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Wirkung wie eine Droge Die Chemie des Babylächelns

Wenn ein Baby seiner Mutter ins Gesicht strahlt, gerät das Belohnungszentrum des elterlichen Gehirns in chemische Wallung. Diese Reaktion ähnelt der Wirkung einer Droge, berichten Wissenschaftler vom Baylor College for Medicine in Houston (US-Bundesstaat Texas) im Journal "Pediatrics" (Bd. 122, Nr. 1, S. 40).

Bei ihrer Untersuchung von 28 Müttern Erstgeborener im Alter zwischen fünf und zehn Monaten stellte das Forscher-Team um Lane Strathearn fest, dass der Anblick fröhlicher Säuglinge vor allem solche Hirnregionen stimuliert, in denen das "Glückshormon" Dopamin ausgeschüttet wird. "Dies sind Bereiche, welche auch in anderen Experimenten aktiviert wurden, die mit Drogenabhängigkeit in Zusammenhang standen", betonte Strathearn. "Es könnte sein, dass das Betrachten des lächelnden eigenen Kindes wie ein ‚natürliches Hoch' wirkt."

Zwang zu Droge

Auch viele Rauschgifte sorgen dafür, dass das Gehirn Dopamin freisetzt. Um das damit verbundene Hochgefühl immer wieder zu erleben, spüren Abhängige den unausweichlichen Zwang zur Droge. In der Studie wählten die Mediziner einen anderen Reiz: Sie legten den Müttern Fotos ihrer eigenen sowie fremder Babys vor und verfolgten dabei die Veränderung der Hirnaktivität mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanz-Tomographie (fMRI).

Die Auswertung zeigte eine deutlich stärkere Tätigkeit in Bereichen, in denen Emotionen verarbeitet werden (ventrales Tegmentum, Striatum, Teile des Frontallappens). Lächelnde Babygesichter regten die mütterlichen Nerven intensiver an als neutrale oder traurige - auf den fMRIAufnahmen zu sehen als heller abgegrenzte Flächen. Während traurig dreinschauende Säuglinge bei ihren eigenen und bei fremden Müttern etwa gleich starke Reaktionen auslösten, schlug bei lachenden Babys in erster Linie das Belohnungszentrum der jeweils eigenen Mutter an.

Von ihrer Beobachtung erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über die neurobiologischen Grundlagen der Mutter-Kind-Bindung. Ist diese zu schwach ausgeprägt, kann es laut Strathearn zu Störungen in der kindlichen Frühentwicklung kommen. "In manchen Fällen ist diese Beziehung nicht normal. Vernachlässigung und Gewalt können die Folge sein - mit verheerenden Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes."

Quelle: n-tv.de

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