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Schwindel, Übelkeit, Erbrechen Reisekrankheit kann jeden treffen

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(Foto: imago/Westend61)

Auf dem Weg zur Oma oder während des Traumurlaub auf einem Schiff: Die Reisekrankheit ist weit verbreitet. Vor allem Kinder bis 12 Jahre sind oftmals betroffen. Dabei können einfache Vorkehrungen helfen, zumindest bei moderaten Symptomen.

"Mir ist schlecht" ist ein Satz, den viele Eltern hören, wenn ihr Kind in einem Fahr- oder Flugzeug sitzt. Die sogenannte Reisekrankheit ist stark altersabhängig und trifft vor allem Kinder zwischen 2 und 12 Jahren. Dennoch ist kein Mensch in keinem Alter davor gefeit. Die typischen Symptome wie Übelkeit, Druck in der Magengegend und allgemeines Unwohlsein bei einer Fahrt mit Auto, Bus, Bahn, Schiff oder während eines Fluges können sich jederzeit einstellen. Sogar ein langjähriger Seefahrer oder eine erfahrene Flugbegleiterin kann von einem Augenblick zum anderen see- beziehungsweise reisekrank werden. Die Gründe dafür können bisher nicht genau benannt werden.

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Ingwer hilft nachweislich bei Reisekrankheit.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine vorherrschende Meinung unter Wissenschaftlern ist, dass die Sinnesorgane widersprüchliche Aussagen zur räumlichen Lage und der Bewegung des Körpers liefern. Diese führen schließlich zu einem Fehlersignal im Hirnstamm und es kommt zu den beschriebenen körperlichen Reaktionen. Vor allem das Innenohr mit seinem Gleichgewichtsorgan, mit dem Schwerkraft und Beschleunigung wahrgenommen werden, scheint eine wesentliche Rolle beim Auftreten der Reisekrankheit zu spielen.

Steine aus dem Gleichgewicht

Die kleinen Steinchen im Innenohr, die auch als Otolithen bezeichnet werden, sind normalerweise paarweise, auf beiden Seiten gleich schwer und gleich groß, angeordnet. Bei jeder Veränderung der Lage des Kopfes oder des Körpers, verändern auch die Otolithen ihre Lage. Das führt dazu, dass die Information "Schräglage" an das Gehirn weitergeleitet wird. Stimmt diese Information nicht mit dem Überein, was wir sehen, kommt es zu einem Informationskonflikt, in der Fachsprache als visuell-vestibularer Konflikt bezeichnet. In solchen Fällen kommt es, so die Vermutung, zu einer Art "Error"-Information im Gehirn, die dann mit einer Vergiftung gleichgesetzt wird. Zum Schutz des Körpers werden Übelkeit und Brechreiz aktiviert. So eine der Erklärungsansätze.

Fest steht aber, dass die Reise- oder Seekrankheit, selbst wenn man sein schwankendes Gefährt nicht verlassen kann, in den meisten Fällen nach spätestens zwei bis drei Tagen von selbst wieder verschwindet. Wer nicht so lange warten, vorbeugen oder seine Kinder unterstützen möchte, der kann mit einigen einfachen Mitteln Abhilfe schaffen:

Grundsätzlich gilt, egal in welchem Verkehrsmittel man sich befindet, man sollte sich immer in Fahrtrichtung und so weit wie möglich nach vorn setzen. Der Blick sollte, wenn möglich, nach vorn auf die Straße oder auf einen festen Punkt am Horizont gerichtet werden. Ist das nicht möglich, dann setzt man sich so weit wie möglich weg vom Fenster, zum Beispiel in den Mittelgang im Flugzeug. Ratsam ist auch, sich hin und wieder zu bewegen, zum Beispiel im Gang auf und ab zu gehen.

Gespräche mit anderen können zudem von einer leichten Übelkeit ablenken. Frischluft wirkt manchmal Wunder. Der Kopf sollte aufrecht und so ruhig wie möglich gehalten werden. Manchen hilft es, die Augen zu schließen. Lesen oder mit abgeknicktem Nacken auf dem Smartphone rumtippen, fördern dagegen die Symptome. Bei schwerer Übelkeit, ist es ratsam, sich auf den Boden zu legen, kühlende Wickel auf Stirn oder in den Nacken zu legen und die Augen zu schließen. Im Schlaf wird übrigens der Gleichgewichtssinn ausgeschaltet.

Wer nur leichte Symptome verspürt, der kann auf Ingwer zurückgreifen. Die Wurzel kann Übelkeit und Brechreiz wirkungsvoll unterdrücken. Ingwer wirkt zudem vorbeugend. Man kann schon am Vortag der Reise eine dünne Scheibe der Wurzel langsam im Mund zerkauen und schlucken. Wem das zu scharf ist, der kann auch auf Ingwer-Pulver oder –Tabletten aus der Apotheke setzen. Der Vorteil gegenüber anderen apothekenpflichtigen Medikamenten gegen Reisekrankheit ist, dass Ingwer-Präparate nur sehr wenige Nebenwirkungen haben. Patienten mit Magengeschwüren und Gallensteinen sollten aber Abstand davon nehmen.

Quelle: ntv.de