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In allen Säugetieren möglich Körper produzieren Morphin

Morphin wird in der Medizin als eines der stärksten bekannten natürlichen Schmerzmittel angewendet. Forscher finden nun heraus, dass Mäuse in der Lage sind, Morphin selbst herzustellen. Welche Aufgabe jedoch das Mittel im Körper hat, bleibt noch unklar.

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Morphin kann in einem aufwendigen Verfahren aus Schlafmohn gewonnen werden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Säugetiere und damit vermutlich auch der Mensch können im Körper selbst Morphin herstellen. Dies zeigen Versuche deutscher und US-amerikanischer Wissenschaftler an Mäusen. Die Tiere besitzen demnach den vollständigen biosynthetischen Apparat, um das Morphin aus dem körpereigenen Alkaloid Tetrahydropapaverolin (THP) herzustellen. Das schreibt das Team in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS"). Über die Aufgabe des Morphins ist noch nichts bekannt.

Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass der Mensch mit dem Urin beständig eine kleine Menge Morphin ausscheidet. Unklar war jedoch, ob es im Körper selbst erzeugt oder mit der Nahrung aufgenommen wird. Dieser Frage nahmen sich nun die Forscher um Nadja Grobe vom Donald Danforth Plant Science Center (St. Louis/US-Staat Montana) an. Ihre Hypothese: Stammt das Morphin aus körpereigener Produktion, sollte ein entsprechender Biosynthese-Apparat vorhanden sein, mit dessen Hilfe bestimmte Vorläufermoleküle in das Endprodukt umgewandelt werden können.

Komplizierte Herstellung

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Morphium wird vor allem Menschen mit unheilbaren Krebserkrankungen verabreicht.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Die Gruppe verabreichte Mäusen Spritzen mit markierten Vorläufersubstanzen und überprüften dann, welche Produkte sich im Urin anfanden. Auf diese Weise zeigte sich, dass Morphin über zahlreiche Zwischensubstanzen aus THP gebildet wird. Außer Morphin fanden die Forscher noch die verwandten Endprodukte Codein und Oripavin.

Die meisten Substanzen des Synthesewegs waren bereits aus dem Pflanzenreich bekannt, lediglich das Ausgangsmolekül weicht der Untersuchung zufolge von dem der Pflanze ab. Dies spreche dafür, dass der Morphin-Syntheseweg bei Pflanzen und Tieren unabhängig entstanden ist, schreiben die Wissenschaftler.

Welche Enzyme das THP über die verschiedenen Zwischensubstanzen in Morphin umwandeln und welche Funktion das Endprodukt im Körper übernimmt, ist bisher unklar. In der Medizin wird Morphin als Schmerzmittel eingesetzt. Es wird dazu aus dem Schlafmohn (Papaver somniferum) gewonnen.

Quelle: ntv.de, dpa

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