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Gesang ohne Frühlingsgefühle Mildes Wetter unproblematisch

Die heimische Natur steckt das ungewöhnlich milde Wetter im Spätherbst locker weg - für manche Arten bringen die hohen Temperaturen sogar Vorteile. Insekten beispielsweise profitieren von den Plusgraden, allerdings auch ihre natürlichen Gegenspieler: Einige Fledermäuse sind derzeit aktiv, weil noch viel Beute unterwegs ist. Wildschweine haben im weichen Erdboden kein Problem, nach Nahrung zu wühlen, Hirsche und Rehe finden genug frisches Grün.

Von Amseln, Rotkehlchen und Zaunkönig sei in diesem Wochen "Herbstgesang" zu hören, sagt Klaus Richarz, Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt. Das sei vor allem in den Städten nicht ungewöhnlich. Frühlingsgefühle kommen aber kaum auf, denn im Hormonhaushalt der Vögel spielt neben hohen Temperaturen das Licht eine entscheidende Rolle - die kurzen Novembertage bieten davon einfach zu wenig.

Angepasst an das aktuelle Wettergeschehen bilde sich ein dynamisches Gleichgewicht, sagt Horst Gossenauer-Marohn vom Landesbetrieb Hessen-Forst. Der Forstexperte schildert das an einem Beispiel aus dem Wald: Zwar sei die Wärme für Insekten wie den Borkenkäfer günstig, aber gleichzeitig schaffe sie auch für einen Feind des Forstschädlings gute Überlebensbedingungen. Der Pilz mit dem Namen Beauveria brongiatii entwickelt sich in feucht-mildem Wetter nämlich ebenfalls gut. Er befällt die Insekten und schwächt oder tötet sie sogar. Ob damit mehr Insekten Schaden nehmen als in einem strengen Winter, ist allerdings nicht bekannt.

Die warmen Temperaturen im Spätherbst haben dem Düsseldorfer Insektenforschers Heinz Mehlhorn zufolge die Saison für Mücken, Fliegen oder Zecken einfach verlängert. Da die Insekten vor dem Winter die Eier ablegen und als Larven überwintern, könnte es bei einem milden Winter im kommenden Frühjahr eine große Zahl von Fliegen oder Mücken geben. Sollte es aber einige Tage hintereinander richtig kalt werden, könnte dieser Effekt wieder verpuffen. "Die Natur ist nicht vorhersehbar", sagt der Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität.

Den von Schadstoffen und Trockenheit gestressten Waldbäumen tut viel Regen gut. Fällt er sanft und gleichmäßig, saugt sich die Erde voll wie ein Schwamm. "Der Wasserspeicher füllt sich dann gut auf", sagt Forstexperte Marohn. Die Feinwurzeln der Bäume haben so im Frühjahr schnell Zugang zum Wasservorrat. Bei der Schneeschmelze im Frühling fließt häufig das Wasser viel zu schnell ab. Nachteil: Ist der Boden zu weich, haben die Bäume keinen guten Halt, so dass ein starker Wintersturm großen Schaden anrichten kann.

Gefährlich wird es erst, wenn die Natur nicht genug Zeit hat, sich auf neue Wetterverhältnisse einzustellen: Setze schnell starker Frost ein, könne es etwa für Fledermäuse eng werden, sagt Experte Klaus Richarz. Am wenigsten Probleme haben die Zugvögel - sie fliegen der Kälte einfach davon.

Quelle: ntv.de

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