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Die Weißkragenpipras gehören nicht zu den eigentlichen Zugvögeln (Im Bild: Wildgänse).
Die Weißkragenpipras gehören nicht zu den eigentlichen Zugvögeln (Im Bild: Wildgänse).(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 11. April 2010

Bei stürmischem Wetter: Gestresste Vögel flüchten bergab

Warum flüchten die tropischen Weißkragenpipras in niedrigere Höhenlagen? Forscher haben jetzt eine Antwort auf diese Frage gefunden: Der Regen stresst die Tiere.

Die in den Tropen lebenden Weißkragenpipras flüchten vor stürmischem Wetter. Die "Zugvögel" wandern im Verlauf des Jahres die Berge an der Atlantikseite von Costa Rica hinunter, obwohl es in höheren Lagen mehr Futter für sie gäbe. In den niedrigeren Höhenlagen regne es hingegen weniger und es sei auch weniger stürmisch, schreibt eine Gruppe um Alice Boyle in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Das wiederum ermögliche es den Vögeln, mehr Zeit für die Futtersuche zu verwenden.

Der Weißkragenpipra (Corapipo altera Hellmayr) ernährt sich von Früchten und lebt in den tropischen Bergwäldern Zentralamerikas. Da die Früchte wenig Fette, Eiweiße und Zucker enthalten, müssen die kleinen Vögel viel fressen. Ein Teil der Vögel zieht nach der Paarungs- und Brutzeit (März bis Juni) in der zweiten Hälfte des Jahres in die niedrigeren Höhenlagen, während der andere Teil an Ort und Stelle bleibt. Ab Februar beginnt der Rückflug, und zur Brutzeit treffen sich dann alle Tiere wieder in größerer Höhe.

Verschiedene Ursachen

Verschiedene Ursachen für die Wanderungen stehen zur Diskussion, wie beispielsweise Nahrungsmangel, das Alter und Geschlecht der Vögel oder das Risiko, einem Raub zum Opfer zu fallen. Doch laut Boyle reichen diese Erklärungen nicht aus. Erstmals formulierte ein Forscher im Jahr 1969 die Hypothese, dass die Vogelzüge von Stürmen ausgelöst sein könnten. Die Vogelforscher untersuchten beide Gruppen der Vögel – jene, die in 650 bis 850 Meter Höhe blieben, und jene, die den Berg hinunter zogen. In größerer Höhe fiel im Untersuchungszeitraum doppelt so viel Regen wie in den niedrigeren Lagen.

Die Wissenschaftler nahmen Blutproben und untersuchten sie auf Stresshormone, Blutfette, Stoffwechselprodukte und die Zahl der roten Blutkörperchen. Diese werden als Hinweise auf Anpassungsmöglichkeiten der Tiere auf Stresssituationen gewertet.

Regen lässt Stresshormon steigen

Dabei zeigte sich, dass die Stresshormone stiegen, nachdem es geregnet hatte. Dies führe zu einem höheren Energieverbrauch und setze die Tiere einem höheren Überlebensrisiko aus, wenn sie nicht genug Futter finden. Die Werte in höheren Lagen sprachen zudem für mehr Stress bei den Tieren, was die Forscher in Zusammenhang mit den stärkeren Regenfällen brachten. Dass die Tiere in niedrigen Lagen nach Stürmen zudem deutlich mehr fraßen als sonst, bewerten die Ornithologen ebenfalls als Beweis für einen Zusammenhang zwischen Wetter und Vogelzügen.

Quelle: n-tv.de