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Sauerstoffmangel im Wasser Fischfrauen wachsen Spermien

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Der zunehmende Sauerstoffmangel in den Weltmeeren hat schwerwiegende Folgen für die Fischbestände.

(Foto: REUTERS)

Im Golf von Mexiko haben Forscher Fischweibchen entdeckt, denen Spermien wachsen. Schuld ist nicht die Ölkatastrophe, sondern der geringe Sauerstoffgehalt im Wasser.

Der Sauerstoffmangel im Wasser vor der Südküste der USA lässt in vielen Fischweibchen des Atlantischen Umber Spermien wachsen. Zudem gibt es in den betroffenen Regionen von der untersuchten Art mehr Männchen als Weibchen. Dies berichtet eine Gruppe um Peter Thomas vom Institut für Meereswissenschaften an der Universität von Texas in Austin. Die Forscher warnen vor schwerwiegenden Folgen auch für weitere Fischbestände.

Ursache ist nicht die Ölkatastrophe vor der Südküste der USA. Durch die vielfach ungebremste Überdüngung gelangen weltweit große Mengen Stickstoff und Phosphor in die Flüsse – und damit auch die Küstengewässer. Das lässt viele Algen und andere Pflanzen im Wasser sprießen, deren mikrobieller Abbau Sauerstoff benötigt. Folge sind dann Bereiche, in denen das lebenswichtige Element im Wasser fehlt. Bei einem Gehalt von weniger als zwei Milligramm gelöstem Sauerstoff je Liter Wasser ist von Sauerstoffmangel (Hypoxie) die Rede. Übliche Werte liegen bei sieben Milligramm. Im schlimmsten Fall kommt es zu großen Massensterben.

Zu wenig Sauerstoff im Golf von Mexiko

Der Golf von Mexico – also dem weitgehend von Nord- und Mittelamerika eingeschlossenen Seegebiet – hat zahlreiche Zonen mit zu wenig Sauerstoff. Der Atlantische Umber ("Atlantic croaker", Micropogonias undulatus) ist ein verbreiteter Fisch, den die Forscher sowohl in Gebieten mit Sauerstoff-Mangel (insgesamt sechs) als auch in intakten Gewässern (insgesamt drei) fingen. Der Vergleich zeigte, dass in den Keimdrüsen von annähernd 19 Prozent der Weibchen aus Sauerstoffmangel-Gebieten Spermien wuchsen. In den Gewässern mit normalem Sauerstoffgehalt zeigte sich dieser Befund hingegen nicht.

Inzwischen gibt es den saisonalen Sauerstoffmangel weltweit in Seegebieten mit einer Größe von rund 250.000 Quadratkilometern, schreibt Thomas. In den vergangenen 25 Jahren habe sich das Problem verstärkt. "Das betrifft die Fischerei-Ressourcen in den Küstenregionen und damit viele Menschen, die darauf angewiesen sind." Daher sollten Untersuchungen wie seine in anderen Regionen wiederholt werden.

Molekulare Ursache der Fehlbildung

Die Forscher haben auch Hinweise auf die molekularen Ursachen der Fehlbildungen in den Keimzellen. Fische aus Sauerstoff-Mangelgebieten hatten weniger von dem Enzym Aromatase – dieses spielt eine Schlüsselrolle bei der Produktion weiblicher Geschlechtshormone. Der gleiche Effekt zeigte sich bei Fischen, die im Labor versuchsweise einem Sauerstoffmangel ausgesetzt waren.

Quelle: n-tv.de, dpa

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