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Bio-Eier, Hühner-Nahrung und Dioxine "Öko-Futter kostet doppelt so viel"

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Eine Gefahr in der ökologischen Landwirtschaft: Nicht immer ist klar, welche Gifte im Boden schlummern.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Bio-Eier sind vom aktuellen Dioxin-Skandal nicht betroffen, denn konventionelle Pflanzenöle aus chemischer Extraktion sind im ökologischen Landbau verboten. Was es mit dem Futter für Biohof-Hennen auf sich hat, wie teuer es ist und warum Dioxin auch in der ökologischen Landwirtschaft ein Thema ist, erklärt Dr. Christiane Keppler, Legehennen-Expertin im Bereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel, im Gespräch mit n-tv.de

n-tv.de: Frau Keppler, warum wird überhaupt Fett an Hühner verfüttert?

Christiane Keppler: Das Futter wird zermahlen, hat also mehr oder weniger grobe und feine Bestandteile. Dazu gehört zum Beispiel Kartoffeleiweiß. Das gibt es nur in feiner, mehlförmiger Form. Andere Bestandteile, wie etwa Getreide und Erbsen, werden gröber zermahlen. Wird das nun gemischt, wird das sehr staubig und bindet sich nicht. Außerdem muss ein gewisser Energieanteil im Futter sein. Daher mischt man einen geringen Prozentsatz an Ölen hinzu. Damit erreicht der Energiegehalt das richtige Niveau, und gleichzeitig werden die staubigen Futtermittelanteile gebunden.

Womit werden Biohof-Hennen gefüttert? Warum bekommen sie keine konventionellen Pflanzenöle?

Auf Biohöfen ist grundsätzlich nur Futter zugelassen, das nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus angebaut worden ist. In stark begrenztem Umfang sind auch konventionelle Futteranteile erlaubt. Allerdings nur zu maximal fünf Prozent und nur, wenn die Produkte nicht in Öko-Qualität verfügbar sind. Das gilt auch für bestimmte konventionelle Pflanzenöle. Sie müssen, um auf Biohöfen überhaupt zugelassen zu werden, auf jeden Fall durch mechanische Pressverfahren erzeugt worden sein. Chemische Extraktionsverfahren und isolierte Fettsäuren sind in der ökologischen Landwirtschaft verboten. Biohof-Hennen werden meist zu etwa 50 Prozent mit Weizen gefüttert, zu 10 Prozent mit Erbsen, dann wahlweise mit Mais, Sonnenblumenkuchen, Kartoffeleiweis, Maiskleber, Sojakuchen und Grünmehl und zu etwa 1 Prozent mit Öl.

Was kostet einen Öko-Bauer diese spezielle Fütterung? Wie viel tiefer muss er in die Tasche greifen als konventionelle Betriebe?

Etwa doppelt so tief.

Wie sehr ist Dioxin ein Thema in der ökologischen Landwirtschaft?

Laufen Hühner in einem Auslauf herum, wo sie Erde und Gras aufnehmen können, ist es grundsätzlich denkbar, dass der Boden aus irgendwelchen Gründen kontaminiert ist, ohne dass der Bauer davon weiß. Es könnte beispielsweise eine Dioxin ausstoßende Fabrik in der Nähe sein. Dass so etwas passiert, ist nie auszuschließen. Dioxin kommt inzwischen in unserer Umwelt vor, und insofern können auch Öko-Hühner damit in Berührung kommen.

Im Mai 2010 waren Biohöfe von dioxinverseuchtem Mais betroffen. Wie konnte das passieren?

Das ist meines Wissens noch immer nicht geklärt. Vermutlich wurde der Mais irgendwo gelagert, wo zuvor dioxinverseuchtes Getreide aufbewahrt worden war.

Warum werden die Hennen der aktuell betroffenen Höfe getötet? Wäre es nicht ausreichend, abzuwarten, bis sie das belastete Futter ausgeschieden haben?

Das ist nicht so einfach, weil sich das Dioxin im Körperfett anreichert. Aber es wäre prinzipiell durchaus möglich. In jedem Fall dürften die Betriebe solange keine Eier vermarkten, bis das Dioxin in den Eiern unter dem festgelegten Grenzwert liegt. Dies führt oft dazu, dass die Herden nicht mehr wirtschaftlich sind, insbesondere dann, wenn sie schon den größten Teil ihrer Legezeit hinter sich haben. Daher fällt dann die Entscheidung, die Tiere zu töten.

Mit Dr. Christiane Keppler sprach Andrea Schorsch

Quelle: ntv.de

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