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Genetischer Schmelztiegel Kieselalge entziffert

Kieselalgen haben enormen Einfluss auf die Atmosphäre und damit auf unser Leben: Sie produzieren ein Fünftel des weltweit in der Natur gebildeten Sauerstoffs. Eine internationale Arbeitsgruppe, zu der auch Forscher des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven gehörten, hat nun das Erbgut der Kieselalge Phaeodactylum tricornutum entschl üsselt.

Die Algen seien ein "veritabler Schmelztiegel" von Merkmalen tierischer, pflanzlicher und bakterieller Vorfahren, erklärt Mitautor Chris Bowler von der Pariser Ecole Normale Suprieure. Über die Ergebnisse berichten die Forscher im Journal "Nature". Der Gruppe der Kieselalgen gehören mehrere zehntausend Arten an, die weniger als ein Tausendstel Millimeter bis zwei Millimeter lang sein können. Sie besiedeln alle Feuchtgebiete - Meere und Seen ebenso wie Moore und Tümpel.

Bakterien-, Pflanzen- und Tiervorfahren

Die Forscher verglichen nun das Erbgut von Phaeodactylum tricornutum mit dem anderer Kieselalgen. Ergebnis: Die Gensequenzen sind im Durchschnitt nur zu 55 Prozent identisch - und damit weniger als beispielsweise jene von Mensch und Kugelfisch (Takifugu rubripes, 61 Prozent). Die Kieselalgen hätten sich in 180 Millionen Jahren - und damit sehr rasch - an verschiedenste Bedingungen angepasst und dafür reihenweise nützliche Gene von anderen Lebewesen übernommen.

Der Austausch von Erbgut mit fremden Organismen sei bei den Algen "äußerst gebräuchlich", schreiben die Forscher. Von Tieren stamme beispielsweise die Fähigkeit, Harnstoff zu bilden. Zudem können die Algen je nach Bedarf Fett in Zucker oder Zucker in Fett umwandeln, heißt es weiter. Die Alfred-Wegener-Forscher hatten sich vor allem mit der Entwicklungsgeschichte der Kieselalgen beschäftigt. Phaeodactylum tricornutum verf üge über ein großes Arsenal von Proteinen für die Nutzung von Licht als Energiequelle. Interessant seien auch die extrem stabilen Schalen der Algen sowie ihre Fähigkeit, große Mengen an hochwertigen pflanzlichen Ölen - den Omega-3-Fettsäuren - zu produzieren, heißt es in einer Mitteilung des Instituts. Die Öle könnten auch als Biokraftstoff infrage kommen.

Quelle: ntv.de

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