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Menschen mit Blutgruppe A entwickeln wahrscheinlicher schwere Durchfälle, wenn sie mit einer Art von E. coli (Computergrafik) infiziert sind als Personen mit Blutgruppe O oder B.
Menschen mit Blutgruppe A entwickeln wahrscheinlicher schwere Durchfälle, wenn sie mit einer Art von E. coli (Computergrafik) infiziert sind als Personen mit Blutgruppe O oder B.(Foto: Alissa Eckert und Jennifer Oosthuizen/CDC/dpa)
Freitag, 18. Mai 2018

Keine harmlose Reise-Erkrankung: Blutgruppe bestimmt Durchfall-Anfälligkeit

Durchfall gehört zu den häufigsten Beschwerden von Reisenden und zu den größten Gesundheitsgefahren weltweit. Eine Studie zeigt nun, dass Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe für die häufigsten Erreger am empfänglichsten sind. Wie können sie sich schützen?

Die Schwere von Reisedurchfall hängt maßgeblich von der Blutgruppe des Infizierten ab. Menschen mit Blutgruppe A reagieren einer Studie zufolge wesentlich schneller und stärker auf weitverbreitete Erreger von starkem Durchfall - sogenannte Enterotoxische Escherichia coli (ETEC). Diese Erkenntnis könnte den Forschern zufolge die Suche nach einer Impfung erleichtern, von der vor allem die Bewohner betroffener Regionen profitieren würden.

Die enterotoxischen Varianten des Darmbakteriums Escherichia coli (ETEC) sind oft für Durchfall-Erkrankungen bei Fernreisenden verantwortlich - in Deutschland sind solche Infektionen äußerst selten. In den betroffenen Regionen - vornehmlich Entwicklungsländern - sind dagegen Millionen Bewohner betroffen. Die Forscher schreiben von Hunderttausenden Toten pro Jahr. Gefährdet sind vor allem kleine Kinder, für die der massive Flüssigkeitsverlust oft lebensbedrohlich ist. Bekannt war bislang, dass manche Menschen empfindlicher auf solche Erreger reagieren als andere.

Forscher um James Fleckenstein von der Washington University School of Medicine in St. Louis (US-Staat Missouri) testeten die Reaktion nun systematisch: Sie untersuchten die Symptomatik von 106 Menschen, die ein Glas Wasser mit einer festgelegten Dosis einer bestimmten ETEC-Variante getrunken hatten.

Besonders schnelle und heftige Reaktion

Menschen mit der Blutgruppe A reagierten darauf besonders schnell und heftig, wie das Team im "Journal of Clinical Investigation" schreibt. 81 Prozent dieser Teilnehmer entwickelten behandlungsbedürftigen Durchfall, bei den Menschen mit Blutgruppe B oder 0 waren es etwas mehr als die Hälfte.

Die Forscher erklären den Unterschied damit, dass Menschen mit Blutgruppe A auf der Oberfläche vieler Zellen bestimmte Vielfachzucker (Glykane) tragen. ETEC-Keime bilden demnach ein Protein (EtpA), das besonders an diese Zucker bindet. So können die Bakterien sich effektiver an die Zellen der Darmschleimhaut heften und Giftstoffe einschleusen.

Impfung könnte schützen

"Wir glauben, dass dieses Protein der Grund für die Blutgruppen-Unterschiede in Bezug auf die Schwere der Krankheit ist", wird Fleckenstein in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. "Eine Impfung, die auf dieses Protein abzielt, würde möglicherweise jene Menschen schützen, die das höchste Risiko haben."

Der Mikrobiologe Helge Karch von der Universität Münster spricht von einem plausiblen Zusammenhang. "Die Forscher haben gezeigt, dass das Protein EtpA tatsächlich bei Menschen mit der Blutgruppe A an Zucker von Zellen der Darmwand bindet. Das passt zum klinischen Bild und zur Schwere der Durchfallerkrankung", sagt der Direktor des Instituts für Hygiene. "Diesen Zusammenhang muss man jetzt gezielt weiter untersuchen."

"Große Bedeutung für die Praxis"

Die Studie habe große Bedeutung für die Praxis, sagt Roger Vogelmann von der Universitätsmedizin Mannheim. "Es ist sehr spannend, dass die Autoren auf menschliche Probanden zurückgreifen konnten", betont der Leiter der Arbeitsgruppe Gastroenterologische Infektiologie bei der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). "Zudem haben die Forscher den Mechanismus sehr schön herausgearbeitet."

Blutgruppe A ist bei Deutschen am weitesten verbreitet (43 Prozent), gefolgt von den Gruppen 0 (41 Prozent), B (11 Prozent) und AB (5 Prozent). Als Schutz vor Durchfall und vielen anderen Erkrankungen sollte man regelmäßig die Hände waschen, sauberes Wasser trinken und Obst oder Gemüse entweder schälen oder vor dem Verzehr erhitzen.

Quelle: n-tv.de