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Klare Sicht bei Gefahr Forscher lösen Rätsel um Schlangenbrille

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Hat in Gefahrensituationen den notwendigen Durchblick: die Kutscherpeitschennatter (Masticophis flagellum).

(Foto: imago stock&people)

Schlangen besitzen keine Augenlider. Durchsichtige Schuppen schützen die Augen der Reptilien. Diese sind von Blutgefäßen durchzogen, die das Tier in seiner Sehfähigkeit einschränken. Doch eine besondere Fähigkeit gleicht diese Schwäche in Gefahrensituationen aus.

Schlangen haben keine Augenlider, sondern stattdessen eine durchsichtige Schuppe vor dem Auge – die sogenannte Brille. Die Durchblutung dieser Brille können die Tiere scheinbar vorübergehend stoppen, indem sie die Blutgefäße rhythmisch zusammenziehen, berichten US-Forscher im "Journal of Experimental Biology". So heben sie zumindest zeitweise die Einschränkung der Sehschärfe auf, die sich durch die unmittelbar vor ihrem Sehfeld liegenden Blutgefäße ergibt. Bei Gefahr können die Schlangen die Gefäße auch länger zusammenziehen und so die Phase klaren Sehens verlängern.

Dass die Brille der Schlangen von Blutgefäßen durchzogen ist, ist schon seit mehr als 150 Jahren bekannt. Näher untersucht wurde das Phänomen bisher nicht. Kevin van Doorn und Jacob Sivak von der University of Waterloo School of Optometry (Kanada) untersuchten es nun an einigen Exemplaren der Gewöhnlichen Kutscherpeitschennatter (Masticophis flagellum) genauer. Sie wollten herausfinden, wie die Schlangen mit der Einschränkung ihrer Sehfähigkeit durch die Blutgefäße umgehen.

Phasen des scharfen Sehens

Sie brachten jeweils ein Tier in ein kleines, durchsichtiges Terrarium, in dem die Schlange nach einigen Minuten Eingewöhnungszeit nahezu regungslos verharrte. Die Forscher richteten dann eine spezielle Lichtquelle auf ein Auge der Tiere. So konnten sie die Durchblutung in den feinen Gefäßen filmen. Die Forscher selber versteckten sich hinter einem Vorhang.

In dieser entspannten Situation zogen die Schlangen die Blutgefäße regelmäßig für knapp zwei Minuten zusammen und stoppten so die Durchblutung. Dann entspannten sie die Gefäße und ließen für eine knappe Minute Blut hindurchfließen. Das Bild änderte sich, als die Forscher die Schlangen stressten – einfach dadurch, dass sie hinter dem Vorhang hervortraten und im Labor hantierten. Die Schlangen halbierten die Länge der Durchblutungsphase auf rund 34 Sekunden, berichten die Forscher. Die Phasen scharfen Sehens wurden länger. Ob das auch andere Schlangenarten so machen, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Quelle: n-tv.de, dpa

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