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Kampf gegen Schweinegrippe Experten fürchten Impfmüdigkeit

Mediziner haben angesichts der Gefahren der Schweinegrippe vor einer wachsenden Angst vor Impfungen gewarnt. Die Furcht sei unbegründet, heißt es.

2mk85920.jpg4994056383963682774.jpgDerzeit gebe es eine große Verunsicherung in der Bevölkerung. "Die Angst vor einer Impfung ist gegenwärtig größer als vor den Konsequenzen einer Infektion", sagte Klaus Wahle, Mitglied der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut, vor Beginn des 3. Deutschen Influenza-Kongresses in Erfurt. Auf der Tagung beraten bis zum Samstag rund 230 Experten aus dem In- und Ausland über die Bekämpfung der Krankheit. Nach Ansicht von Virologen wird das H1N1-Virus in dieser Saison für einen Großteil der Influenza-Fälle verantwortlich sein.

Die Schweinegrippe grassiertAn der Entwicklung von Pandemie-Impfstoffen sei seit 2003 gearbeitet worden, betonte Michael Pfleiderer. Er arbeitet als Fachgebietsleiter für Virusimpfstoffe am Paul-Ehrlich-Institut im hessischen Langen. Die Impfstoffe gegen die Schweinegrippe würden genauso entwickelt, geprüft und zugelassen wie andere auch. Zunächst gebe es drei Impfstoffe, die ersten Impfdosen seien in drei bis vier Wochen erhältlich.

Keine Hinweise auf Unverträglichkeiten

Für den Schutz vor der Schweinegrippe seien höchstwahrscheinlich zwei Impfungen in Abstand von 21 Tagen notwendig. Ob auch eine ausreiche, könne momentan nicht eindeutig beantwortet werden, da die Datenbasis noch zu gering sei. Nach bisherigen Erkenntnissen könne sie auch zusätzlich zur normalen Influenza-Impfung gegeben werden, sagte Pfleiderer. Zurzeit gebe es keine Hinweise auf Unverträglichkeiten. Allerdings seien die Studien dazu noch nicht abgeschlossen.

Die Influenza-Experten warnen zugleich davor, die klassische saisonale Grippe zu unterschätzen, an der jährlich 7000 bis 15.000 Menschen in Deutschland sterben. Trotz aller Bemühungen schrumpften die Impfraten statt zu wachsen, kritisierte der Allgemeinmediziner Wahle. Die ersten Impflücken träten im Alter von 9 bis 17 Jahren auf. "Wir brauchen Konzepte, um diese Lücken zu schließen."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert, bis zum Jahr 2010 die Impfungsraten bei den Risikogruppen von derzeit 60 auf 75 Prozent anzuheben. Deutschland werde dieses Ziel mit Sicherheit nicht erreichen, sagte Wahle. Die Impfrate bei chronisch Kranken liege erst bei 40 Prozent und beim medizinischen Personal sogar nur bei 18 Prozent. Bei den über 60-Jährigen schaffe es Deutschland im europäischen Vergleich mit einer Rate von 50 Prozent ebenfalls nur ins Mittelfeld.

Quelle: n-tv.de, dpa

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