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GPS-Konkurrenz hebt später ab Galileo startet Freitag

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Künstlerische Darstellung: So sieht es aus, wenn die Raketenoberstufe "Fregat" einen Galileo-Navigationssatelliten in der geostationären Erdumlaufbahn aussetzt. Irgendwann.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit Jahren schwirrt das europäische Navigationssystem Galileo durch die Medien. Heute, um 12.34 Uhr, sollten die ersten Satelliten endlich auch ihren Weg in den Weltraum finden. Doch ihr Start ist kurzfristig abgesagt worden. Die Sojus-Rakete konnte nicht abheben. Nächster Versuch: Freitag, 12.30 Uhr.

Der Start der ersten beiden Satelliten für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo ist verschoben worden. Die Sojus-Rakete mit den Satelliten an Bord konnte heute nicht wie geplant vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana abheben. Die Verzögerung habe technische Ursachen, teilt das Raumfahrtunternehmen Arianespace mit. Beim Betanken der Trägerrakete seien Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Nun gibt die EU-Kommission in Brüssel Freitag, 12.30 Uhr, als neuen Starttermin an.

Der Zeitplan drängt

Natalia und Thijs, so heißen die beiden Satelliten, wiegen je rund 700 Kilogramm und sollten heute zum Wohle Europas ins All geschossen werden. Um 12.34 Uhr unserer Zeit sollten sie vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana starten. Daraus wurde nun nichts. Es ist nicht die erste Verzögerung im Zeitplan des ehrgeizigen Galileo-Projektes. Ursprünglich sollte das Navigationssystem schon 2008 betriebsbereit sein,  nun soll es 2014 losgehen.

Galileo ist Europas Pendant zum US-System GPS (Global Positioning System), dessen erster Satellit bereits 1978 in den Weltraum startete. GPS leitet seither aber nicht nur die Amerikaner, auch in Europa verlassen sich vor allem Autofahrer auf die kostenlosen Signale, die ihr Navigationssystem auffängt und in Routenpläne übersetzt. Wozu also Galileo? Es verspreche größere Genauigkeit und Verlässlichkeit, macht die Kommission in Brüssel geltend.

Firmen und Vermesser müssen zahlen

Fünf verschiedene Dienste sind vorgesehen, die ab 2014 stufenweise den Betrieb aufnehmen. Der wichtigste für den Normalbürger ist der sogenannte offene Dienst, der von jedem gratis empfangen werden kann, etwa im Auto oder vom Landwirt auf dem Trecker. Das hilft beim richtigen Abbiegen oder beim Säen oder Düngen, wenn die Ackerfurche genau zu treffen ist, und nicht zuletzt auch Piloten beim Landeanflug. Noch genauere Daten sollen Unternehmen oder Vermesser bekommen - wenn sie dafür zahlen.

Denn Galileo soll zum einen präziser als GPS sein, aber auch mit ihm kombiniert werden können, wodurch die geballte Kraft beider Systeme genutzt wird. Die Branche werde sich darauf einstellen und die Navigationsgeräte der Zukunft so konstruieren, dass sie beide Signale auffangen, sind die Kommissionsexperten überzeugt.

Hochtechnologie aus Deutschland

Ein Großteil der Hochtechnologie stammt aus Deutschland. Die jetzt startenden Satelliten und zwei weitere wurden von EADS Astrium gebaut, Tochter des europäischen Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsriesen EADS; die Verantwortung lag beim deutschen Astrium-Zweig. Die nächsten vierzehn Stück werden unter Federführung des Bremer Unternehmens OHB gefertigt. Am Ende sollen 30 Satelliten in über 23.000 Kilometern Höhe um die Erde kreisen.

All das kostet. Rund fünf Milliarden Euro werden nach Kommissionsschätzung schon bis 2013 fällig geworden sein. Der Plan, private Investoren ins Boot zu holen, ist gescheitert. Auch der kostenpflichtige Dienst gilt nicht als Goldesel. Stattdessen verweisen die Planer auf den mutmaßlichen volkswirtschaftlichen Nutzen: Wie das Internet bilde das Navigationssystem quasi einen Katalysator für viele Aktivitäten in der Wirtschaft.

"Ob man mit einem Tanker anlegen will, oder ein Zug auf Gleis A oder Gleis B steht - da machen ein paar Meter schon etwas aus", bestätigt Marcel Dickow von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Der Raumfahrt-Forscher Ulrich Walter von der Technischen Universität München macht dagegen geltend, dass für gewöhnliche Anwender wie Autofahrer Galileo keine Verbesserung bringe. "Da reichen ein paar Meter." Und bei Präzisionsanwendungen wie dem Ausbringen von Saatgut seien ohnehin andere technische Lösungen in Gebrauch. Als nützlich verbucht Walter aber unter anderem, dass das Satellitensystem einen Rückkanal vorsieht. Damit könnten etwa verunglückte Bergsteiger weltweit ihre Position angeben.

Vor allem eine politische Entscheidung

Letztlich sei die Rieseninvestition eine "politische Entscheidung", die vor allem mit dem Wunsch der Unabhängigkeit von den USA zu tun habe, glaubt SWP-Experte Dickow. Dabei spielt für einige EU-Staaten eine wichtige Rolle, dass Galileo auch vom Militär genutzt werden könnte.

Quelle: n-tv.de, asc/dpa/AFP

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