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Überfischung vor Neufundland Kabeljau ergreift Chance

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(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Einst sorgten die schier unerschöpflichen Kabeljau-Gründe vor Neufundland für Nahrung und Reichtum. Das gnadenlose Überfischen hatte einen Kollaps zur Folge. Der danach ausgesprochene Fangstopp scheint nun langsam zu helfen – unsicher bleibt aber der Ausgang des unfreiwilligen Ökologie-Experiments.

Die bis an den Rand des vollkommenen Zusammenbruchs überfischten Bestände des Kabeljau von Neufundland sind nach einem langen Fangstopp vermutlich dabei, sich langsam zu erholen. Ob sich aber eine Situation wie zuvor einstelle, als die Fische den Menschen Nahrung und vielfach Reichtum brachten, lasse sich noch nicht sagen. Zu sehr hat sich das Ökosystem seither verändert. Das berichtet eine Gruppe um William Leggett von der Queen’s University im kanadischen Kingston. Die Studie erscheint im Journal "Nature”.

Kaum einem anderen Fischbestand hat der Mensch so sehr zugesetzt wie den Kabeljau vor Neufundland. Die ersten europäischen Rückkehrer berichteten vor rund 500 Jahren von sagenhaften Fischfängen. Vor dem "neu gefundenen Land" im Westatlantik könne man Körbe vom Schiff herablassen und sie später voller Kabeljau wieder an Bord wuchten. Von diesem Reichtum blieb kaum etwas.

Der Kabeljaubestand ging durch rücksichtslose Fischerei von 1850 bis 2005 um rund 96 Prozent zurück. Das berichteten damals Forscher um Andy Rosenberg von der Universität New Hampshire in Durham (USA) in den "Frontier9s in Ecology” der US-Gesellschaft für Ökologie (Bd. 2, Nr. 3, S. 84). Demnach passten vor nunmehr sechs Jahren alle erwachsenen Kabeljaus aus den einst märchenhaft reichen Fischgründen der Neufundlandbänke in 16 kleine Schoner, wie sie in Amerika vor dem Bürgerkrieg üblich waren.

Schutz trägt Früchte

Seither haben sich kleine, Plankton fressende Fische um das Neunfache vermehrt – es gab kaum noch Kabeljaue, die sie hätten fressen können. Seit rund 20 Jahren werden diese Raubfische (Gadus morhua, in der Ostsee auch Dorsch genannt) geschützt, und langsam nimmt ihre Zahl wieder zu. Die Zahl von kleineren Planktonfressern – etwa Heringen – erreichte im Jahr 1999 einen Höhepunkt mit zehn Millionen Tonnen Biomasse. Das war aber auf Dauer zu viel, heute kommen diese weitaus kleineren Fische auf drei Millionen Tonnen.

Dieser Rückgang ließ schließlich den Larven räuberischer Fische mehr Nahrung und damit ein schmales Fenster zur Erholung, notiert Leggett. Mehr Nachkommen überlebten. Das Durchschnittsgewicht pro Raubfisch wie Kabeljau, Seelachs und Seehecht war im Zeitraum 2006 bis 2010 um 8 und 16 Prozent größer als im Vergleichszeitraum 1992 bis 2005, also der Zeit vor dem Kollaps.

Quelle: ntv.de, dpa