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Schrubben, rütteln oder fegen? Auch Zahnärzte wissen nicht, wie man putzt

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Selbst Experten sind sich über die richtige Technik beim Zähneputzen nicht einig.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zähneputzen ist zur Vorbeugung von Karies unerlässlich. Doch wer weiß eigentlich, wie der korrekte Bürstenschwung auszusehen hat? Empfehlungen von Experten sind wissenschaftlich nicht fundiert - und sie widersprechen sich.

"Vor dem Schlafen, nach dem Essen: Zähneputzen nicht vergessen." Wer kennt es nicht, das berühmte Mantra der Mundhygiene. Zweimal am Tag, jeweils etwa drei Minuten sollte ein gesundheitsbewusster Mensch für die Pflege seiner Zähne aufbringen. Soweit die bekannten Eckdaten. Auf den Zahn gefühlt, müssen sich jedoch wohl die meisten eingestehen, dass sie nicht genau wissen, was sie da im Mund eigentlich anstellen sollen.

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Schon früh sollten Kinder lernen, mit der Zahnbürste umzugehen - im Erwachsenenalter gilt es umzulernen.

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Eine im September 2012 veröffentlichte Studie der Universität Witten/Herdecke zu den Zahnputzgewohnheiten der Deutschen offenbarte, dass zwei Drittel der Befragten zwischen 14 und 69 Jahren ihre Zähne noch wie Kleinkinder putzten. Die in frühester Kindheit erlernte Rotationsmethode ist jedoch nicht für das erwachsene Gebiss geeignet.

Zudem stellte sich in der Untersuchung heraus, dass nur elf Prozent der Deutschen jeden Tag zur Zahnseide greifen. Damit kommt der Durchschnittsdeutsche auf gerade einmal eineinhalb Meter Seide pro Jahr. Empfohlen sind 180. Wer seinen hygienischen Pflichten nachkommt, sollte darauf achten, die Zahnseide vor der Bürste zum Einsatz kommen zu lassen. Dies hat zwei Gründe: Zum einen werden die von der Seide freigelegten Essensreste beim Bürsten entfernt, zum anderen kann das in der Zahnpaste enthaltene Fluorid so besser in den Zahnzwischenräumen wirken.

Doch wie wird nun richtig geschrubbt? Oder ist das bereits die falsche Frage? Schließlich suggeriert das Wort "Schrubben" einen hohen Putzdruck. Dieser könnte das empfindliche Zahnfleisch schädigen. Alles nicht so einfach. Wer Hilfe sucht, wendet sich vertrauensvoll an die zuständigen Experten. Und wird vollends verwirrt.

Zahnärzte halten sich nicht an Fachbücher

Ein Team von Wissenschaftlern des UCL (University College London) hat die Empfehlungen zur richtigen Dentalpflege von Zahnarztvereinigungen und Zahnpasta- und Zahnbürstenunternehmen aus zehn Ländern miteinander verglichen. Die Ergebnisse sind überraschend. Über die richtige Methode beim Zähneputzen herrscht Uneinigkeit.

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Zu starker Druck beim Putzen tut weh und schädigt das Zahnfleisch.

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"Die Menschen brauchen fundierte Informationen über die beste Methode beim Zähneputzen", sagt die emeritierte UCL-Professorin und Autorin der Studie, Aubrey Sheiham. Doch leider sehe die Situation derzeit anders aus. Es könne vielmehr passieren, dass ein und dieselbe Person von der heimischen Zahnarztvereinigung, dem Hersteller ihrer Zahnbürste und ihrem Zahnarzt drei unterschiedliche Empfehlungen bekomme. Besonders besorgniserregend sei, dass sich Zahnärzte nicht einmal an die Vorgaben aus medizinischen Fachbüchern hielten.

Es gibt allerdings eine Methode, die häufiger als alle anderen empfohlen wird. Bei dieser Technik wird die Bürste in kleinen rüttelnden Bewegungen sanft hin- und hergeführt, um Essenspartikel, Plaque und Bakterien zu lösen. Doch keine großangelegte Studie hat je belegt, dass diese Technik wirksamer als einfaches Schrubben ist.

So wird richtig geputzt - vielleicht

In der fehlenden Empirie zu dem Thema sieht das Team um Sheiham die verwirrende Vielzahl an empfohlenen Putzmethoden begründet. Trotz fehlender Studien zu dem Thema lassen sich die Autoren der Studie allerdings selbst zu einer Putzempfehlung hinreißen: Einfaches, horizontales Fegen sei die beste Methode. Dabei müsse die Borstenachse zur Zahnkrone einen Winkel von 45 Grad bilden.

Wer übrigens versucht, seine Zähne durch intensives Putzen nach dem Naschen zu schützen, macht die Sache nur noch schlimmer. Denn das eingangs erwähnte Mundpflege-Mantra ist nicht ganz korrekt. Direkt nach dem Essen sollte nicht zur Bürste gegriffen werden. Bei säurehaltigen Nahrungsmitteln dauert es bis zu zwei Stunden, bis der Speichel den ph-Wert ausgleicht. Wer früher putzt, gefährdet seinen Zahnschmelz.

Quelle: n-tv.de

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