Wissen

Hier speit die Kobra Schlangen rechnen's aus

Bisher war nicht klar, wie die erstaunliche Treffsicherheit bei Speikobras entsteht. Forscher finden nun mit zahlreichen Versuchen heraus, dass die Tiere die Bewegungen ihrer Opfer blitzschnell vorausberechnen.

11269576.jpg

Die weltweit größte Speikobra ist in Kenia beheimatet. Sie kann knapp drei Meter lang werden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Speikobras können die Bewegung ihrer Gegner genau vorausberechnen und zielen ihren Giftstrahl daher auf jenen Ort, den der Kontrahent erst in Kürze erreichen wird. Diese Erklärung für die erstaunliche Treffsicherheit der Reptilien liefert ein Team Bruce Young von der University of Massachusetts im "Journal of Experimental Biology". Für die Experimente setzte sich der Forscher immer wieder den Giftstrahlen aus – geschützt durch Frischhaltefolie.

Speikobras jagen wie andere Giftschlagen. Wenn sie in die Enge getrieben werden, richten sie sich zur Drohung auf – und schießen in Not ihr Gift als einen scharfen Strahl in die Augen des Angreifers. Das kann schwere Vergiftungen, Gewebeschäden und Entzündungen bis zur Blindheit zur Folge haben. Um die Abwehr möglichst effektiv zu gestalten, sollten die Schüsse schnellstmöglich sitzen – die Schlange kann nicht unbegrenzt "nachladen".

Geschützt im Selbstversuch

13544927.jpg

Eine frisch geschlüpfte Speikobra im Tierpark Berlin. Auch die jungen Tiere können ihr tödliches Gift zielgenau ihren Feinden entgegenspucken.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

An der Universität Bonn, im Labor von Horst Bleckmann, ließen sich die nötigen Experimente unternehmen. Ausgestattet mit Bewegungs- und Beschleunigungssensoren und einer Art durchsichtigem Schutzhelm trat Young den Tieren gegenüber, bewegte sich und reizte sie damit. Gleichzeitig filmten Helfer die Reptilien mit Hochgeschwindigkeitskameras. Über sechs Wochen hinweg setzte sich der Forscher gut 100 Attacken auf seine Augen aus.

Die Auswertung der Daten zeigte, dass die gestresste Schlange irgendwann auf eine Kopfbewegung reagierte und dann spuckte. Zwischen Entscheidung und "Abschuss" vergingen 0,2 Sekunden, in denen sich der Kopf des Forschers naturgemäß noch ein kleines Stück weiterbewegte. Die Videobilder zeigten, dass die Schlangen ihren Kopf in die gleiche Richtung beschleunigten, in der sich die Augen des Gegners bewegen. Die Tiere, können, so schließt das Team, die Bewegung vorausberechnen und ihren Strahl entsprechend im passenden Zielgebiet platzieren.

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema