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Vegetarische Lebensweise Fern jeder Fleischeslust

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Rohkost statt Roastbeef: Immer mehr Menschen leben vegetarisch - und inzwischen auch einige Vierbeiner.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kein Fleisch zu essen, ist die richtige Lebensart - das glauben fast zehn Prozent der Deutschen. Am heutigen Weltvegetariertag wird auf die Vorteile fleischloser Kost aufmerksam gemacht. Aber ohne Tierprodukte zu leben, ist oft nicht einfach.

Tobias lebt seit seiner Jugend vegan. Wenn der 21-Jährige mit seinen Freunden unterwegs ist, muss er bei allem, was er isst und trinkt, aufpassen. Am Kiosk mustert er stirnrunzelnd die Rückseite der Chipstüte. Dann stellt er sie wieder ins Regal. Im Restaurant geht er in die Küche und fragt den Koch, wie die Nudeln zubereitet werden. Zurück am Tisch, ist er enttäuscht: "Zum Braten nehmen die hier Butter. Naja, dann gibt's für mich halt Salat."

In Deutschland geben inzwischen fast zehn Prozent der Menschen an, kein Fleisch zu essen, so der Deutsche Vegetarierbund Vebu. Aber Vegetarier ist nicht gleich Vegetarier. So verzichten Pescetarier zwar auf das Fleisch von gleichwarmen Tieren, essen aber Fisch und Meeresfrüchte. Ovo-Lacto-Vegetarier essen zwar kein Fleisch, aber Eier und Milchprodukte nehmen sie zu sich. Veganer wie Tobias hingegen lehnen jede Form von tierischen Produkten ab, auch solche, die vom lebenden Tier stammen, wie Wolle oder Honig. Frutarier gehen noch einen Schritt weiter und verzichten auch darauf, Pflanzen für ihre Ernährung zu zerstören. So wird beim Verzehr einer Möhre diese spezielle Pflanze getötet. Einen Apfel zu pflücken, schadet dem Baum jedoch nicht. Frutarier würden daher Äpfel essen, Möhren aber nicht. Diese Lebensweise gilt jedoch als bedenklich, da die Ernährung sehr einseitig ist und wichtige Nährstoffe wie Proteine oder Eisen fehlen.

Nur nicht vom Fleisch fallen

Im Gegensatz dazu wird eine gemäßigte vegetarische Lebensweise von vielen Gesundheitsexperten, auch von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, empfohlen. Vegetarier leiden seltener an Übergewicht, Krebs oder Altersdiabetes als Fleischesser. Auch die allgemeine Lebenserwartung ist unter Vegetariern höher. Das liegt wahrscheinlich aber nicht ausschließlich am Verzicht auf Fleisch, sondern allgemein an einer gesünderen und bewussteren Lebensweise.

Markus Keller, Leiter der Abteilung Wissenschaft und Forschung beim Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung, erklärt, worauf man bei fleischloser Ernährung achten muss: Es sei vor allem wichtig, gezielt jene Nährstoffe zu bekommen, die hauptsächlich in tierischer Kost vorhanden sind. So sind beispielsweise Haferflocken eine ergiebige vegetarische Eisenquelle. Bei veganer Ernährung müssen in der Regel Nahrungsergänzungsmittel genommen werden, vor allem Vitamin B12 und Kalzium. Trotzdem: "Mit einer abwechslungsreichen und vollwertigen vegetarischen Ernährung ist das Risiko von Mangelerscheinungen gering, die gesundheitlichen Vorteile überwiegen bei Weitem", so Keller.

Schlank werden und die Welt retten

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Sieht aus wie Schnitzel, ist aber Tofu: Vegetarische Gerichte sind nicht nur gesund und umweltschonend, sie können auch lecker sein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Gründe für Vegetarismus sind vielfältig. Ein häufig genanntes Motiv ist eine gesündere Ernährung. So steht Fleisch unter dem Verdacht, in großen Mengen Krebs zu begünstigen. Studien deuten auch darauf hin, dass exzessive Fleischesser ein höheres Risiko haben, im Alter an Diabetes zu erkranken. Ein weiteres Argument, seine Ernährung auf fleischlose Kost umzustellen, ist oft der Wunsch, abzunehmen. Der Grund, den die meisten Vegetarier nennen, ist aber der ethische Aspekt: Sie halten es für falsch, Tiere zu töten. Der Mensch, so das Argument vieler ethischer Vegetarier, könne inzwischen gut leben, ohne ein Tier dafür schlachten zu müssen.

Außerdem wird oft auf die schlechte Umweltverträglichkeit der Fleischproduktion hingewiesen. Im Hinblick auf den Verbrauch von Platz, Energie und Ressourcen ist die Viehhaltung wesentlich weniger effizient als der Ackerbau. So werden etwa für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch bis zu 15.000 Liter Wasser verbraucht, für ein Kilo Kartoffeln nur etwa 150 Liter. Außerdem produziert die Viehhaltung große Mengen an Treibhausgasen. In einer Umfrage der Universität Jena geben 60 Prozent der Vegetarier moralische Gründe für ihre Ernährungsweise an, 20 Prozent haben primär gesundheitliche Motive.

Das Tier im Bier

Vegetarier und Veganer müssen sehr auf ihre Lebensweise achten. In Deutschland müssen tierische Produkte in Lebensmitteln nicht gekennzeichnet werden, daher kann auch ein Vegetarier schnell aus Versehen gegen seinen Nahrungskodex verstoßen. So steckt Gelatine, gemacht aus Haut und Knochen von Rindern, in Gummibärchen, Joghurt und Wackelpudding. In einigen Säften, Weinen und Bieren sind ebenfalls manchmal tierische Komponenten enthalten. So wird Gelatine auch zum Klären der Flüssigkeiten benutzt. Zwar wird der Großteil im Anschluss herausgefiltert, vegan sind die Getränke dann jedoch nicht. Auch viele Farbstoffe und Geschmacksverstärker sind nicht vegan. Entsprechende Kennzeichnungen gibt es keine. Wer sich konsequent ohne tierische Produkte ernähren will, muss also genau recherchieren.

Vor allem für Veganer beschränkt sich ihre Lebensweise nicht nur auf die Ernährung. Sie verzichten auch auf andere Gegenstände mit tierischen Bestandteilen, etwa auf Leder und Wolle in der Kleidung. Doch auch hier lauern versteckte Tierprodukte. So wird auch bei Synthetikschuhen oft Kasein im Kleber verwendet, ein Milchprotein.

Viele Vegetarier greifen vor allem kurz nach der Umstellung ihrer Ernährung auf Fleisch-Imitate aus Tofu oder Seitan zurück. Diese haben eine ähnliche Konsistenz wie Fleisch und schmecken teilweise fast genauso, sind aber nicht selten sehr teuer. Eine Ernährung auf Basis unbehandelter, pflanzlicher Lebensmittel spart hingegen in der Regel Geld.

Rex kriegt Rüben

Auch für die Entwicklung von Kindern ist eine fleischlose Ernährung vorteilhaft, sagt Keller. Sie seien "allgemein gut oder besser mit Nährstoffen versorgt" als gleichaltrige Nichtvegatarier. Allerdings müsse bei Kindern, genau wie bei Schwangeren oder Stillenden, auf den erhöhten Nährstoffbedarf geachtet werden.

Ein neuer Trend ist die vegetarische Haustierhaltung. Dabei werden eigentlich fleischfressende Haustiere, etwa Hunde oder Katzen, vegetarisch oder vegan ernährt. Speziell bei Hunden ist es möglich, sie mit einer ausgewogenen Diät aus pflanzlichen Lebensmitteln und ergänzenden Präparaten gesund und fleischlos zu füttern. Aber eines ist das, wie der Deutsche Tierschutzbund kritisiert, nicht: natürlich.

Quelle: ntv.de