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Europas aktivster Vulkan speit wieder Feuer: Auf Sizilien ist der Ätna ausgebrochen.
Europas aktivster Vulkan speit wieder Feuer: Auf Sizilien ist der Ätna ausgebrochen.(Foto: AP)
Montag, 28. Oktober 2013

Von Ätna bis Sakurajima: Die aktivsten Feuerberge der Welt

Von Diana Sierpinski

Sie sind Giganten der Erde; wenn sie aktiv werden, hinterlassen sie eine Spur der Verwüstung: Vulkane. In ihnen brodelt flüssiges Gestein, sie bringen Seen und Ozeane zum Kochen. Ein faszinierendes Naturereignis voller zerstörerischem Potenzial.

Rund 1900 aktive Vulkane gibt es auf der Erde. Sie alle sind Symbole für die Unberechenbarkeit der Naturgewalten. 3323 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, ist der Ätna in Italien der größte Vulkan Europas. Er ist auch einer der am längsten aktiven: Schon 693 vor Christus wurde ein Ausbruch schriftlich dokumentiert. Er zerstörte damals die Stadt Catania. Seitdem trägt sich an den Flanken des Ätna immer wieder Dramatisches zu: Erdbeben erschüttern die Region, Aschewolken verdunkeln den Himmel und Lavaströme zerstören Häuser hoch oben am Vulkan. Im Juni 2013 hat ihn die Unesco in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen. Nun ist der Ätna wieder aktiv. Vergangenen Samstag schleuderte der Vulkan heiße Lava in die Luft, riesige Rauchwolken stiegen in den Himmel.

Island ist die größte Vulkaninsel der Welt. Nirgendwo sonst in Europa konkurrieren die Elemente so sehr um ihren Platz wie hier. Feuer, Wasser, Erde: Hier steigt Schwefel hervor, dort brodelt Wasser, und da zittert die Erde. In den vergangenen Jahrhunderten gab es auf der Insel durchschnittlich alle fünf Jahre eine Eruption. Der Ausbruch des Eyjafjallajökull im März 2010 stellte ein bislang einzigartiges Ereignis dar, denn der Ausbruch war weit über die Grenzen des Inselstaates hinaus zu spüren. Die Aschewolken beeinflussten den internationalen Flugverkehr enorm, Flughäfen von Spanien bis Russland standen still.

Der aktivste Vulkan der Erde ist der Kilauea auf Big Island. Er ist der jüngste von insgesamt fünf Vulkanen, die zusammen die größte der Hawaii-Inseln bilden. "Kilauea" bedeutet in der Einheimischen-Sprache "spucken". Diesem Prinzip bleibt der Berg treu. Seit 1983, also seit 30 Jahren, fließt hier die Lava ununterbrochen. Das flüssige Gestein bewegt sich durch unterirdische Tunnel, tritt aber auch mehrmals an der Oberfläche aus und bildet Lavaseen. Da die dickflüssige Lava des Vulkans sich eher träge verhält, verlaufen die meisten Ausbrüche lang anhaltend. Für die Menschen stellt die Lava aber kaum eine Gefahr dar. Nur wer ihr zu nahe kommt, kann durch die dünne Kruste einbrechen oder durch die Schwefeldämpfe Atembeschwerden bekommen.

Der Vulkan Batu Tara gilt als weißer Fleck auf der Landkarte. Er liegt auf der kleinen Insel Komba Island im Osten Indonesiens etwa 50 Kilometer vor Flores. Mehrere Umstände sorgen dafür, dass das Vulkaneiland praktisch unerforscht ist: Da ist zum Beispiel seine isolierte Lage. Steile Küsten machen das Anlanden extrem schwierig, die Flanken des Vulkans gelten als unbezwingbar. Dichte Vegetation, loser Schotter und eine hohe Hangneigung machen aus einer Besteigung eine mehrtägige Klettertour. Zudem ist der Vulkan sehr aktiv, und für die Einheimischen ist die Insel Tabu. Entsprechend wenig ist über die Vulkanologie des Batu Tara bekannt. Er weist große Ähnlichkeiten mit dem Stromboli vor Sizilien auf. Bei beiden Vulkanen ist ein Teil der Vulkanflanke ins Meer gerutscht. Der aktive Krater liegt somit exponiert und die Flanke seines Kegels fällt steil Richtung Küste ab. Ausgeschleuderte Lavabrocken kullern über diese Feuerrutsche und landen zischend im Wasser.

Stromboli ist ein 12 Quadratkilometer großes Eiland. Zusammen mit ihren sechs Schwestern, den Äolischen Inseln, liegt es nördlich von Sizilien und westlich von Calabrien im Tyrrhenischen Meer. Als Berg, der Feuer spuckt, erhebt sich Stromboli mit 924 Metern direkt aus dem Meer. Nach der Vollkommenheit ihres vulkanischen Kegels wurde die Insel "Strongyle", der Kreisel, genannt. Seit bereits 2300 Jahren ist der Vulkan dauernd tätig, was ihm den Ruf als Leuchtfeuer des Mittelmeeres einbrachte. Stromboli ist durch seine "kontrollierten" Eruptionen bei Abenteuerlustigen und Pauschaltouristen gleichermaßen beliebt. Die Lavamassen fließen immer den gleichen Weg über die "Sciara del Fuoco" (Feuerbahn) bergab. Aus diesem Grund wagen auch viele den mühsamen Aufstieg bis zum Kraterrand, was seit 2002 nur noch mit einem autorisierten Führer gestattet ist.

Als am 27. August 1883 in Indonesien der Vulkan Krakatau ausbrach, zerstörte die Eruption nahezu die gesamte Insel. Der Vulkan entlud sich in mehreren Eruptionen. Eine davon war so gewaltig, dass sie noch im 3600 Kilometer entfernten Australien zu hören war. Die Sprengkraft erzeugte riesige Tsunamis, die auf die Küsten von Sumatra und Bali zurasten. Sie brachten mehr als 36.000 Menschen den Tod. Anstelle der alten Insel wächst seitdem ein neuer Vulkan heran, der erstmals 1930 sichtbar wurde, als er durch die Wasseroberfläche brach. Der Anak Krakatau (Kind des Krakatau) liegt inzwischen rund 450 Meter über dem Meeresspiegel und zeichnet sich durch rege Aktivität aus.

Einer der heftigsten Vulkanausbrüche des 20. Jahrhunderts war die Eruption des Mount St. Helens im US-amerikanischen Bundesstaat Washington im Jahr 1980. Seit 1857 galt der Berg als ruhend. Nach einer Serie leichter Beben zerriss eine Explosion am 18. Mai 1980 mit einer Stärke von etwa 24 Megatonnen TNT (was etwa die 16-fache Wucht der Hiroshima-Atombombe bedeutet) die Nordflanke des Bergs. Die gewaltige Explosion riss die oberen 400 Meter des Berges komplett ab. Ein gewaltiger Bergsturz ergoss sich 25 Kilometer Richtung Norden. Heiße Druckwellen zerstörten fast 400 Quadratkilometer Wald. Ein Fotograf hielt den Anfang der Explosion in Bildern fest, ehe er vor der anrollenden Staublawine fliehen musste. Diese Fotos wurden weltweit verbreitet und dienten als Grundlage für eine filmische Rekonstuktion der ersten Minuten des Bergeinsturzes.

Am 16. März 2009 fand im pazifischen Inselstaat Tonga ein spektakuläres Naturereignis statt: Nur wenige Kilometer von der Küste entfernt brach der Unterwasservulkan Hunga Ha'apai aus. Gewaltige Dampfsäulen und Rauchwolken schossen aus dem Meer empor und brachten das Wasser zum Brodeln. Tagelang konnte das Schauspiel von der Insel wie von Booten aus beobachtet werden. Wissenschaftler fingen eindrucksvolle Bilder der meterhohen Eruptionen ein. Meist spielen sich derartige Ausbrüche vollständig unter Wasser ab. Auch hierbei entstehen faszinierende Eindrücke, wenn die austretende und sofort abkühlende Lava das Wasser zum Kochen bringt.

Auch Chile hat mehrere aktive Vulkane. Als gefährlichster gilt derzeit der Llaima - sein letzter Ausbruch fand im Januar 2008 statt. Damals waren 54 Touristen von der Lava überrascht und eingeschlossen worden. Sie konnten allerdings in einer dramatischen Rettungsaktion geborgen werden. Zehn Kilometer stieg die Rauchsäule damals empor, während der Llaima Feuer und Gestein durch die Gegend schleuderte. Das chilenische Fernsehen übertrug den Ausbruch live. Lava und Feuer wurden nachts über 1000 Meter weit in die Luft geschleudert und waren kilometerweit zu sehen. Nach dem Ausbruch stand eine bis zu zehn Kilometer hohe Rauchsäule über dem Berg.

Und noch ein chilenischer Vulkan zählt zu den aktivsten der Welt: Der Puyehue in den südchilenischen Anden gehört zu einem Vulkankomplex namens Puyehue-Cordón Caulle. Innerhalb der vergangenen 100 Jahre kam es hier zu mindestens acht großen Ausbrüchen. Der letzte davon fand im Jahr 2011 statt. Damals wurde der Flugverkehr in Südamerika durch eine gewaltige Aschewolke massiv gestört.

Der Vulkan Sakurajima (Kirschblüteninsel) liegt ganz im Süden des japanischen Inselarchipels, auf der Insel Kyushu. Der Vulkan bildet eine Halbinsel in der Bucht von Kagoshima. In der gleichnamigen Stadt, die dem Vulkan in 8 Kilometern Entfernung gegenüber liegt, leben rund 500.000 Menschen. Der Alltag der Menschen in Kagoshima wird stark vom Rhythmus des Vulkans beeinflusst. Er ist daueraktiv und speit mehrmals am Tag Aschewolken aus, die je nach Windrichtung auch über die Stadt driften und abregnen. Staubmasken und Schutzbrillen gehören wie der Regenschirm zur Standardausstattung der Menschen dort. Die Kinder lernen in der Schule Notfallmaßnahmen, falls sich ein größerer Ausbruch ereignen sollte. Der letzte wirklich große Ausbruch am Sakurajima fand 1914 statt.

Der Arenal in Costa Rica zählt ebenfalls zu den aktivsten Vulkanen der Welt. Seit seinem verheerenden Ausbruch im Jahr 1968, bei dem fast neunzig Menschen ums Leben kamen, ist er permanent aktiv. An manchen Tagen ist der Berg von bedrohlichen Aschewolken umgeben, an anderen schleudert er glühende Felsbrocken kilometerhoch in die Luft. Zuletzt kam es 2010 zu einem gewaltigen Ausbruch, bei dem der umliegende Nationalpark evakuiert werden musste.

Im Grenzbereich zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda befindet sich der Nyiragongo. Da in dieser Gegend seit Jahren Stammeskriege toben und Rebellen die Gegend unsicher machen, ist der Zugang zum Vulkan mit entsprechenden Risiken verbunden. Dennoch stiegen noch 2008 bis zu 50 wagemutige Touristen monatlich auf den Gipfel des Bergs, um einen Blick in die kochenden Lavaseen des aktiven Vulkans zu werfen. Bewaffnete Wachen begleiten die Gruppen, um sie notfalls vor angreifenden Rebellen zu verteidigen. Auch vom Berg selbst droht weiter Gefahr: Bei einem Vulkanausbruch am 17. Januar 2002 mussten 500.000 Menschen aus dem Gebiet evakuiert werden. Auch 2009 kam es nochmals zu einer kleineren Eruption.

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Quelle: n-tv.de