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Nicht nur bei Diabetikern Hoher Blutzucker kann Demenzrisiko steigern

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Im Jahr 2050 werden einer Studie zufolge etwa dreimal so viele Menschen in den USA an Alzheimer erkrankt sein wie heute. Alzheimer ist die häufigste Form von Demenz.

(Foto: picture alliance / dpa)

Erhöhte Blutzuckerwerte gehen offenbar mit einem gesteigerten Risiko für Demenz einher – und zwar nicht nur bei Diabetikern. Eine große Langzeitstudie aus den USA deutet darauf hin, dass schon ein mäßig erhöhter Glukosespiegel das alternde Gehirn schädigen kann.

Ein hoher Blutzuckerspiegel kann das Risiko für Demenz erhöhen. Das berichtet eine Forschergruppe um den Mediziner Paul Crane vom Group Health Research Institute in Seattle im US-Staat Washington im "New England Journal of Medicine".

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Auch in Deutschland sagen Experten einen starken Anstieg der Demenz-Patientenzahlen voraus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Forscher werteten die Daten von rund 2100 Menschen im Alter ab 65 Jahren aus. Ihr Blutzuckerspiegel wurde im Zeitraum von 5 Jahren im M ittel 17 Mal gemessen, neben etlichen anderen Werten. In den folgenden knapp sieben Jahren erkrankten 524 Teilnehmer an einer Demenz. Dabei stieg das Risiko mit dem Blutzuckerspiegel. Menschen mit Diabetes, die einen Mittelwert von 190 Milligramm pro Deziliter hatten, waren um 40 Prozent stärker gefährdet als jene Diabetiker, deren Konzentration bei 160 lag.

"Das interessanteste Ergebnis war aber, dass erhöhte Glukosewerte auch bei jenen Menschen ohne Diabetes mit einem höheren Demenzrisiko verbunden waren", betont Crane. "Es gab bei niedrigeren Glukosewerten keine Schwelle, ab der das Risiko abflaute." Demnach waren Nicht-Diabetiker mit dem Durchschnittswert 115 Milligramm pro Deziliter um 18 Prozent stärker gefährdet als Menschen mit einer Konzentration von 100. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) betrachtet Werte unter 100 als normal.

Beobachtungsstudie bestätigt Risikofaktoren

Crane betont jedoch, es handele sich nur um eine Beobachtungsstudie. "Das ist zwar interessant und wichtig, aber wir haben keine Daten, denen zufolge eine Senkung des Spiegels das Demenzrisiko bessert", meint er. "Solche Daten müsste man in künftigen Studien ermitteln."

Prof. Richard Dodel von der Universität Marburg spricht von einem interessanten Ergebnis. "Die Auswirkungen des Blutzuckers im Normbereich auf das Demenzrisiko sind in einer großen Studie noch nicht untersucht worden", sagt der Mediziner, der Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist. Dennoch enthalte die Studie Schwächen: So sei unklar, um welche Tageszeit der Blutzucker gemessen wurde, ob die Blutentnahme auf nüchternen Magen erfolgte und welche weiteren Einflüsse berücksichtigt wurden.

Grundsätzlich bestätige das Resultat aber, dass generell Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen - etwa Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte oder ein großer Körper-Masse-Index - auch die Gefahr für eine Demenz erhöhten. Um das Risiko zu mindern, müssten Patienten schon im mittleren Lebensalter optimal eingestellt werden, betont der Neurologe.

Quelle: ntv.de, dpa

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