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Studie aus den USA alarmiert CT löst bei Tausenden Kindern Krebs aus

Die Zahlen einer US-Studie sind alarmierend: Tausende Kinder, die im Computertomographen untersucht werden, erkranken an Krebs. Dabei gibt es zwei einfache Regeln, um die durch CT-Scans ausgelösten Krebsfälle enorm zu verringern.

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Bei Kindern sollte die Strahlendosis im CT reduziert werden.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Die rund vier Millionen jährlichen Untersuchungen per Computertomographie (CT) an Kindern verursachen fast 5000 Krebserkrankungen. Das berichten US-Mediziner um Diana Miglioretti von der University of California in Davis im Fachblatt "Jama Pediatrics". Demnach ließe sich die Zahl der Erkrankungen leicht um fast zwei Drittel senken, wenn Ärzte die Strahlenmengen minimieren und unnötige Untersuchungen unterlassen würden. In Deutschland werden Kinder zwar viel seltener per Computertomographie untersucht. Aber auch hier gebe es Optimierungsbedarf, mahnt ein Experte.

Die Computertomographie kann wertvolle Hinweise geben, etwa auf innere Verletzungen. Allerdings ist die Strahlendosis etwa um das 100- bis 500-Fache höher als bei einer normalen Röntgenaufnahme. In den USA hat sich die Zahl der CT-Untersuchungen bei Kindern unter 14 Jahren von 1996 bis 2005 mehr als verdoppelt. Das ist bedenklich, denn Heranwachsende reagieren besonders sensibel auf Strahlung und bei ihnen ist das Krebsrisiko durch die weitere Lebensdauer höher als bei Erwachsenen.

Auch in Deutschland Tendenz zu mehr CTs

Die Forscher schätzen, dass schon zwei einfache Regeln die Zahl der durch CT verursachten Krebserkrankungen um 62 Prozent verringern könnten: Senke man die höchsten 25 Prozent der Bestrahlungen auf eine normale Dosis, würde die Zahl der künftigen Krebsfälle um 43 Prozent zurückgehen. Zudem seien viele Untersuchungen schlicht überflüssig oder könnten durch schonendere Untersuchungen wie etwa Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) ersetzt werden, betont Miglioretti: "All diese Dinge könnten wir ganz leicht sofort umsetzen."

Die Forscher schätzen bei Mädchen in den USA, dass je nach Alter pro 300 bis 390 CT-Untersuchungen von Bauch oder Becken ein bösartiger Tumor entsteht - ebenso pro 330 bis 480 Brust-Scans und pro 270 bis 800 Durchleuchtungen der Wirbelsäule.

Auch in Deutschland gibt es eine Diskussion um überflüssige CT-Scans von Kindern. Zwar gibt es hierzulande Referenzwerte, an denen sich Mediziner orientieren sollen. Zudem sollen Anwender darauf achten, dass der Nutzen einer Untersuchung das Risiko überwiegt. "Trotz dieser grundsätzlich positiven Situation besteht auch bei uns die Tendenz, die CT aufgrund ihrer überragenden Bildqualität und ihrer Geschwindigkeit bei Kindern vermehrt einzusetzen", sagt Christoph Heyer von der Ruhr-Universität Bochum.

Die Studie verdeutliche, wie wichtig es sei, die Strahlendosis bei jeder kindlichen CT-Untersuchung individuell anzupassen und im Vergleich zu Erwachsenen stark abzusenken. "Werden alle potenziellen Möglichkeiten genutzt, sind Dosiseinsparungen von über 90 Prozent möglich", sagt der Kinderradiologe. "Die strahlensparende Anwendung der CT bei Kindern setzt allerdings eine hohe fachliche Expertise voraus." Diese werde durch die stetig fallende Zahl hauptamtlich tätiger Kinderradiologen in Deutschland und Europa erschwert.

Quelle: ntv.de, dpa