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Fledermäuse übertragen den Erreger Hepatitis-B-Verwandter greift Leber an

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So kann eine Leber nach der Metastasenbildung infolge einer Hepatitis B-Infektion aussehen.

(Foto: Reuters)

Ein neu entdecktes Fledermausvirus kann die Leberzellen von Menschen infizieren. Der Erreger scheint eng mit dem Hepatitis-B-Virus verwandt zu sein - die Folgen nach einer Ansteckung sind dieselben. Das Problem: Die Hepatitis-B-Standardimpfung hilft nicht gegen das bisher unerforschte Virus.

Forscher aus Bonn und Gießen haben ein neues Fledermausvirus entdeckt, das eng mit dem Hepatitis-B-Erreger verwandt ist und Leberzellen des Menschen infizieren kann. Die herkömmliche Hepatitis-B-Impfung wirkt gegen dieses Virus nicht, wie die Universität Bonn mitteilte. Entdeckt wurde der Erreger demnach in Proben einer Gelbohr-Fledermaus, einer in Zentralamerika verbreiteten Fledermausart. Die Forschungen der Virologen hätten ergeben, dass das Virus "von der Fledermaus auf den Menschen überspringen könnte", erläuterte der Bonner Virologe Jan Felix Drexler.

Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS). Hepatitis B ist eine Infektionskrankheit, die zu Leberentzündung und Krebs führen kann. Die Übertragung des Virus erfolgt vor allem sexuell, über Blut und von der infizierten Mutter auf ihr Neugeborenes während der Geburt. Mit rund 240 Millionen chronisch infizierten Menschen weltweit zählt Hepatitis B zu den häufigsten Viruserkrankungen.

Standardimpfung schützt nicht

Mysteriös ist bislang, woher das Hepatitis B-Virus stammt. Auf der Suche nach seiner Herkunft nahmen die Virologen aus Bonn und Gießen mit Forschern aus weiteren Ländern Blut- und Leberproben von Fledermäusen auf mehreren Kontinenten. "Fledermäuse leben seit vielen Millionen Jahren auf engstem Raum in Kolonien zusammen", erklärte der Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn, Christian Drosten. "Das begünstigt die Übertragung von Krankheitserregern und macht sie zu idealen Modellen für die Untersuchung zur Herkunft von Viren."

Die Untersuchungen ergaben, dass das in den Proben der Gelbohr-Fledermaus entdeckte Virus tatsächlich menschliche Leberzellen infizieren könnte. Weitere Tests zeigten, dass die weltweit verbreitete Standardimpfung gegen Hepatitis B vor diesem Erreger nicht schützt. "Dieser Befund ist sehr beunruhigend, weil er die Frage aufwirft, ob es mit der herkömmlichen Impfung gelingen kann, Hepatitis B weltweit auszurotten", erklärte Drosten.

Die Forscher verwiesen zugleich darauf, dass der derzeitige Standardimpfstoff gegen Hepatitis B trotz guter Schutzwirkung bei Neugeborenen und Kindern vermehrt Lücken in der Schutzwirkung zeigt - beispielsweise bei älteren Menschen oder Dialysepatienten. "Die Entdeckung von neuen Hepatitis-B-Viren aus Fledermäusen sollte ein Ausgangspunkt für die Entwicklung wirksamerer Hepatitis-B-Impfstoffe sein", forderte der Gießener Virologe Dieter Glebe.

Quelle: ntv.de, AFP

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