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Intelligente Materialien Neue Fenster gegen Lärm

Flugzeuglärm, Verkehrsgetöse und dumpfe Bässe aus der Disco nebenan: Diesen nervenaufreibenden Belästigungen sollen neuartige "intelligente" Schallschutzfenster entgegenwirken, die von Forschern der Technischen Universität Darmstadt und des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit (LBF) entwickelt worden sind.

"Wir hoffen, dass diese Fenster in den nächsten sechs Jahren vermarktet werden können", sagte Fraunhofer- Forscher Thilo Bein bei der Abschlusskonferenz des mit 27 Millionen Euro dotierten EU-Projekts InMar (Intelligent Materials for Active Noise Reduction - Intelligente Materialen zur aktiven Lärmreduzierung) in Darmstadt.

Schwingungen reduziert

Derzeit sei die Fertigung aber noch zu teuer, schränkte Bein ein. Vor der Markteinführung müssten außerdem die sogenannten Piezoplättchen, die die Schwingungen im Fenster reduzieren und beim Prototyp auf der Scheibe kleben, aus optischen Gründen unsichtbar gemacht werden. Piezo-Aktoren wandeln elektrische Energie in Bewegung um.

Weil Schall unter anderem über die Schwingung der Fenster in Gebäude gebracht wird, haben die Forscher dort Hindernisse eingebaut: Auf der Scheibe klebt ein Beschleunigungssensor, der die Schwingung misst. Ein ebenfalls auf dem Fenster klebendes Piezoplättchen erzeugt eine Schwingung, die der des Schalls entgegengesetzt ist und sie somit ausgleicht. Ziel sei es, die Lärmbelastung von 80 bis 90 Dezibel auf 60 bis 70 Dezibel zu senken.

Auch fürs Auto

Die lärmschluckenden Fenster sind eine Entwicklung der 41 Partner aus 13 Ländern, die in den vergangenen vier Jahren an dem EU-Projekt beteiligt waren. Ähnlich wie bei den Fenstern können Geräusche auch bei Autos reduziert werden, wenn Piezo-Aktoren an der Ölwanne oder der Motorlagerung angebracht werden und den Schall über Gegenschwingung dämpfen, sagte Bein. Dies seien neben den Rollgeräuschen die wichtigsten Lärmquellen im Fahrzeug. "Unser Wunsch ist es, dass die aktive Lärmreduzierung in einigen Jahren in allen Neuwagen Standard ist", sagte Bein.

Europaweit sind nach Angaben des Fraunhofer-Instituts mehr als 100 Millionen Menschen von Lärmbelastung betroffen. Weil Lärm nicht nur lästig sei, sondern auch krank machen könne, entstünden jährlich Kosten von geschätzten zehn Milliarden Euro.

Quelle: n-tv.de