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Opfer für die Gemeinschaft Bakterien begehen Suizid

Bakterien können gezielt Selbstmord begehen, wenn ihre Umwelt für eine zu große Gruppe von ihnen lebensfeindlich wird. Dies berichten Forscher um Hanna Engelberg-Kulka von der Hebrew-Universität in Jerusalem im Journal "Science". Der Mechanismus könne möglicherweise als Ansatz für neue Antibiotika dienen. Der sogenannte programmierte Zelltod (Apoptose) war zuvor nur von mehrzelligen Lebewesen bekannt. Einzelne Zellen opfern sich dabei, um das Überleben der Gemeinschaft zu sichern.

Die Wissenschaftler hatten bei Darmbakterien (Escherichia coli) entdeckt, dass diese bestimmte Toxine, sogenannte MazF-Proteine, sowie neutralisierende Antitoxine (MazE) bilden. Beide Verbindungen sind unter Normalbedingungen in etwa gleich großer Menge vorhanden. Das Verhältnis ändert sich, sobald beide Substanzen nicht mehr gebildet werden:

Das Gift MazF ist stabiler als sein Gegengift MazE, nimmt deshalb zunehmend überhand – und entfaltet seine tödliche Wirkung. Die Produktion der beiden Verbindungen komme zum Erliegen, wenn die Bakterien hungerten, mit Antibiotika traktiert oder mit schädlichem UV-Licht bestrahlt würden, schreiben die Forscher. Die Bakterien bildeten dann einen Botenstoff, der die Synthese von MazF und MazE hemme.

Sinn mache ein Selbstmord bei Bakterien, wenn es nicht genug Nahrung für alle Zellen gebe. Statt möglichst lange auszuharren und so das Überleben der ganzen Kolonie infragezustellen, töteten sich einige Bakterien selbst und steigerten so die Chancen der Nachbarzellen. Das Ergebnis sei ein weiterer Hinweis darauf, dass sich Bakterien nur selten wie isolierte Einzelorganismen "benehmen". Sie existierten vielmehr als Gemeinschaften mit komplexer Kommunikation und aufeinander abgestimmtem Verhalten.

Quelle: ntv.de

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