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Hohe Ernte-Rückgänge berechnetKlimawandel bedroht dieses Grundnahrungsmittel stärker als gedacht

03.08.2026, 11:55 Uhr
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Forschenden zufolge ist der Reisanbau stärker vom Klimawandel betroffen als bislang angenommen. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Reis ernährt einen Großteil der Weltbevölkerung. Doch das Getreide ist anfällig für extreme Hitze. Diesen Effekt der Erderwärmung unterschätzen bisherige Modelle. Das könnte Folgen für die Verfügbarkeit des Nahrungsmittels haben.

Reis ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel für Milliarden Menschen weltweit - und einer aktuellen Studie zufolge wohl heftiger von der Klimakrise betroffen als bislang angenommen. Bereits bei einer globalen Erwärmung von einem Grad sei mit einem Rückgang der Reis-Erträge von 8,1 Prozent zu rechnen, berechnet ein Team von Forschern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) sowie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Dies sei ein mehr als doppelt so starker Rückgang als von bisherigen Erntemodellen berechnet, schreibt die Gruppe im Fachjournal "Science Advances". Diese hatten den Rückgang auf 3,8 Prozent geschätzt.

"Die Abweichung zwischen Beobachtungen und Modellen scheint vor allem darauf zurückzugehen, dass viele heutige Erntemodelle Hitzeschäden während der Fortpflanzungsphase von Reis noch nicht ausreichend erfassen", erklärt UFZ-Erstautorin Yiwei Jian. "Die Beobachtungen der Studie zeigen, dass Reis genau dann besonders anfällig für extreme Hitze ist, wenn sich Rispen und Körner entwickeln."

Die Autoren betonen, dass ihre Berechnung nicht als konkrete Prognose der künftigen Reisproduktion zu verstehen sei, da nur Temperatureffekte berücksichtigt wurden, nicht aber Auswirkungen durch andere Einflüsse wie etwa eine veränderte Verfügbarkeit von Wasser. Zudem hat sich die Erde bereits deutlich stärker erwärmt als 1 Grad, nämlich um rund 1,4 Grad. Im vergangenen Jahr lag die globale Durchschnittstemperatur laut Weltwetterorganisation etwa 1,44 Grad über dem Niveau des Zeitraums von 1850 bis 1900.

Süd- und Südostasien besonders stark betroffen

Für ihre Berechnungen zogen die Forscherinnen und Forscher mehr als 200 Beobachtungen aus Freilandexperimenten heran. In diesen Versuchen wurde teils die Umgebungstemperatur der Reispflanzen gezielt erhöht - etwa durch Infrarotstrahler, die für eine bestimmte Zeitspanne beispielsweise die bodennahe Luft erwärmten. So konnte der Temperatureffekt isoliert von anderen Faktoren untersucht werden. Dies verglich das Team mit Simulationen von sieben bestehenden globalen Ertragsmodellen für Reis.

Dass der Effekt des Klimawandels auf die Reis-Erträge bislang unterschätzt wurde, erklären die Forscher unter anderem damit, dass bisherige Modelle sich oft eher auf die allmählichen Folgen höherer Durchschnittstemperaturen fokussiert haben statt auf unmittelbare Schäden durch Extremhitze. Besonders stark betroffen von Hitzeeffekten wären der Studie zufolge Süd- und Südostasien. In manchen Regionen dort könnten die Ernteeinbußen größer ausfallen, da die Reispflanzen besonders häufig extremer Hitze ausgesetzt sind: So geht PIK-Co-Autor Christoph Müller etwa für Thailand von einem Gesamtschaden von knapp 14 Prozent pro Grad Erwärmung aus.

Müller erklärt mit Blick auf die Differenzen zwischen der aktuellen und bisherigen Schätzungen: "Das Ergebnis unterstreicht, dass für die erwarteten Ertragseinbußen nicht nur die Durchschnittstemperaturen, sondern besonders die Hitzeextreme entscheidend sind. Das ist recht einfach nachvollziehbar: Wenn wir im Sommer in den Wetterbericht schauen, um uns auf Hitze einzustellen, interessiert uns vor allem die Tageshöchsttemperatur, nicht der Tagesdurchschnitt".

Das Team empfiehlt, den Reisanbau den neuen klimatischen Gegebenheiten anzupassen und hitzetolerante Sorten zu entwickeln und anzubauen, Pflanztermine abzustimmen sowie Bewässerung und Bodenqualität zu optimieren.

Quelle: ntv.de, Larissa Schwedes, dpa

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