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Montag, 01. Juni 2009

Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs: Ermutigende Experimente

Gebärmutterhalskrebs ist der zweithäufigste bösartige Tumor bei Frauen. Vorbeugen kann man der Erkrankung durch eine Impfung mit dem HPV-Impfstoff, doch einen hundertprozentigen Schutz bietet dies leider nicht. Doch die Aussichten für einen Breitband-Impfstoff stehen gut.

HPV.jpgEin neuer, derzeit noch experimenteller Impfstoff soll besonders viele Varianten der Erreger von Gebärmutterhalskrebs außer Gefecht setzen. Von ihren Resultaten mit dem neuen Wirkstoff berichtet eine Gruppe um Richard Roden von der Johns Hopkins University in Baltimore (US-Staat Maryland) im "Journal of the National Cancer Institute".

Zwar sind bereits jetzt zwei kommerzielle Impfstoffe gegen die humanen Papillomviren (HPV) zugelassen: Gardasil von Merck und Cervarix von GlaxoSmithKline. Beide wirken gut gegen die HPV-Viren der Typen 16 und 18. Diese sind zusammen für rund 70 Prozent aller Gebärmutterhals- Krebserkrankungen verantwortlich, heißt es in dem Journal.

Kein universeller Schutz

Die Impfungen schützen allerdings nicht gegen alle HPV-Varianten. Zudem sind die Präparate vergleichsweise teuer herzustellen. Dennoch sind die beiden Impfstoffe in 120 Ländern lizenziert und wurden jungen Frauen bislang rund 40 Millionen Mal verabreicht.

HPV-Impfung.jpgDie US-Gesundheitsbehörden und das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg, wo die entscheidenden Arbeiten für den Impfstoff geleistet wurden, sind gemeinsam Eigentümer der Patente für das L1-Gen, das als Grundlage für den verfügbaren Impfstoff dient. Wünschenswert wäre indes ein Schutz gegen alle für den Menschen infektiöse HPV-Typen, von denen insgesamt rund 100 bekannt sind.

Die bisherigen Präparate regen das Immunsystem junger Frauen dazu an, Antikörper gegen das L1-Protein in der Außenhülle der Viren zu produzieren. Es gibt zwar noch ein weiteres Hüllprotein names L2, gegen das in Impfversuchen bisher aber nicht genügend Antikörper produziert werden können. Genau dies wäre aber sehr wünschenswert, denn L2 ähnelt sich bei vielen HPV-Typen stark. Wer Antikörper gegen L2 hervorrufen kann, hätte daher einen aussichtsreichen Breitband-Impfstoff.

"Experimente sind ermutigend"

Dies ist auch das Ziel von Roden und seine Kollegen. Dazu schufen sie im Labor gentechnisch künstliche L2-Proteine, die Eigenschaften von zahlreichen HPV-Viren kombinieren. Diese Proteine spritzten sie dann Versuchstieren, Mäusen und Kaninchen. Daraufhin entstanden in den Modelltieren "substanzielle und robuste" Antikörpermengen gegen bis zu 22 HPV-Typen. Die Tiere widerstanden in den Versuchen zudem Infektionsversuchen mit HPV-16.

Xavier Bosch vom Institut für Onkologie in Barcelona schreibt in einem begleitenden Kommentar zu der Studie: "Die hier präsentierten Experimente sind ermutigend." Sobald dies möglich sei, sollten L2-Impfstoffe auch am Menschen getestet werden. Bosch weist darauf hin, dass sich diese Wirkstoffe in Bakterien sehr viel preiswerter und auch leichter als die bisherigen L1-Impfstoffe produzieren ließen. Dies sei ein besonders wichtiges Argument, denn viele der jährlich rund 500.000 neuen Fälle von Gebärmutterhalskrebs gibt es in armen Ländern, allein 150.000 in Indien, schreibt Bosch, der gemäß den Statuten des Journals angibt, in anderem Zusammenhang über sein Institut unter anderem finanzielle Unterstützung von Merck und GlaxoSmithKline erhalten zu haben. Lokal produzierte Impfstoffe könnten in diesen Regionen gut helfen. Dafür sei indes die großzügige Unterstützung durch die großen Impfstoff-Hersteller unerlässlich.

Quelle: n-tv.de