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"Ein gewaltiges Unterfangen" Cassini erkundet Saturn seit zehn Jahren

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Raumsonde Cassini am Saturn (Nasa-Computergrafik)

(Foto: dpa)

Den zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems, den Saturn, erkundet die Raumsonde "Cassini" nun schon seit einem Jahrzehnt - ein großer Beitrag zur Erforschung unseres Sonnensystems. Erst vor ein paar Tagen machten Forscher eine neue Entdeckung auf dem Saturnmond Titan.

Meterhohe Wasserfontänen und Meere aus Methan: Die Saturn-Raumsonde "Cassini" hat in den vergangenen zehn Jahren viele Entdeckungen rund um den zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems gemacht. 1997 wurde sie mit einer Rakete ins Weltall geschickt. Im Sommer 2004 erreichte "Cassini" die Umlaufbahn des Saturn.

Die gewonnenen Erkenntnisse sind "kleine Mosaiksteine in der Erforschung des Sonnensystems", sagt Ralf Jaumann vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR). Er ist Mitglied des Cassini Visual and Infrared Mapping Spectrometer Teams und analysiert die chemische Zusammensetzung von Oberflächen und Atmosphären.

Staubdetektor vom DLR

Federführend leitet die US-Weltraumbehörde Nasa die Mission. Die europäische Weltraumorganisation Esa beteiligte sich mit dem Bau der Sonde "Huygens", die 2005 auf dem Saturnmond Titan landete und dessen Oberfläche erforschte. Einen Staubdetektor, mit dem die Geschwindigkeit und die Masse kleinster Teilchen gemessen werden kann, steuerte das DLR bei.

Neben dem DLR wirkten unter anderem auch Forscher der Max-Planck-Gesellschaft, der deutschen Raumfahrtindustrie sowie verschiedener Universitäten bei der Entwicklung von Bauteilen mit. "Das ist ein gewaltiges Unterfangen", sagt Jaumann, der selbst seit 1986 an der Mission mitarbeitet. Bis zu zwei Milliarden Dollar wird das auf 13 Jahre Flugzeit angelegte Projekt kosten. "Cassini" hat einen großen Beitrag zur Erforschung unseres Sonnensystems geleistet. So haben Forscher entdeckt, dass der Flüssigkeitskreislauf des Saturnmondes Titan vergleichbar mit dem der Erde ist. Aus seinen Wolken regnet allerdings kein Wasser, sondern Methan und Ethan. Bei minus 182 Grad Celsius werden diese Kohlenwasserstoffe flüssig. Die Niederschläge bilden auf der Oberfläche Seen und Flüsse.

Jahreszeiten auf Titan

Die neuste Entdeckung sind Wolkenbewegungen, die mit den Jahreszeiten auf Titan zusammenhängen, wie Forscher vor einigen Tagen berichteten. Die Rotationsachse des Titan ist, ebenso wie die der Erde, leicht geneigt, was die Jahreszeiten hervorruft. "Diese dauern allerdings aufgrund der großen Entfernung zur Sonne und der damit längeren Umlaufbahn viel länger", erklärt Jaumann: siebeneinhalb Jahre statt wie auf der Erde drei Monate.

Bislang konnte also nur eine Jahreszeit erforscht werden. "Wir befinden uns jetzt aber gerade im Jahreszeitenwechsel und beobachten auffällige Veränderungen", so der Forscher. "Beim Jahreszeitenwechsel beobachten wir jetzt, wie sich das Wetter und der Flüssigkeitskreislauf auf Titan verändert." Im Norden des Mondes befinden sich im Titan-Winter Methan-Seen. Aufgrund des Jahreszeitenwechsels hin zum Sommer im Norden verdunsten diese Seen jetzt - und bilden Methan-Wolken.

Außerdem machten die Forscher mit Hilfe der Sonde "Huygens" Entdeckungen auf dem Saturn-Trabanten Enceladus. "Niemand wusste vorher, wie die Oberfläche des Mondes genau aussieht. Durch die dichte Wolkendecke konnte man nichts sehen", erklärt Michael Bird, Forscher vom Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn, der an der "Huygens"-Mission beteiligt war. Dann kam die Überraschung: Zu sehen waren riesige Fontänen, die Wasser aus der gefrorenen Oberfläche pressen. "Wenn es auf Planeten Wasser und einen Gesteinskern gibt, kann dies zu Verwitterungsprozessen führen", sagt Jaumann. "Immer wenn Wasser und Nährstoffe vorhanden sind, fragen wir uns, ob auf diesen Planeten Leben entstehen könnte."

Quelle: ntv.de, Jennifer Stötzel, dpa