Fakten & Mythen

Handy aus, Rückenlehne hoch Wo bleibt der Inhalt der Bordtoilette?

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Passagierflugzeuge haben Vakuumtoiletten, die mit wenig Wasser auskommen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Obwohl das Reisen mittels Flugzeugen zur gängigen Praxis geworden ist, geht immer noch eine große Faszination vom Fliegen aus. Kein Wunder, dass manchmal die Fantasie mit den Passagieren durchgeht. Welche Theorien der Realität entsprechen und was reiner Mythos ist - n-tv klärt auf.

Der Inhalt der Bordtoilette wird während des Fluges entsorgt.

Falsch! Jeder, der schon einmal mit einem Verkehrsflugzeug unterwegs war, kennt die eigenwillige Spülung der Bordtoilette. Mit Unterdruck und großem Getöse werden die Reste nach dem Drücken eines Knopfes durch ein kleines Loch weggesaugt. Durch diese Beobachtungen ist wohl auch der Gedanke entstanden, dass der Toiletteninhalt während des Fluges entsorgt würde. Doch das stimmt nicht. Passagierflugzeuge verfügen über sogenannte Vakuumtoiletten, die mit wesentlich weniger Wasser auskommen als die herkömmlichen WCs am Boden. Das, was an Abwasser und menschlichen Hinterlassenschaften anfällt, wird in einem Unterdrucktank gespeichert, der am nächsten Flughafen geleert wird. Mit dem Wasser, das zum Händewaschen benutzt wird, geht man anders um. Dieses wird nicht gesammelt, sondern fein zerstäubt während des Fluges in die Atmosphäre entlassen.

Flugbegleiter haben einen Traumjob.

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Flugbegleiter sollten gesund und fit sein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Tatsächlich war mit der Entwicklung des Flugverkehrs der Beruf der Stewardess und des Stewards ein Traumberuf. Auf jede zu besetzende Stelle gab es deshalb reichlich Bewerber. Fluggesellschaften konnten sich aussuchen, wen sie für diesen Job einstellten. Das hat sich in den letzten Jahren, vor allem mit der Einführung der sogenannten Billigflieger, geändert. Heute werden Flugbegleiter von vielen Airlines gesucht. Kein Wunder, ist die Tätigkeit oftmals ein Knochenjob mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, ungesunden Bedingungen am Arbeitsplatz (Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Schallpegel, wenig Platz) und einer meist mäßigen Bezahlung. Demgegenüber stehen diverse Vergünstigungen. Die Airlines bilden ihre Mitarbeiter meist in einigen Wochen selbst aus. Aus diesem Grund wird die Tätigkeit als Flugbegleiter nicht mit einem Ausbildungsberuf gleichgesetzt. Flugbegleiter gelten in Deutschland formal als nicht qualifizierte Arbeitskräfte. Ob ihre Tätigkeit dennoch ein Traumjob ist, liegt im Ermessen jedes Einzelnen.

Flugbegleiter dürfen kein Übergewicht haben.

Der Umgang mit Übergewicht bei Flugbegleitern wird von jeder Fluggesellschaft anders gestaltet. Als Mindestanforderung vor Ausbildung und Einstellung werden auf den Webseiten von europäischen Fluggesellschaften oftmals Kriterien wie "körperlich fit und gesund" oder "Gewicht proportional zur Größe" oder "gepflegtes Äußeres" aufgeführt. Das sind Anforderungen, die von den Einstellungsverantwortlichen individuell ausgelegt werden können. Klare Gewichtsangaben gibt es bei europäischen Fluggesellschaften aber nicht und ein leichtes Übergewicht wird bei sonstiger Eignung toleriert. Asiatische Airlines gehen bei Übergewicht wesentlich rigider vor. Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter, die einen gewissen Taillenumfang überschreiten, werden zunächst auf weniger einträglichen Flügen eingesetzt. Schaffen sie es, wieder abzunehmen und den geforderten Taillenumfang zu erreichen, werden sie rehabilitiert. Wird innerhalb einer Frist nicht genug abgenommen, werden sie zum Bodenpersonal zwangsversetzt.

Handys könnten die Bordelektronik stören.

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Cockpit einer Boeing 737-800: In modernen Flugzeugen steckt immer mehr empfindliche Bordelektronik.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Flugzeug kommen immer mehr elektrische Systeme und elektronische Komponenten zum Einsatz, wobei gewährleistet sein muss, dass sich diese Geräte nicht gegenseitig elektromagnetisch beeinflussen oder die Systeme des Flugzeugs stören. Besonders die Navigations- und Kommunikationssysteme sind betroffen, da sie über sehr empfindliche Antennen zum Empfang von Signalen mit geringer Feldstärke verfügen. Bisher ist zwar kein Fall bekannt, in dem ein elektronisches Gerät ein Flugzeug zum Absturz gebracht hat, dennoch gehört das Ausschalten von Handys und anderen Geräten zu den Sicherheitsvorkehrungen vor jedem Start und jeder Landung. Die Vorsichtsmaßnahme soll Störungen der Bordelektronik verhindern. Diese könnte von Geräten ausgehen, die sendefähig sind, also beispielsweise von allen Handys. Doch auch solche Geräte könnten in Zukunft in Betrieb bleiben dürfen. Laut einer Untersuchung der US-amerikanischen Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA, die den Einfluss von elektronischen Geräten auf die Bordelektronik untersucht hat, sind die Geräte gar nicht so gefährlich, wie bislang angenommen. Das Ergebnis der Studie könnte zur Lockerung der Sicherheitsvorkehrungen auf internationaler Ebene führen. Bis dahin kann jeder ja sein Handy im Flugmodus nutzen.

Der Sauerstoffgehalt in der Passagierkabine wird reduziert, um die Passagiere ruhigzustellen.

Falsch! Die Zusammensetzung der Luft in der Passagierkabine wird nicht künstlich beeinflusst. Insgesamt ist sie während des Fluges in der Kabine aber "dünner" als am Boden. Der Luftdruck auf Reiseflughöhe beträgt nur 753 Millibar, was den Verhältnissen bei einer Gipfelwanderung in den Alpen entspricht. Dadurch fällt die Anzahl der Sauerstoffmoleküle etwas geringer aus und das kann sich beispielsweise ungünstig auf den Schlaf auswirken, insbesondere bei älteren und empfindlicheren Menschen. DLR-Forscher untersuchten deshalb 2013 sogar in einer Druckkammer, inwieweit eine moderate Sauerstoffanreicherung der "dünnen" Kabinenluft den Schlaf verbessern und damit den Flugkomfort erhöhen kann. Eine Senkung des Sauerstoffgehalts könnte für manchen Passagier sogar gefährlich werden.

Im Flugzeug schmeckt und riecht man anders als am Boden.

Richtig! Aufgrund des Niederdrucks in der Flugzeugkabine, der in etwa dem Luftdruck auf der Zugspitze entspricht, liegt die sogenannte Geruchs- und Geschmacksschwelle tatsächlich niedriger. Wissenschaftler haben in Studien herausgefunden, dass dies beispielsweise ein Grund für den spürbar erhöhten Konsum von Tomatensaft in der Luft ist, da dessen Geschmack bei Normaldruck am Boden als vergleichsweise muffig beschrieben wird und deshalb außerhalb der Flugzeugkabine deutlich weniger konsumiert wird als in der Luft. 

Die meisten Fluggesellschaften verkaufen mehr Flugtickets, als Sitzplätze im Flugzeug sind.

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In welchem Maß ein Flug überbucht wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

(Foto: picture alliance / dpa)

Richtig! Es ist eine gängige Praxis, mehr Flugtickets zu verkaufen, als Sitzplätze vorhanden sind, denn in der Regel gibt es immer einige Passagiere, die nicht zum Abflug erscheinen. Mit solchen Überbuchungen soll verhindert werden, dass Plätze an Bord von Flugzeugen frei bleiben und so Umsätze verloren gehen. In welchem Maße Flüge überbucht sind, hängt von verschiedenen Faktoren wie beispielsweise vom Wochentag oder von Ferienzeiten ab. Daneben gibt es Unterschiede von Land zu Land. Während japanische Passagiere als sehr zuverlässig gelten und Flüge dort kaum überbucht werden, vergeben Airlines in Indien bisweilen zehn Prozent mehr Tickets, als Sitzplätze vorhanden sind. Wer mitgenommen wird, wenn es tatsächlich einmal zu wenig Plätze gibt, entscheidet zumeist die Reihenfolge beim Check-in. Diejenigen, die zuletzt eincheckt haben, werden dann auf einen folgenden Flug umgebucht, es sei denn, es finden sich freiwillige Passagiere, die sich mit Gutscheinen oder anderen Ausgleichsleistungen auf einen nächsten Flug vertrösten lassen.

Vor der Landung wird Kerosin abgelassen.

Falsch! Kerosin wird nicht vor der Landung abgelassen und ist zudem ein teures Gut. Manchmal sind allerdings vor allem bei feuchtem Wetter Verwirbelungen hinter den Tragflächen zu sehen, die fälschlicherweise für Kerosin gehalten werden, damit aber nichts zu tun haben. Muss jedoch ein vollgetanktes Langstrecken-Flugzeug kurz nach dem Start wegen eines Notfalls oder einer technischen Störung landen, so ist es tatsächlich notwendig, Kerosin in großer Höhe dosiert abzulassen. Für diesen Vorgang, der als Fuel Dumping bezeichnet wird, besitzt jedes Passagierflugzeug eine spezielle Vorrichtung. Beim Fuel Dumping handelt es sich um einen absoluten Ausnahmefall, der in Deutschland zuvor von der Deutschen Flugsicherung genehmigt werden muss und bei einem von 30.000 Flügen vorkommt.

Bei einem Absturz hat man als Passagier keine Überlebenschance.

Falsch! Laut Statistik überleben 95,7 Prozent der Menschen bei einem Flugzeugunglück. Ein Passagierflugzeug fällt auch nach einem Schaden an den Antrieben nicht einfach wie ein Stein vom Himmel, sondern segelt noch viele Meter, bis es zu einer Notlandung ansetzt. Ein Airbus A380 zum Beispiel schafft rund 24 Meter Strecke je verlorenem Höhenmeter. Bei einer Flughöhe von 11.000 Metern segelt der Airbus eine stattliche Strecke von 264.000 Metern, bis er auf der Erde aufsetzt. Zudem kommt es nach den Ergebnissen zweier Studien auf den Sitzplatz und auf ein besonnenes Verhalten im Notfall an. Na dann: guten Flug!

Mit freundlicher Unterstützung der Experten des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums.

Quelle: n-tv.de

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