entfernen. In 24 Fällen lautete der Rat der Arztes, die Wohnung oder den Wohnort zu wechseln. Unter anderem hätten Ärzte empfohlen, den Wohnort zu wechseln, obwohl sie selbst den Zusammenhang zwischen der Strahlung und dem gesundheitlichen Risiko als "unplausibel" einschätzten. Zu den – selten – empfohlenen Schutzmaßnahmen gehörten auch Gardinen oder der Gang mit einer Wünschelrute.

Weiter steht im Ärzteblatt zu lesen: "Die Patienten konsultieren den Arzt mit selbst angeeignetem Wissen über EMF, das auf vermeintlich wissenschaftlich gewonnen Erkenntnissen beruht." Und: "Die Arzt- Patienten-Interaktion aufgrund von EMF kann zum Teil gravierende Konsequenzen nach sich ziehen. Dabei stimmen die ärztlichen Ratschläge zu EMF oft nicht mit dem Stand der Forschung überein." Zum Schluss vermerken Berg-Beckhoff und ihre Kollegen: "Ärztlich Fortbildungen mit Blick auf Studien zu gesundheitlichen Risiken der EMF sind wünschenswert."

Quelle: n-tv.de, dpa

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