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Nasa wertet erste Daten aus Curiosity landete punktgenau

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Ein Picasso-ähnliches Selbstporträt von "Curiosity".

REUTERS

Intensiv werten Nasa-Wissenschaftler die bisher vorhandenen Daten der Landung des Marsrovers "Curiosity" aus. Und so viel steht bereits fest: Das komplizierte Manöver läuft nahezu perfekt. Die Erkenntnisse können für weitere Mars-Missionen sehr hilfreich sein. Die Nasa-Forscher werden unterdessen gefeiert wie Popstars.

Der Rover "Curiosity" ist auf dem Mars nur knapp 200 Meter von der geplanten Stelle entfernt gelandet. Das fanden Nasa-Wissenschaftler nach der Untersuchung der Daten heraus, die das Roboterfahrzeug in seinen ersten Tagen auf dem Roten Planeten gesendet hat. Nach einem rund 560 Millionen Kilometer langen Flug sei das ein erstaunlich gutes Ergebnis, sagte der Nasa-Wissenschaftler Steve Sell. "Es ist unglaublich, wenn man jahrelang Pläne macht und dann sieht, dass sie genau so aufgehen."

Bislang sei aber erst rund ein Megabyte der Daten von der Landung zur Erde geschickt worden. Rund 100 Megabyte befänden sich noch auf dem Rover und würden nun nach und nach heruntergeladen. Alle drei Marssonden - der "Mars Reconnaissance Orbiter" und "Odyssey" von der Nasa, sowie "Mars Express" von der europäischen Raumfahrtagentur Esa - hätten bislang Daten geschickt, insgesamt weit mehr als erwartet. Die Informationen wollen die Wissenschaftler nutzen, um für weitere Mars-Missionen noch besser vorbereitet zu sein.

In den kommenden Tagen soll die Software des Rovers komplett ausgetauscht werden - eine Art "Gehirntransplantation", wie Nasa-Wissenschaftler es formulieren. "Die Flug-Software, die "Curiosity" im Moment noch benutzt, war darauf fokussiert, das Fahrzeug zu landen. Sie hat viele Komponenten, die wir jetzt einfach nicht mehr brauchen", sagte Nasa-Forscher Ben Cichy. Bis Montag soll die neue Software auf den Computer und auch auf den Notfall-Computer des Rovers hochgeladen sein. Danach könnte er losrollen und wissenschaftliche Experimente starten.

"Wunderbarer Zufall"

Auch das Rätsel um einen Fleck auf Aufnahmen des Marsroboters "Curiosity" hat die Nasa inzwischen gelöst. Wie die US-Raumfahrtbehörde mitteilte, zeigen Bilder, die unmittelbar nach dem sicheren Aufsetzen von "Curiosity" auf dem Roten Planeten entstanden, den Aufprall des Trägerkrans, einer raketenbetriebene Vorrichtung, die "Curiosity" bei der Landung am Montag zusammen mit einem Fallschirm zu einem sanften Aufsetzen verholfen hatte.

Der Nasa-Ingenieur Sell sagte, der Kran sei mit einer Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometern aufgeprallt und in gebührender Entfernung vom kleinwagengroßen Marsroboter explodiert. Es gebe zwei Fotos von zwei verschiedenen Kameras vom Aufprall des Krans, die etwa 40 Sekunden nach der Landung aufgenommen worden seien. 40 Minuten später zeigten die Kameras keinen Fleck mehr.

Es sei ein "wunderbarer Zufall", das "Curiosity" diesen Aufprall bei der Landung aufnehmen konnte, sagte Sell. Die Fotos an sich hätten keinen großen wissenschaftlichen Wert, sie zeigten aber, dass die Berechnungen der Nasa-Ingenieure korrekt gewesen seien. Eine genaue Rekonstruktion der Landung ergab unterdessen, dass diese um 07.31 Uhr MESZ erfolgte, nicht um 07.32 Uhr wie ursprünglich angekündigt. "Curiosity" setzte nach EDL-Angaben 2,25 Kilometer vom vorgesehenen Landeort auf. Das sei "letztlich sehr nah", sagte Sells Kollege Gavin Mendeck.

Gefeiert wie Helden

"Curiosity" war nach einer mehr als achtmonatigen Reise durchs All erfolgreich auf dem Mars gelandet. Er sendete bereits spektakuläre Farbbilder, auf denen die Landschaft des Kraters Gale zu sehen ist, in dem sich der Roboter befindet. "Curiosity" soll Erkundungen am dort liegenden 5000 Meter hohen Mount Sharp vornehmen. Der in 300 Kilometern Höhe um den Mars fliegende US-Satellit Mars Reconnaissance Orbiter fotografierte zudem die Landestelle von oben.

Der 900 Kilo schwere Erkundungsroboter von der Größe eines Pkw soll nach Hinweisen suchen, dass es früher Leben auf dem Mars gegeben haben könnte. Die 2,5 Milliarden Dollar teure Mission ist auf einen Zeitraum von zwei Jahren angelegt. "Curiosity" ist der teuerste und ausgefeilteste Roboter, der je für die Erforschung eines anderen Planeten gebaut wurde. Das Marsmobil hat sechs Räder und ist mit einem chemischen Labor, Videokameras, einem Laserstrahl sowie mit einem über zwei Meter langen Roboterarm und einer Wetterstation ausgestattet.

Die Ingenieure der US-Raumfahrtbehörde Nasa, die "Curiosity" gelandet haben, werden in den USA fast wie Popstars gefeiert. "Wir haben so viele E-Mails und Anfragen über Twitter und Facebook bekommen - das zu bearbeiten wird Wochen dauern", sagte der Nasa-Wissenschaftler Sell. Sein Kollege Allen Chen erzählte, er sei in den vergangenen Tagen in einer Pizzeria erkannt worden. "Das war etwas ganz Neues für mich."

Zum absoluten Liebling entwickelt sich aber ihr Kollege Bobak Ferdowsi. Während der Landung des Marsrovers, die aus dem Kontrollzentrum der Nasa im kalifornischen Pasadena live im Internet übertragen wurde, war der Wissenschaftler mit einer außergewöhnlichen Frisur aufgefallen: einem Irokesenschnitt mit einrasierten Sternen an den Seiten. Im Internet wurde der sogenannte "Mohawk Guy" zum Renner. Sogar Heiratsanträge habe er bekommen, sagte Ferdowsi dem Magazin "Wired". "Einer meiner liebsten kam über Twitter und er ging so: "Willst du mich heiraten? Wenn ja, lande einen Rover auf dem Mars"."

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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