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25 Jahre Schutz der Ozonschicht Ozonkiller weiter im Einsatz

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Ende September 2006 erreichte das Ozonloch über der Antarktis eine besonders große Ausdehnung: Es war 27,5 Millionen Quadratkilometer groß.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

FCKW ist längst verboten. Am 16. September 1987 verpflichten sich 24 Länder zu einer Einschränkung und dann zum Stopp der Produktion. Später ratifizieren 173 weitere Staaten das Montrealer Protokoll. Und doch ist das Ozonloch keine Vergangenheit. 2011 tritt es erstmals auch über dem Nordpol auf. Die Gefahr ist noch nicht gebannt.

Man hat sich daran gewöhnt. Dass man Sonne in Australien nur noch komplett bekleidet oder unter dem Schirm genießen kann, dass man Down Under selbst zum Schwimmen langärmelige T-Shirts trägt, dass wir auch in unseren Breiten Lichtschutzfaktor 20 (und mehr) ins Gesicht schmieren, wo uns doch früher schon LSF 6 zu hoch war – das alles erscheint uns inzwischen selbstverständlich.

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Die Ozonschichtdicke 1979 und 2007 im Vergleich, oben über der Arktis, unten über der Antarktis.

Vom Ozonloch redet man zwar nicht mehr so oft wie noch vor 25 Jahren, aber wir wissen um seine Existenz. Denn auch wenn die Verwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen, kurz FCKW, 1987 weltumspannend schrittweise verboten wurde, ist es um die schützende Ozonschicht noch immer schlecht bestellt. Und das wird sich auch erstmal nicht ändern.

"Der Tiefpunkt ist gerade erreicht", sagt Physiker Markus Rex vom Alfred-Wegener Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Potsdam. Im südpolaren Winter klafft über der Antarktis regelmäßig ein riesiges Loch. Da FCKW sehr langlebig sind, zerstören sie noch Jahrzehnte nach ihrer Freisetzung das Ozon in der Stratosphäre. Deshalb, so die Voraussagen von Meteorologen und der Nasa, wird die Ozonschicht erst in den 2070er Jahren wieder in dem Zustand sein, wie sie es vor 1980 war.

Damals, 1985, wurde das Loch über dem Südpol erstmals nachgewiesen. Die Ozonschicht beginnt 10.000 bis 17.000 Meter über der Erde, sie geht bis auf 50.000 Meter hoch. In dieser Schicht wird Sauerstoff (O2) durch die UV-Strahlung der Sonne in Ozon (O3) umgewandelt, teilweise wird das Ozon aber auch wieder gespalten. In einem Ozon-Sauerstoff-Zyklus bildet sich ein Gleichgewicht, die Menge an Ozon bleibt daher annähernd konstant. Normalerweise. Gase wie FCKW beschleunigen den Ozonabbau. Besonders aggressiv werden sie bei großer Kälte. Dann kann ein einzelnes Chloratom bis zu 100.000 Ozonmoleküle zerstören.

Ozonloch direkt über unseren Köpfen

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Der violette Bereich über der zentralen Arktis, Teilen Skandinaviens und Russlands zeigt die Lage des arktischen Ozonlochs 2011.

(Foto: Alfred-Wegener-Institut)

Die Kälte ist der Grund, warum das Ozonloch lange Zeit ein rein antarktisches Phänomen war. Nur dort waren die Temperaturen tief genug für einen FCKW-bedingten, beschleunigten Ozonabbau in bedrohlichem Ausmaß. Doch inzwischen kommt in dem Prozess ein weiterer Aspekt zum Tragen: der Klimawandel. Das Ozonloch, das 2011 über dem Nordpol auftrat, geht auf sein Konto. Denn während die unteren Luftschichten durch Klimaveränderungen wärmer werden, kühlen die oberen Schichten ab. So wird die arktische Stratosphäre in besonders kalten Wintern nachweislich immer kälter. Forscher verzeichnen hier einen langfristigen Trend. Hält dieser tatsächlich an, könnten die Temperaturen über dem Nordpol in den nächsten Jahrzehnten immer wieder mal so weit sinken, dass die ozonzerstörenden Substanzen aktiv werden und ein Ozonloch die Folge ist.

Das wirkt sich dann nicht nur auf Skandinavien und Russland, sondern mitunter auch auf Mitteleuropa aus. 2011 befand sich das Loch an manchen Tagen direkt über unseren Köpfen. Die Gefahren sind bekannt: Ozon absorbiert UV-Strahlung. Ist die Schutzschicht nicht da, gelangt die schädliche UV-B-Strahlung verstärkt zur Erde. Hautkrebs tritt häufiger auf, Augenerkrankungen ebenso. Das menschliche Immunsystem wird gestört. Bei Pflanzen ist die Photosynthese beeinträchtigt, was zu Ernterückgängen führt. Im Meer bildet sich weniger Phytoplankton, das hat weitreichende Folgen für die gesamte Nahrungskette. Das Ozonloch über der Antarktis verändert zudem – so berichten kanadische und US-amerikanische Forscher – zahlreiche klimarelevante Prozesse, wodurch in subtropischen Regionen mehr Regen fällt.

Ozonkiller weiterhin im Einsatz

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Bis 2040 dürfen ozonschädigende H-FCKW produziert werden. Die Ersatzstoffe sind gefährliche Treibhausgase.

(Foto: UNEP)

Und trotz des "Montrealer Protokolls" vom 16. September 1987 gelangen auch heute noch große Mengen ozonschichtschädigender Stoffe in die Atmosphäre. Zwar haben inzwischen 197 Staaten die Vereinbarungen ratifiziert und sich damit verpflichtet, die Produktion von Ozonfressern einzuschränken und schließlich zu stoppen. Doch als Ersatz für FCKW brachte die Chemieindustrie die teilhalogenierten H-FCKW auf den Markt. Die sind zwar weniger schädlich, greifen die Ozonschicht aber ebenfalls an. In den 90er Jahren nahm die Produktion von H-FCKW weltweit stetig zu. Erst 1996 setzte eine Verschärfung des Montrealer Protokolls dieser Entwicklung ein Ende. Wie Greenpeace-Experte Wolfgang Lohbeck kritisiert, gibt es aber noch jahrelange Übergangsfristen. Erst 2040 muss H-FCKW komplett verschwunden sein. Bis 2050 wird es in die Atmosphäre entweichen.

Noch schlimmer beurteilt Lohbeck die dritte Generation der Ersatzstoffe, die Fluorkohlenwasserstoffe (FKW). Sie sollen langfristig zu fast 100 Prozent an die Stelle der mit ihnen verwandten FCKW rücken. FKW schonen die Ozonschicht, sind aber starke Treibhausgase. "Da gibt es überhaupt keine Perspektive für ein Verbot", sagt Lohbeck. Seit Jahren streite die internationale Gemeinschaft darüber, ob die FKW eher im Montrealer, im Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz oder einem eigenen Abkommen geregelt werden müssten.

Geräte emittieren Ozonfresser

Und dann sind da noch die in Produkten "gespeicherten" Mengen ozonschichtschädigender Substanzen. Durch die langjährige Verwendung der Substanzen hat sich weltweit ein beachtlicher Bestand aufgebaut. Die Stoffe stecken in Dämmstoffen und Feuerlöscheinrichtungen, Kälte- und Gefriergeräten sowie Klimaanlagen. Aus diesem Bestand – und er steigt jährlich – gelangen die Ozonkiller über die gesamte Nutzungsphase der Geräte und Materialien und bei ihrer Entsorgung in die Atmosphäre. Nach Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP waren vor zehn Jahren rund um den Globus noch immer 563.000 Tonnen FCKW und 1,5 Millionen Tonnen H-FCKW allein als Kältemittel im Einsatz. Welche Maßnahmen mit Blick auf diesen Bestand zu ergreifen sind, das wird vielerorts noch diskutiert.

Auch 25 Jahre nach den weltumspannenden Verboten bleiben also viele Baustellen bestehen. "Das Montreal-Protokoll wurde von den Beteiligten ad absurdum geführt", beklagt Greenpeace-Experte Lohbeck. "Eine Erfolgsgeschichte? Wohl kaum, das Gegenteil ist richtig."
Immerhin: Dank Abkommen wird sich die Ozonschicht erholen. Im Schneckentempo. Entwarnung aber gibt es noch lange nicht.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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