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Wissenschaftler erklärt Video "Schneebilder" auf Tschuri machen Furore

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Im Jahr 2016 schoss "Rosetta" dieses Foto von "Tschuri".

(Foto: Esa)

Neu veröffentlichte Bilder der Esa-Raumsonde "Rosetta" werden im Netz zum Hit: Denn sie zeigen, was wie ein Schneesturm auf der Oberfläche des Kometen "Tschuri" aussieht. Die Bilder sind echt - doch zu sehen ist etwas anderes.

Wie sieht es eigentlich aus, wenn man auf einem Kometen steht und mit ihm durchs All reist? Ein spektakuläres Video, das derzeit in sozialen Medien Furore macht, scheint genau davon einen Eindruck zu geben: eine unwirtliche Landschaft eingehüllt in etwas, was aussieht wie heftiges Schneegestöber. Das nur wenige Sekunden dauernde Video wurde zuerst von Twitter-Nutzer "landru79" hochgeladen - es ist ein atemberaubender Blick auf den Kometen mit dem Namen 67P/Churyumov-Gerasimenko, genannt "Tschuri", der von der Esa-Sonde "Rosetta" besucht worden war.

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Die Macher des Clips hatten sich in der umfangreichen Bild-Datenbank der europäischen Weltraumorganisation Esa bedient. Geschossen hatte die Bilder die Raumsonde "Rosetta", als sie im Juni 2016 den Kometen umkreiste. Veröffentlicht hat sie die Esa aber erst Ende März 2018. Als Einzelbilder betrachtet ist schwer zu erkennen, was überhaupt auf ihnen zu sehen ist. Lediglich ein Teil der Kometen-Oberfläche ist am unteren Rand klar erkennbar. Erst die Montage vieler Bilder zu einem kurzen Film entwickelt den Eindruck, als würde man im Schneegestöber auf dem Kometen stehen.

Schneit es wirklich auf dem Kometen?

Dass es sich nicht um Schnee handelt, der da auf dem Kometen fällt, ist für Esa-Forscher Mark McCaughrean wahrscheinlich: "Meine Vermutung ist, dass es sich im Vordergrund um von der Sonne angestrahlten Staub handelt", kommentiert er unter dem Original-Tweet. Und da "Rosetta" sich durch diesen Staub hindurchbewege, entstehe die Illusion von Schnee, der auf den Kometen falle - obwohl dieser während der Aufnahme tatsächlich mehrere Kilometer von der Kamera entfernt sei.

Der "Schnee" im Hintergrund hingegen sei der von vielen Sternen dicht besetzte Sternenhimmel, so McCaughrean weiter. Durch die Rotation des Kometen oder die Eigenbewegung der Sonde sehe es so aus, als würden die Sterne wie Schneeflocken vom Himmel fallen. Der Esa-Forscher kann auch sagen, welches Sternbild zu sehen ist: nämlich der Große Hund. Zu dem spektakulären Effekten auf dem Video trägt übrigens bei, dass die Bilder in einer Zeitspanne von 25 Minuten aufgenommen und zu einem Sekunden-Clip komprimiert wurden - es entsteht also ein Zeitraffer-Effekt. McCaughrean spricht daher auch von einer "netten optischen Illusion".

Die "Rosetta"-Mission war ein historisches Ereignis in der Raumfahrt: Zum ersten Mal wurde mit dem Lander "Philae" im Jahr 2014 eine Sonde auf einem Kometen abgesetzt. Zuvor war die europäische Raumsonde "Rosetta" mit "Philae" im Gepäck nach ihrem Start im Jahr 2004 rund zehn Jahre zu dem Kometen unterwegs gewesen. Die Mission endete im September 2016, als die Sonde auf dem Kometen kontrolliert abstürzte.

Quelle: n-tv.de, kst

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