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Für Jobs im All ESA schreibt Stellen aus

Der Traum vom Weltraum kann für vier Männer oder Frauen demnächst Wirklichkeit werden: Die Europäische Raumfahrtagentur ESA sucht neue Astronauten. Es sei das erste Mal seit 16 Jahren, dass die ESA offiziell dazu Stellen ausschreibt, sagte Gerhard Thiele in Köln. Der Leiter des Europäischen Astronautenkorps rechnet mit weit mehr als 10.000 Bewerbern aus ganz Europa.

Trotzdem sollten sich Interessenten nicht abschrecken lassen, meint der deutsche Astronaut Hans Schlegel, der zu der Crew gehörte, die im Februar das europäische Forschungslabor "Columbus" zur Internationalen Raumstation ISS brachte. "Es ist eine einmalige Chance, etwas zu tun, was uns als Menschheit interessiert und was über den normalen Horizont hinausgeht", sagt der 56-Jährige. Jeder, der eine solche Herausforderung sucht, solle sich bewerben - und die Sache eher sportlich angehen, falls es am Ende nicht klappt.

Naturwissenschaftler vor

Ganz ohne sind die Voraussetzungen allerdings nicht: Bewerber sollten 27 bis 37 Jahre alt sein, fließend Englisch und am Besten auch Russisch sprechen. Sie sollen ein abgeschlossenes Ingenieur- oder naturwissenschaftliches Studium und drei Jahre Berufserfahrung haben. Vom 19. Mai an können Interessenten sich über das Internet bewerben. Sie müssen ein fliegerärztliches Zeugnis einsenden und einen umfangreichen Online-Fragebogen ausfüllen. Schon danach fliegen die meisten Bewerber raus.

Die rund 1000 Übrigen werden nun bei psychologischen Auswahlverfahren gründlich durchleuchtet: Es geht um Konzentration, Belastung, räumliches Vorstellungsvermögen und das Verhalten in einer Gruppe. Etwa 80 bis 100 Kandidaten kommen noch weiter und müssen sich einer fünftägigen medizinischen Untersuchung unterziehen. Vom Hörtest bis zur Darmspiegelung werde nichts ausgelassen. Eine Brille sei übrigens kein automatisches Ausschlusskriterium, sagt der Leiter der medizinischen Abteilung, Volker Damann. "Eigentlich suchen wir schlicht normal gesunde Kandidaten", erklärt er. "Wir wollen keine Sesselhocker, aber auch keine Olympioniken."

Anschließend müssen die Bewerber noch mehrere Fragerunden überstehen, ehe der Generaldirektor der ESA schließlich die endgültige Auswahl trifft. Im Frühjahr 2009 sollen die vier neuen Weltraumfahrer feststehen, die dann die derzeit acht aktiven ESA-Astronauten unterstützen werden.

Warten können, Risiken eingehen

Mindestens dreieinhalb Jahre dauert die Astronauten-Ausbildung. Zentrifugen-Übungen zur Simulation der Beschleunigungskräfte oder Tests zur Schwerelosigkeit machten aber nur einen kleinen Anteil aus, sagt Astronaut Reinhold Ewald. Vor allem gehe es um die Vermittlung wissenschaftlicher und technischer Details. Ihm selbst sei das Erlernen scheinbar einfacher Dinge besonders schwer gefallen: "Zum Beispiel das Warten-Können. Stundenlang in Luftdruckkammern nichts zu tun, nur um zu testen, ob der Anzug dicht ist."

Auch die Gefahren, die mit einer Reise ins All verbunden sind, dürften nicht unterschätzt werden, betont Schlegel: "Der Astronaut und seine Familie müssen bereit sein, dieses Risiko bewusst einzugehen."

Mondlandung in Aussicht

Wann die neuen Astronauten tatsächlich zu ihrem ersten Flug ins All aufbrechen dürfen, steht in den Sternen. Ein langer Atem sei unabdingbare Voraussetzung für den Astronautenberuf, sagt Schlegel mit Blick auf seine eigene Karriere: "Seit 1988 bin ich Astronaut, nach fünf Jahren hatte ich mit Glück und Tüchtigkeit meinen ersten Raumflug und erst nach weiteren 15 Jahren meinen zweiten."

Korps-Leiter Thiele ist zuversichtlich, dass zumindest einer der neuen Astronauten später auch zum Mond fliegen wird. Die nächste Mondlandung stehe innerhalb der kommenden zehn Jahre an, schätzt er. "Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Europa sich dabei als Zuschauer begnügen wird."

Von Petra Albers, dpa

Quelle: ntv.de

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