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Nachweis gelingt mit einem Trick Hepatitis-B-Virus über 82 Millionen Jahre alt

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Das Foto zeigt Hepatitis-B-Viren neben menschlichen Zellen.

(Foto: dpa)

Die Ahnen des heutigen Hepatitis-B-Virus gibt es schon zu Zeiten, als die Dinosaurier noch die Erde bevölkern. Da Viren aber keine Fossilien hinterlassen, greifen Forscher aus Münster für den Nachweis zu einem Trick.

Hepatitis B, eine der häufigsten Virusinfektionen weltweit, ist mehr als 82 Millionen Jahre alt. Das haben Wissenschaftler aus Münster herausgefunden. Die Forscher der Westfälischen Wilhelms-Universität und vom Naturkundemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe konnten in Vogel-Erbgut prähistorische Hepatitis-Viren nachweisen und präsentieren ihre Arbeit jetzt im Fachjournal "Nature".

Die Studie zeige Einblicke in die frühe Evolution von Hepatitis-B-Viren bei Vögeln und Säugetieren, so die Wissenschaftler. Die Forscher schließen aus ihrem Fund, dass Hepatitis-B-Viren bei Säugetieren vermutlich beim Wirtswechsel vom Vogel zum Säuger entstanden sind.

"Im Urzustand eingefroren"

"Viren selbst hinterlassen keine Fossilien, die Aufschluss über ihre Vergangenheit geben könnten", sagte Alexander Suh. Die Gruppe suchte deshalb in Genom-Datenbanken nach Überbleibseln paläoviraler Sequenzen in der Erbsubstanz von Wirtsorganismen wie Vögeln. Diese Einschlüsse von Sequenzen des Hepatitis-B-Virus im Erbgut von Vögeln verändern sich nur langsam. Deshalb sei es heute noch möglich, viele Millionen Jahre alte virale Erbsubstanzen zu untersuchen, wie der Leiter der Arbeitsgruppe, Jürgen Schmitz, erläuterte: "Die prähistorische virale Erbsubstanz wird quasi zum Zeitpunkt ihrer Integration ins Wirts-Genom im Urzustand eingefroren und bleibt daher bis heute als solche sichtbar - wir nennen diese Sequenzen deshalb auch molekulare Fossilien."

"Ein sensationeller Fund war dabei ein nahezu vollständiges Virusgenom, das sich seit über 82 Millionen Jahren als molekulares Fossil erhalten hat", sagte Suh. Diese Entdeckung stamme aus dem späten Mesozoikum - da bevölkerten noch die Dinosaurier die Erde.

Das Hepatitis-B-Virus wird beim Sex oder durch Blut übertragen und kann eine schwere Lebererkrankung auslösen. Mehr als 240 Millionen Menschen sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation chronisch mit Hepatitis B infiziert, über 500.000 sterben pro Jahr daran.

Quelle: ntv.de, dpa

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