Wissen

Die Zukunft der Arktis Lebensumstände ändern sich

Das Schmelzen des arktischen Eises macht zur Mitte des Jahrhunderts neue Wege für die Schifffahrt über den Nordpol frei, behindert aber den Transport an Land. Gleichzeitig steigen die Risiken für die Umwelt durch die Förderung von Öl und Gas sowie die Fischerei.

Eisausdehnung in der Arktis.jpg

Die Nasa-Illustration zeigt die Eisausdehnung in der Arktis. (Archivbild vom 3.9.2010)

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Klimawandel lässt den Transport über Land in den Anrainerstaaten der Arktis schwieriger werden. Die wärmeren Temperaturen machen Pisten, die nur in der kalten Jahreszeit bestehen, früher unpassierbar. Der Umfang der betroffenen Transportmöglichkeiten schwankt von minus 11 bis minus 82 Prozent. Anders sieht es auf dem Seeweg aus: Dort werden mehr Schiffe besser durchkommen (plus 5 bis plus 28 Prozent) und damit viele Handelsrouten erheblich verkürzen. Dies sind Resultate einer Studie von Scott Stephenson von der University of California in Los Angeles. Präsentiert sind sie im Journal "Nature Climate Change".

Derzeit bedeckt Eis große Teile des Nordmeeres. Zu dessen Anrainern gehören Russland, Grönland, Kanada und die USA mit ihrem Bundesstaat Alaska. Viele Prognosen sagen vorher, dass der Klimawandel das Eis zunehmend schmelzen wird. Dies bedeutet zugleich, dass Eispisten über gefrorene und ansonsten unpassierbare Böden für kürzere Zeit zu befahren sind.

Stephenson und seine Kollegen kombinierten für ihre Kalkulation im Computer zahlreiche Daten: Landkarten, Klimamodelle, die Besiedelung, Lufttemperaturen, Schneedecke sowie die aktuelle und vorhergesagte Eisbedeckung des Meeres rings um den Nordpol.

Weiterhin steigende Temperaturen

Die vorhergesagte Temperaturerhöhung von zwei bis vier Grad Celsius bis zum Endes des Jahrhunderts wird in der Arktiks nochmals verstärkt und im Bereich von plus 4 bis 11 Grad Celsius liegen, schreiben die Forscher. In den Jahren 2007 bis 2010 gab es bereits vier aufeinanderfolgende Eis-Minima, was das Interesse an Fahrten über den Pol erhöhte und das Thema ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit brachte. Die Nordroute von Rotterdam nach Yokohama wäre im Vergleich zum Weg durch den Suez-Kanal etwa 40 Prozent kürzer, notiert Stephensons Gruppe.

Nur bei Kälte zu benutzende Straßen gibt es etwa in Alaska, Finnland, Norwegen, Russland und Schweden. Allein in Kanada sind es 5400 Kilometer. Im Norden Alaskas hat sich die Zeit, in der diese Wege passierbar waren, seit den 1970er Jahren bereits von 200 auf 100 Tage halbiert.

Folgen für die Nutzung

Arktis_Eisbär.jpg

Der Zugang zu den Rohstoffen der Arktis wird durch die Eisschmelze erleichtert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Küstenstaaten werden durch den Rückgang des Meereises allerdings einen besseren Zugang als bisher zu ihrer sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone erhalten, die sich 200 Seemeilen weit von der Küste ins Meer erstreckt. In Grönland sind das plus 28 Prozent, in Kanada plus 19 Prozent, heißt es in "Nature Climate Change".

Kurz: Der Transport über Land wird im Vorhersagezeitraum von 2045 bis 2059 durchweg schwieriger, jener über das Wasser einfacher. Demnach sind dann nur noch das Innere Grönlands sowie einige Bereiche der Wasserwege vor der nordöstlichen kanadischen Küste durchweg unpassierbar. Ein Großteil des arktischen Ozeans wird während der Monate Juli bis Februar für Schiffe der Typenklasse A ("Type A Class") neu zugänglich werden. Diese können zwar Eis brechen, allerdings weitaus schlechter als die spezialisierten und viel stärkeren Eisbrecher.

Das alles hat bis zum Mitte des Jahrhunderts Folgen für die Umwelt, erklären die Wissenschaftler. Zu den neuen Handelsrouten kommt ein verstärkter Tourismus. Fischer werden die neuen Möglichkeiten ebenso nutzen wie Konzerne, die nach Öl und Gas suchen. Es gibt Schätzungen, nach denen 30 Prozent des Erdgases und 13 Prozent des Erdöls unter der Arktis liegen – mit weniger als 500 Metern Wasser über dem Grund. Mit den Aussichten für die Energiegewinnung steigt das Risiko für Umweltschäden durch Unfälle und das Entsorgen von Abfall, schreibt das Team. Staaten wie Kanada, Dänemark oder Russland haben bereits umfassende Ansprüche auf die nördlichen Seegebiete angemeldet.

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema