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Immunabwehr hilft bei Schlaganfällen Nervenzellen werden geschützt

Neue Erkenntnisse zur Immunabwehr des Nervensystems könnten künftig zur Verhinderung von Schädigungen nach Schlaganfällen beitragen. Deutsche Forscher entschlüsselten jetzt die Rolle der Mikrogliazellen, die als eine Art Ordnungspolizei für die Immunabwehr im Gehirn verantwortlich sind.

Bislang standen sie im Verdacht, bei einer Schädigung des Gehirns wie etwa bei Schlaganfällen, Traumata oder chronischen Erkrankungen Nervenzellen zu schädigen und zu vernichten. Den Wissenschaftlern vom Leibniz-Institut für Neurobiologie und der Universität Magdeburg gelang nun aber der Nachweis, dass Mikroglia die Nervenzellen schützen.

Eindringlinge werden eliminiert

Sie simulierten an Gehirnen von toten Mäusen einen künstlichen Schlaganfall, indem sie Sauerstoff und Glukose entzogen. Anschließend führten sie dem Gewebe neutrophile Granulozyten zu, die im Blutkreislauf für die Immunabwehr sorgen. Bei einer Hirnschädigung durchdringen die Granulozyten die ansonsten undurchlässige Blut-Hirn-Schranke und greifen die Nervenzellen im Gehirn an.

Die Forscher wiesen nach, dass Mikroglia die Eindringlinge eliminieren. Unter dem Zeitraffermikroskop beobachteten sie, dass Mikroglia regelrecht Jagd auf die Granulozyten machen, sie sich einverleiben und abbauen. Dabei verfolgen die Zellen nicht nur sterbende Eindringlinge, sondern auch vitale. Werden Mikroglia dagegen gehemmt, vergrößert sich der Hirnschaden durch den experimentellen Schlaganfall. Bereits zuvor hatten die Magdeburger beobachtet, dass sich Mikroglia schützend um die Nervenzellen legen.

Pharma-Forschung muss reagieren

Für die Schlaganfallforschung sind diese Erkenntnisse von großer Bedeutung. Die Wissenschaft sucht nach entzündungshemmenden Medikamenten gegen Schlaganfälle. Damit aber würde auch die nützliche Reaktion der Mikroglia unterbunden. Die Pharmaforschung müsse sich nunmehr also auf die Entwicklung anti-entzündlicher Mittel konzentrieren, die die besondere Rolle der Mikroglia beachten, teilten die Forscher mit.

Der Schlaganfall ist in den Industrieländern die dritthäufigste Todesursache und verursacht schwere Behinderungen. Allein in Deutschland erleiden jährlich 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Bislang gelingt es nicht, Hirnareale vor dem Zelltod zu bewahren und dem fortschreitenden Zellverlust entgegenzuwirken.

Quelle: n-tv.de