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Folgen des Klimawandels Eem-Warmzeit kein gutes Modell

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Ein Eisschild in der Antarktis.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Als der grönländische Eisschild vor rund 130.000 Jahren schmilzt, ist dafür auch eine veränderte Sonneneinstrahlung verantwortlich. Diese hat sich heute jedoch nicht verändert. Daher ist die Eem-Warmzeit kein gutes Modell für die Folgen des aktuellen Klimawandels.

Die letzte große Warmzeit vor rund 120.000 Jahren ist – anders als häufig angenommen – kein gutes Modell für die Folgen des Klimawandels. Das zeigt eine neue Analyse im Journal "Nature Geoscience". Trotz ähnlicher Temperaturerhöhung ist unklar, ob der grönländische Eisschild durch die gegenwärtige globale Erwärmung so stark abschmelzen könnte wie in der Eem-Warmzeit, schreiben Forscher um Willem Jan van de Berg von der Universität Utrecht in den Niederlanden.

Der grönländische Eisschild spielt eine zentrale Rolle bei den Klimawandelfolgen, weil sein Abschmelzen die Weltmeere meterhoch anschwellen lassen kann. So waren Grönlands mächtige Gletscher in der Eem-Warmzeit vor 130.000 bis 115.000 Jahren größtenteils getaut, der Meeresspiegel lag damals mindestens vier bis sechs Meter höher als zum Beginn der Industrialisierung. Auf der Nordhalbkugel war es damals vielerorts zwei bis vier Grad Celsius wärmer als in der vorindustriellen Zeit.

Erderwärmung heute hat andere Gründe

Eine ähnliche Erwärmung wird – allerdings weltweit – auch durch den menschengemachten Klimawandel bis Ende des Jahrhunderts befürchtet. Statt zivilisatorischer Treibhausgase heizten in der Eem-Warmzeit jedoch Veränderungen in der Erdumlaufbahn das Klima auf der Nordhalbkugel an, mehr Sonnenstrahlung erreichte damals Grönland im Sommer.

Der neuen Modellierung zufolge waren zwei Effekte etwa gleichstark am Schmelzen der Grönland-Gletscher beteiligt: Die höhere Lufttemperatur zu 55 Prozent, die zusätzliche direkte Sonneneinstrahlung zu 45 Prozent. Durch den menschengemachten Klimawandel steigt gegenwärtig zwar die Lufttemperatur, an der Erdbahn ändert sich im selben Zeitraum aber nichts – die Verteilung der Sonneneinstrahlung bleibt unverändert.

Die Eem-Warmzeit sei daher kein gutes Modell für die Folgen des aktuellen Klimawandels, folgern die Forscher. Eine Entwarnung bedeutet dies allerdings nicht: Der grönländische Eisschild schmilzt gegenwärtig – und selbst wenn die Schmelzrate nicht direkt mit der aus der Eem-Warmzeit vergleichbar ist, so bedeute dies nicht unbedingt, dass der Schild stabiler sei als bislang angenommen, heißt es in einem Begleitartikel in "Nature Geoscience".

Quelle: ntv.de, dpa