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Wirkt ähnlich wie Kokain Liebe lindert Schmerzen

US-Forscher finden heraus, dass intensive Liebe die selben Hirnregionen aktiviert wie Schmerzmittel oder manch illegale Droge. Frisch Verliebte spüren deswegen weniger Schmerzen, wenn sie an ihre Partner denken. Dennoch kann eine leidenschaftliche Liebesaffäre keine Medikamente ersetzen, meinen die Wissenschaftler.

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Forscher bestätigen: Die Liebe ist eine legale Droge.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine junge Liebe lindert Schmerzen ähnlich wie manche Schmerzmittel oder sogar illegale Drogen wie Kokain, schreiben US-Forscher im Fachjournal "ONE" der Public Library of Science (PLoS). "Wenn Menschen diese leidenschaftliche, alles einnehmende Phase der Liebe erleben, gibt es merkliche Veränderungen in ihrer Stimmung, die ihr Schmerzerlebnis beeinflussen", erläutert Studienleiter Sean Mackey von der Universität Stanford in Kalifornien.

Die Forscher hatten 15 frisch verliebten Freiwilligen – 8 Studentinnen und 7 Studenten – über ein Hitzemodul in der Handfläche leichte Schmerzen zugefügt. Dabei zeigten sie ihnen entweder ein Foto ihres Partners oder – zur Kontrolle – eines ebenso attraktiven Bekannten. Die Fotos hatten die Probanden selbst ausgesucht und mitgebracht. Die Reaktion im Hirn der Verliebten beobachteten die Forscher im funktionalen Magnetresonanztomographen.

Aktivierung des "Belohnungszentrums"

"Es zeigt sich, dass intensive Liebe dieselben Hirnregionen aktiviert, die Medikamente nutzen, um Schmerzen zu lindern", berichtet Mackeys Kollege Arthur Aron von der Universität von New York in Stony Brook. "Wenn man an den Geliebten denkt, löst das eine intensive Aktivierung des Belohnungszentrums im Hirn aus – dieselbe Region, die aufleuchtet, wenn man Kokain nimmt, dieselbe Region, die aufleuchtet, wenn man eine Menge Geld gewinnt."

Auch wer abgelenkt wird, spürt bekanntermaßen weniger Schmerzen. Die Forscher testeten daher, ob der Anblick des Geliebten bloß über die Ablenkung Schmerzen lindert. Dazu bekamen die Probanden Aufgaben wie "Denken Sie an eine Sportart ohne Ball". Tatsächlich zeigten sich Ablenkung und Verliebtsein als etwa gleich gute Schmerzmittel, sie funktionieren jedoch völlig anders.

Kein Ersatz für Medikamente

"Im Ablenkungstest waren die Wege im Hirn zur Schmerzlinderung vor allem kognitive", berichtet Co-Autor Jarred Younger. Die Schmerzlinderung fand demnach vor allem in höheren Regionen der Hirnrinde statt. "Die Liebe als Schmerzmittel wirkt viel mehr über die Belohnungszentren", betont Younger. "Dies scheint primitivere Teile des Hirns zu involvieren, wobei tiefe Strukturen aktiviert werden, die Schmerzen möglicherweise schon auf der Ebene des Rückenmarks blockieren – ähnlich wie Opioid-Schmerzmittel funktionieren."

Die Forscher sehen zwar noch keine Chance, die Medikamente von Schmerzpatienten durch eine leidenschaftliche Liebesaffäre zu ersetzen. Sie hoffen jedoch, dass ein besseres Verständnis der Belohnungswege im Hirn zu neuen Methoden der Schmerzlinderung führt. "Dies zeigt uns, dass man sich nicht nur auf Medikamente zur Schmerzlinderung stützen muss", erläutert Aron. "Menschen können intensive Belohnung fühlen ohne die Nebeneffekte von Medikamenten."

Quelle: ntv.de, dpa

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