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Interview mit Esa-Chef Jan Wörner "Es ist in jedem Fall ein Lernerfolg"

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Im Raumflugkontrollzentrum der Esa hoffen sie, dass alles gut geht.

(Foto: dpa)

Im Raumflugkontrollzentrum der Esa in Darmstadt herrscht hohe Anspannung: Die ExoMars-Sonde Schiaparelli soll auf der Mars-Oberfläche aufsetzen. n-tv.de spricht mit Esa-Generaldirektor Jan Wörner über Muskelspiele und den nächsten großen Coup.

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Esa-Generaldirektor Jan Wörner

(Foto: dpa)

n-tv.de: Herr Wörner, was ist, wenn die Schiaparelli-Landung heute scheitert?

Jan Wörner: Es ist eine spannende Mission, bei der relativ viel passieren kann, weil es eine Folge von Ingenieurshochleistungen ist: Erst der Eintritt in die Atmosphäre, dann muss der Hitzeschutz funktionieren. Das nächste ist, dass der Fallschirm aufgehen muss, dann muss der Hitzeschutzschild abgesprengt werden, sonst wäre das Ding zu schwer und würde runterfallen. Dann muss der Fallschirm abgesprengt und die Triebwerke angeschaltet werden, und dann muss am Schluss noch die Knautschzone mit der richtigen Geschwindigkeit beaufschlagt werden. Also, es kann schon viel schiefgehen. Aber: Es ist ein Test. Und Tests macht man nicht, um einfach nur zu zeigen, wie es geht, sondern auch, um davon zu lernen. Wenn also tatsächlich etwas schiefgeht, dann werden wir davon lernen für die Mission 2020. Und wenn es gut geht, dann werden wir ebenfalls davon lernen für die Mission 2020, wenn es um den Rover geht. Es ist in jedem Fall ein Lernerfolg.

Warum Mars?

Der Mars ist schon seit früher Zeit ein besonderer Planet, er ist schon immer beobachtet worden. Wegen seiner roten Färbung hat man ihn Mars genannt, weil man das mit dem Kriegsgott in Verbindung gebracht hat. Der Mars ist einfach spannend für die Menschen. Und er ist der nächste Planet, auf dem wir vielleicht so etwas wie Leben erwarten können.

Spielen beim Mars als Ziel auch Muskelspiele eine Rolle? Der Wettstreit zum Beispiel mit der Nasa?

Nein, die ExoMars-Mission ist das Gegenteil von Wettbewerb, weil wir mit den anderen zusammenarbeiten – vor allem mit Roskosmos, aber auch mit der Nasa. Außerdem schließt diese Mission genau an die anderen Missionen wie Curiosity, Opportunity, Spirit usw. Es ist eine logische Folge der internationalen Zusammenarbeit.

Was ist Weihnachten 2003 mit Beagle 2 passiert, der ersten Esa-Sonde, die auf dem Mars aufsetzen sollte?

Auch die ist heil runtergekommen, aber es ist nicht ganz so gelaufen, wie wir es wollten: Das eine Sonnenpaneel hat sich nicht geöffnet, und es kam nie eine Kommunikation zustande. Aber wer weiß, was Beagle 2 alles gemacht hat. (lacht)

Nach Rosetta und ExoMars: Was ist der nächste große Coup der Esa?

Wir haben mehrere Sachen in der Planung: Wir wollen zu Merkur fliegen; wir wollen eine sehr spannende Mission im niedrigen Sonnen-Orbit machen. Das sind Wissenschaftsmissionen. Wir wollen zu den Eismonden von Jupiter fliegen. Und wir wollen mit ExoMars und dem Rover 2020 in die zweite Runde gehen. Also: Es gibt viele interessante Missionen, über die es sich zu berichten lohnt. Denn die bringen immer auch etwas für die Menschen auf der Erde.

Mit Esa-Chef Jan Wörner sprachen Andrea Schorsch und Carsten Lueb

Quelle: n-tv.de

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